LOHR

Banküberfall in Klingenberg: War es derselbe Täter wie in Lohr?

Der Bankräuber in Klingenberg. Foto: Polizeipräsidium Unterfranken

Donnerstag, 27. Juni, 12 Uhr: Ein maskierter Mann überfällt die Lohrer Filiale der HypoVereinsbank Lohr und erpresst mit vorgehaltener Pistole mehrere tausend Euro.

Donnerstag, 17. Oktober, 14.55 Uhr: Ein vermummter Mann überfällt die Filiale der Sparkasse Miltenberg-Obernburg in der Klingenberger Rathausstraße, bedroht mehrere Angestellte mit einer Schusswaffe und erbeutet mehrere tausend Euro.  

Der Bankräuber in Lohr Foto: Polizeipräsidium Unterfranken
 

Zwei Banküberfälle binnen vier Monaten, nur 50 Kilometer voneinander entfernt: Da drängt es sich auf, nach Parallelen zu suchen. War es womöglich derselbe Mann, der zweimal aktiv war? Und in der Tat gibt es eine ganze Reihe von Übereinstimmungen, die diese vage Vermutung bestärken.

Sind das ähnliche, die gleichen oder gar dieselben Schuhe?

  • In beiden Fällen wurde die Größe des Unbekannten auf 1,70 Meter beschrieben.
  • Rein figürlich ist auf den beiden Fahndungsfotos der Polizei kein großer Unterschied auszumachen: schlank und tendenziell sportlich, kräftig. 
  • In beiden Fällen trug der Bankräuber eine schwarze Basecap, allerdings in verschiedenen Ausführungen: In Lohr war es eine mit weißem Schirm und einem Logo des Deutschen Fußballverbands, in Klingenberg eine andere schwarze mit nicht näher bezeichnetem Signet in Weiß.
  • In beiden Fällen hatte sich der Räuber einen Schlauchschal übers Gesicht gezogen: in Lohr war es ein schwarzes Multifunktionstuch mit der Aufschrift „ADV“, in Klingenberg ein graues, dem Fahndungsfoto zufolge ohne Aufschrift.
  • In beiden Fällen trug der Unbekannte eine schwarze Arbeitshose der Marke „Engelbert Strauss“, jeweils mit Schenkeltaschen. In Lohr war es eine 2/3-Hose, die bis knapp übers Knie reicht, in Klingenberg eine lange. Nachdem es auch Zip-Off-Arbeitshosen gibt, deren Beine durch einen Reißverschluss abnehmbar sind und in eine 2/3- oder 3/4-Hose umgewandelt wird, ist nicht auszuschließen, dass es sich sogar um dieselbe Hose handelt. Dies ist jedoch eine reine Spekulation aufgrund der veröffentlichten Angaben und Fotos.
  • In beiden Fällen erpresste der Räuber seine Beute mit vorgehaltener Pistole. Ob es sich um das gleiche Modell handelt, ist aufgrund der veröffentlichten Videobilder nicht auszumachen, aber auch nicht auszuschließen.
  • Die Schuhe im Klingenberger Fall werden als "Sportschuhe" beschrieben. Dem Fahndungsfoto nach sind sie grau – wie auch jene des Lohrer Bankräubers. 
  • In beiden Fällen sprach der Bankräuber deutsch ohne fremdländischen Akzent. Im Fall Klingenberg glauben Zeugen, einen "rheinländischen Dialekt" ausgemacht zu haben.

Die kleinen Unterschiede

Anhand der veröffentlichten Fotos und Daten lassen sich auch kleine Unterschiede ausmachen, beziehungsweise gibt es Angaben ohne Entsprechungen:

  • Der Bankräuber in Lohr trug ein T-Shirt in den Tönungen lachs- oder indisch-rot. Im Aufdruck in geschwungener Schrift „The Authentic Company“ , darunter ist noch „VINTALICIOUS“ zu entziffern. Der in Klingenberg hatte seine neongrüne Jacke bis obenhin zugezogen.
  • Nur in Klingenberg trug der Unbekannte auch braune Leder-Handschuhe.
  • Der Räuber in Lohr verstaute seine Beute in einer Stofftasche des Discounters „Penny“, der in Klingenberg in einer nicht näher beschriebenen "hellen" Tasche.
  • Das Alter des Mannes in Lohr wurde auf etwa 30 Jahre geschätzt. Die entsprechende Einschätzung des Unbekannten aus Miltenberg wurde nicht veröffentlicht.
  • In Lohr trug der Räuber zudem eine Sonnenbrille. Dergleichen wird von dem Täter in Klingenberg nicht beschrieben.

Nicht nur wegen der zeitlichen und räumlichen Nähe: Bei Banküberfällen prüfe die Kriminalpolizei "generell" Parallelen zu weiteren Delikten, erklärte Kathrin Thamm von der Pressestelle des Polizeipräsidiums Unterfranken auf Nachfrage. Auch im Fall von Klingenberg werde der Fall aus Lohr mit abgeprüft. Die Ermittler aus Aschaffenburg stehen demnach mit der Kripo Würzburg in Kontakt und tauschen sich auch über neue Entwicklungen aktuell aus. 

Wie die Polizei mit den beiden Fällen umgeht

Thamm bestätigt, dass es Parallelen gibt. Ob es sich jedoch um denselben Täter handelt, wolle die Polizei weder ausschließen noch bestätigen. "Es spricht vieles dafür, aber auch vieles dagegen." Solange kein Täter überführt sei und die Spuren von Klingenberg nicht ausgewertet sind, werde sich die Polizei nicht festlegen. "Wir versteifen uns nicht darauf, dass es sich um eine Person handelt." Dies könne dazu verleiten, ein Detail zu übersehen. Die Polizei werde weiter professionell in beide Richtungen arbeiten: Sei es, dass es derselbe Mann war oder zwei verschiedene.

Bemerkenswert an der Gesamtkonstellation ist auch: Banküberfälle sind sehr selten geworden. Laut Bundeskriminalamt ist die Zahl der Raubüberfälle auf Geldinstitute in Deutschland in den vergangenen 15 Jahren nahezu kontinuierlich zurückgegangen. Hatte die Polizei 2003 noch 767 Fälle registriert, so waren es im vergangenen Jahr nur noch 60. Die Aufklärungsquote ist im gleichen Zeitraum leicht gestiegen und pendelte meist um die 70 Prozent.

Hinweise an die Polizeiinspektion Aschaffenburg, Tel. (0 60 21) 857-17 32 oder die Polizeiinspektion Lohr, Tel. (0 93 529) 87 48-0

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