ARNSTEIN

Bau der B 26n bleibt Zankapfel

Diskussion zur B 26n: Von links Moderator Franz-Josef Sauer, Baustaatssekretär Josef Zellmeier, Bäuerin Christiane Sauer, Innenstaatssekretär Gerhard Eck, Landtagsabgeordneter Thorsten Schwab und Armin Beck von der BI gegen die B 26n. Foto: Karlheinz Haase

Es bleibt dabei: Die Auswirkungen der geplanten B 26n sind weiterhin Zankapfel zwischen den Befürwortern und Gegnern. Bei einer Diskussionsrunde der CSU Main-Spessart im Pfarrheim in Arnstein (Lkr. Main-Spessart) wurde plastisch dargestellt, wie sehr Menschen, die direkt an einer der Ortsdurchfahrten der B 26 im Werntal wohnen, unter dem Verkehr leiden. Zugleich aber bleiben die Ideen zur Verteilung des Verkehrs nebulös, wenn die B 26n bis Karlstadt fertiggestellt ist. Kritiker der Trasse warnen davor, dass die Probleme lediglich verlagert werden.

„Was bringt die B 26n?“ lautete der Titel des „Main-Talks“ mit Bau-Staatssekretär Josef Zellmeier, seinem Vorgänger und jetzigem Innen-Staatssekretär Gerhard Eck sowie dem Landtagsabgeordneten Thorsten Schwab auf der Bühne. Als „Skeptiker“ – so nannte ihn Moderator Franz-Josef Sauer – nahm Armin Beck als Vorstandsmitglied der Bürgerinitiative gegen dieses Bauvorhaben teil. Zudem war die Binsfelder Bäuerin Christiane Sauer eingeladen worden, um die Lage in der Ortsdurchfahrt zu schildern.

Es wird immer lauter

„Wenn die Laster leer sind, scheppern sie, wenn sie beladen sind, vibriert unser Haus, obwohl es massiv gebaut ist“, klagte sie. Das Hoftor sei stets gut verschlossen. Eines ihrer Kinder sei im Alter von einem Jahr einmal fast von einem Lkw erfasst worden. Die Fenster könne man nur gelegentlich kurz zum Lüften öffnen. Im Hof könne man sich nicht aufhalten. Am Wochenende, wenn keine Lastwagen fahren, stören die Motorräder. Christiane Sauer: „Und die werden immer lauter.“

Logische Folgerung für Zellmeier, Eck und Schwab ist ein möglichst schneller Bau der B 26n. Eck: „Ich kämpfe, bis diese Umgehung steht.“ Schwab brachte ins Spiel, dass diese Trasse einst autobahnähnlich geplant war – jetzt nur noch zweispurig. „Das zeigt, dass unsere BI auf dem richtigen Weg war“, so Beck und sprach von einer „fachlichen Genugtuung“. Man müsse das Ganze im Blick haben: „Es ergibt keinen Sinn, wenn ich mehr Bürger belaste als entlaste.“ Während für die Ortsdurchfahrt Stetten im Werntal 1600 Fahrzeuge täglich weniger prognostiziert werden, seien es für Himmelstadt im Maintal 1600 mehr, ebenso für Rohrbach auf der fränkischen Platte.

Kosten-Nutzen-Analyse

Es sei das Ziel, die A 3 mit der A 7 zu verbinden, sagte Zellmeier. Schwab führte dazu aus, wünschenswert wäre eine Ost-West-Verbindung Schweinfurt – Aschaffenburg gewesen. „Doch das ging wegen der Kosten-Nutzen-Analyse nicht.“ Daher ist die Trasse weiter Richtung Helmstadt geplant. „Und wenn der zweite Bauabschnitt von Karlstadt bis Helmstadt kommen soll, muss man prüfen, ob Kosten und Nutzen noch passen.“

„In Karlstadt muss der Verkehr abfließen können“, räumte er ein und verwies auf die geplante Ortsumgehung von Wiesenfeld im Westen. Über Lohr werde es Richtung Marktheidenfeld auf die Autobahn gehen. Die Ortsumgehungen von Neustadt und Hafenlohr würden zu diesem Konzept gehören. Beck kritisierte, die Arnsteiner hätten seinerzeit mit einem Bürgerentscheid abgelehnt, dass die B 26a in der Schneise zwischen Altort und dem Wohngebiet im Westen weitergeführt wird. In Karlstadt aber werde genau das passieren: Die Karolingerbrücke zwischen Karlstadt und Karlburg werde einen wesentlichen Teil des Verkehrs aufnehmen müssen.

Genehmigungsverfahren zerstückelt

Differenzen zwischen den CSU-Vertretern und dem der BI gibt es hinsichtlich des Planfeststellungsverfahrens. Eck erklärte, man werde sich zunächst auf den ersten Bauabschnitt von Arnstein bis Müdesheim konzentrieren. „Sobald wir da fertig sind, gibt es in Karlstadt Infoveranstaltungen. Wir lassen Karlstadt nicht absaufen.“ Man werde überlegen, ob auf der anderen Mainseite neue Trassen oder bestehende Straßen geeignet sind, „statt sich auf eine einzige Strecke zu konzentrieren“. Jenseits des Mains seien Ortsumgehungen besser möglich als im Werntal. Eck räumte ein: „Ich verspreche aber nicht, dass es nicht irgendwo Mehrbelastungen gibt.“

Beck hingegen warnte vor dem schrittweisen Vorgehen. „Das ist höchst gefährlich.“ Wenn dann etwas schiefläuft, würden die Orte westlich von Müdesheim im Verkehr ersticken. Er sieht die Route über Thüngen, Zellingen und Birkenfeld als die kürzeste zwischen Schweinfurt und Stuttgart und zitierte aus einer Untersuchung des staatlichen Bauamts von 2011. Demnach würde ein Weiterbau der bestehenden B 26a von Arnstein nach Karlstadt großräumigen Fernverkehr vom Autobahnnetz anziehen. Das sei unverträglich und daher nicht zu empfehlen.

