Lohr

Bahn plant in Lohr Ticketverkauf per Video statt am Schalter

Am Bahnhof in Kahl am Main gibt es bereits ein Video-Reisezentrum. Ein solches soll nun auch der Bahnhof in Lohr erhalten.  Foto: Thomas Jungewelter

Seit rund zehn Monaten unterhält die Deutsche Bahn am Lohrer Bahnhof keinen personenbedienten Ticketverkauf – obwohl sie vertraglich dazu verpflichtet wäre. Doch nun zeichnet sich ein Ende dieses Zustands ab: Die Bahn will ein so genanntes Video-Reisezentrum einrichten.

Dort wird zwar kein Fahrkartenverkäufer aus Fleisch und Blut sitzen. Aber man kann sich per Videoschaltung mit einem in Schweinfurt angesiedelten Bahnmitarbeiter verbinden und beim Ticketkauf beraten lassen. Gezahlt wird bar oder per Bankkarte. Der Automat druckt das Ticket direkt aus.

Seit Februar verwaist

Wann das Video-Reisenzentrum am Lohrer Bahnhof in Betrieb geht, steht noch nicht genau fest. Am kommenden Montag, 18. November, ist jedoch der Hauptausschuss des Lohrer Stadtrates dazu aufgefordert, dem Vorhaben der Bahn seine Zustimmung zu erteilen.

Zum Handeln gezwungen war die Bahn, nachdem Ende Februar am Lohrer Bahnhof der Kiosk mitsamt Ticketverkauf geschlossen hatte. Dessen Betreiber hatte das Geschäft aufgegeben, weil er keine wirtschaftliche Perspektive mehr sah. Die Bahn hatte daraufhin versucht, einen Nachfolger zu finden, unter anderem per Annonce. Doch die Suche blieb erfolglos. Fahrkarten kann man am Bahnhof daher seither nur am Fahrkartenautomaten kaufen. Eine Beratung gibt es dabei nicht.

Persönlicher Verkauf ist Pflicht

Im bis 2027 laufenden "Verkehrsdurchführungsvertrag Main-Spessart" verpflichtet die Bayerische Eisenbahngesellschaft die Bahn jedoch dazu, am Lohrer Bahnhof einen personalisierten Fahrkartenverkauf zu unterhalten, und zwar an mindestens 45 Stunden pro Woche. Mit dem Video-Reisezentrum will die Bahn dieser Verpflichtung nun nach längerer Vakanz wieder nachkommen.

Bei dem Reisezentrum handelt es sich um eine Videokabine. In ihr können Bahnreisende via Bildschirm, Kamera und Mikrofon Kontakt zu einem Kundenberater der Bahn aufnehmen. Dieser berät zum jeweiligen Ticketwunsch.

Wie ein Sprecher der Bahn gegenüber der Redaktion erklärte, holt das Unternehmen stets die Zustimmung der Stadt ein, bevor sie ein solches Video-Reisezentrum installiere. Die Bayerische Eisenbahngesellschaft habe dem Video-Reisezentrum bereits zugestimmt.

Sollten auch die Lohrer Stadträte zustimmen, was wahrscheinlich ist, werde die Bahn die Einrichtung einer Online-Datenleitung beauftragen, so der Bahnsprecher. Dies dauere in der Regel mehrere Monate. Das Aufstellen der Videokabine gehe dann hingegen relativ schnell. Platziert werden soll sie laut Bahnsprecher im Bahnhofsgebäude.

Längere Öffnungszeiten

Als Vorteile des Video-Reisezentrums gegenüber bis Februar praktizierten Fahrkartenverkauf in einem Kiosk nennt der Sprecher die "längeren und pausenfreien Öffnungszeiten an allen sieben Wochentagen". Die in Schweinfurt sitzenden Berater seien dann von Lohr aus am Montag von 7 bis 19 Uhr, von Dienstag bis Freitag von 7.30 bis 19 Uhr, am Samstag von 8 bis 15 Uhr und am Sonntag von 9 bis 14 Uhr erreichbar. In Bayern gibt es mittlerweile über 20 solcher Reisezentren, eines davon beispielsweise in Kahl am Main.

Es handle sich um ein "Erfolgsmodell", so der Bahnsprecher. Auch der Fahrgastverband ProBahn sieht in den Videoreisezentren eine praktikable Lösung. In Zeiten, in denen immer mehr Kunden ihre Tickets im Internet buchten, sei der Fahrkartenverkauf vor Ort an den Bahnhöfen rückläufig. Ein Video-Reisenzentrum sei eine geeignete Möglichkeit, wegbrechende Strukturen aufzufangen, so die Position von ProBahn. Das Reisezentrum sei leichter zu bedienen als ein Fahrkartenautomat.

Ein weiteres Thema in der am Montag um 17 Uhr im Großen Saal des Rathauses beginnenden Sitzung ist die Änderung der Satzung über die von der Feuerwehr in Rechnung gestellten Kostensätze. Daneben geht es um die Anschaffung eines auf gut 80 000 Euro veranschlagten Anhängers mit Ladekran für den städtischen Bauhof.

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