Wäre eine Maut möglich?

Christiane Sauer fragte, wieso nicht der Transitverkehr über die Maut gezwungen werden könne, auf der A3 und A7 zu bleiben. Zellmeier winkte ab: Alle Straßen würden dem Verkehr dienen. Und überörtliche Straßen müssten auch überörtlich ihren Zweck erfüllen. Beck dagegen sieht in Mautregelungen eine Möglichkeit, sofort etwas gegen die Belastungen in den Ortsdurchfahrten zu unternehmen.

2020 soll der Spatenstich für den ersten Abschnitt von Arnstein bis Müdesheim erfolgen. In früheren Mitteilungen war noch von Ende 2019 die Rede gewesen. Die Planer rechnen mit mindestens drei Jahren Bauzeit. Dann werde nahtlos weitergemacht.

Rückblick

  1. 350 Menschen bei Protestspaziergang in Hausen gegen B26n
  2. B26n: Auch kritische Stimmen im Lohrer Stadtrat
  3. Entlastung Lohrs vom Verkehr unsicher
  4. BI gegen die B26n: „MSP-Politiker kaufen die Katze im Sack“
  5. Kommentar: Verkehrsplanung so formbar wie Knet
  6. Ziel für MSP: Straßenbauvorhaben sollen 2035 fertig sein
  7. B 26n bringt mehr Verkehr in die Bücholder Straße
  8. B 26n: Weiterführung bei Karlstadt zunächst vom Tisch
  9. Steinfelder Rat gegen B 26n: Unverständnis über Haltung Lohrs
  10. B26n-Gutachten: Gebietsverkehrswacht sieht sich bestätigt
  11. Karlstädter Stadträte stritten heftig über Verlauf der B26n
  12. MdL Celina: Prognosen weisen auf B26n als Transitstraße hin
  13. Scheiner: Zahlen belegen, dass B26n dem Landkreis nicht nutzt
  14. Bei der B26n zeitlich voll im Plan
  15. Verkehrschaos in Arnstein: Menschen leiden unter Belastung
  16. Bürgerinitiative: Noch immer alles offen in Sachen B26n
  17. B 26n: „Kein Ausbaubedarf für nachrangige Straßen“
  18. Bau der B 26n bleibt Zankapfel
  19. Verbindungsstraße durchs Buchental
  20. Kraftakt beim Straßenbau in den nächsten zwölf Jahren nötig
  21. Rund 16 000 Fahrzeuge täglich auf Ortsumgehung Karlburg
  22. Verschläft Karlstadt Mitsprache bei B 26n?
  23. B 26n: Trasse führt durchs Naturschutzgebiet
  24. Eck zu B26n: Baubeginn Ende 2019
  25. Straßenbauprojekte und ihre Auswirkungen auf den Landkreis
  26. Täglich sollen 10 000 Fahrzeuge hinterm Saupurzel rollen
  27. IHK drängt auf Bau der B 26n
  28. BI: Die B26n könnte trojanisches Pferd werden
  29. Höchste Priorität für die B 26n
  30. Alle Mittel gegen den Bau ausschöpfen
  31. B 26n: Beschwerde in Brüssel
  32. Bundesumweltamt: B 26n soll auf Streichliste
  33. B 26n: gegensätzliche Hoffnungen
  34. Verkehrswegeplan hat Umweltprüfung nicht bestanden
  35. Prioritäten beim Verkehr setzen
  36. B26n: Kritik an Straßenplanung
  37. Bundesverkehrswegeplan: Bürger können mitreden
  38. Verkehrswegeplan: Freud und Leid je nach Bedarf
  39. Hoffmann: Finanzierung der B 26n ist gesichert
  40. Neue Pläne: B26n hat kräftig abgespeckt
  41. Nach Mahnfeuern gegen B 26n: IHK reagiert
  42. Feuriger Widerstand gegen eine Westspange
  43. Vollbremsung bei der B 26n?
  44. Bürgerentscheid über Autobahnausbau in Würzburg
  45. A3-Ausbau: Bürgerentscheid voraussichtlich am 13.April
  46. B 26n: Privat gebaut und vom Staat gemietet?
  47. B 26n-Gegner sehen optimistisch in die Zukunft
  48. Neues Angebot steht im Raum
  49. Gegner der B 26n versammeln sich für Berichte und Wahlen
  50. B 26n: Planer prüfen Alternativen

Schlagworte

  • Arnstein
  • Karlheinz Haase
  • Bundesstraße 26n
  • CSU
  • Gerhard Eck
  • Josef Zellmeier
  • Kosten-Nutzen-Analysen
  • Maut
  • Straßenbauprojekte
  • Thorsten Schwab
  • Westumgehung Würzburg
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
14 14
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!