LOHR

Bauboom in Lohr: Brauerei-Komplex mit Rolltreppe

Wo einst Bier gebraut und vertrieben wurde, wächst jetzt ein Mischkomplex aus dem Boden: zwischen dem Keiler-Brauhaus (links), dem Stadtbahnhof (im Hintergrund) und der Ludwigspassage ein Stück weiter oben im rechten Gebäudekomplex.
Wo einst Bier gebraut und vertrieben wurde, wächst jetzt ein Mischkomplex aus dem Boden: zwischen dem Keiler-Brauhaus (links), dem Stadtbahnhof (im Hintergrund) und der Ludwigspassage ein Stück weiter oben im rechten Gebäudekomplex. Foto: Roland Pleier

So viele Großprojekte auf einmal wurden in Lohr schon lange nicht mehr geplant und gebaut. Zählt man alle Bauvorhaben zusammen, so kommt man auf mehr als 160 Pflegeplätze und etwa ebenso viele Wohnungen – die privaten Wohnungsbauten auf den 41 Bauplätzen, die in Sendelbach auf ihre Erschließung warten, noch gar nicht mitgezählt. Dabei investieren die Bauherren jeweils Millionen von Euro. In einer Serie stellt die Redaktion den aktuellen Stand der Dinge vor: wo es vorangeht, wo es noch hakt und wann mit der Fertigstellung zu rechnen ist.

Am weitesten vorangeschritten ist der Gebäudekomplex auf dem Gelände der ehemaligen Brauerei Stumpf. Investor ist die Krakat Real Estate Group aus Bamberg. Der Bau ist mit 20 Millionen Euro kalkuliert. An diesem Kostenrahmen hat sich laut Projektleiter Matthias-Marcus Wanner bis dato nichts geändert.

Die Decke im Nordtrakt ist schon gegossen

Seit März wird am Rohbau gearbeitet. Zur Ludwigstraße hin ist das (mit Tiefgaragen) fünfstöckige Wohn- und Geschäftshaus mittlerweile aus dem Boden gewachsen. Die Decke der Tiefgarage in diesem nördlichen Abschnitt ist bereits betoniert. Die im Süden des Traktes werde in zwei bis drei Wochen gegossen, so Wanner auf Nachfrage dieser Redaktion.

Diese Woche hievten zwei mobile 200-Tonnen-Kräne in einer spektakulären Aktion die beiden Rolltreppen in das Gebäude. Freilich werden sie nicht von den Bauarbeitern genutzt, sondern eingehaust, bis sie ihrem eigentlichen Zweck dienen: Sie bringen Kunden aus der Tiefgarage mit ihren 110 Stellplätzen zu den Geschäften im ersten Stock und zurück.

Brauereibrunnen wird weiter genutzt – nur anders als bisher

Erfreut zeigt sich Wanner darüber, dass ein ursprünglich gar nicht vorgesehener Plan genehmigt und in die Tat umgesetzt wurde: Das Brunnenwasser, das die Brauerei jahrzehntelang zum Bierbrauen benutzt hat, wird in dem Neubau thermisch genutzt – zum Kühlen beziehungsweise Erwärmen. Der Brunnen reicht 63 Meter tief. Das Landratsamt hat der Nutzungsänderung zugestimmt. Die Anschlüsse liegen.

Auch der Düker für den Stadtbach ist fertiggestellt. Der führt bekanntlich durch die Anlage zum dortigen Spielplatz und ist seit Beginn der Tiefbauarbeiten trockengelegt. Das Wasserwirtschaftsamt hat inzwischen geprüft und grünes Licht gegeben. „Wir haben alles erledigt, jetzt steht nur noch die Bauabnahme an“, erläutert Wanner. Nur noch davon hängt es ab, ob die Kinder an heißen Tagen ihre Füße dort wieder kühlen können oder nicht.

Im Erdgeschoss werden sich ein Einkaufsmarkt und eine Drogerie einmieten. Letztere wird ihre Filiale in der Hauptstraße wohl verlassen. Wer dann in der Hauptstraße einziehen wird, ist vollkommen offen. Der Mietvertrag läuft über das Jahr 2020 hinaus, lässt aber Untervermietung zu, erläutert Heinrich Scheuplein, Eigentümer der Immobilie, auf Anfrage dieser Redaktion.

Für den angespannten Wohnungsmarkt in Lohr wird der Komplex Alte Brauerei allenfalls indirekt eine leichte Entspannung bringen. Denn neben den beiden Märkten sind in dem Komplex auch eine Tagespflegeeinrichtung und eine Arztpraxis sowie 43 Einheiten „Servicewohnen“ auf drei Geschossebenen vorgesehen. Zudem soll eine Gruppe für Demenzkranke eingerichtet werden, die in zwölf separaten Zimmern wohnen. Das bedeutet nicht, dass auf einen Schlag 55 Wohnungen in der Stadt frei werden, die eine oder andere aber vermutlich schon.

Wer nur vorübergehend zu Gast in Lohr ist, kann sich in das Boardinghouse einmieten: Die 17 Appartements mit insgesamt 30 Betten sollen in Zusammenarbeit mit dem Hotel Bundschuh betrieben werden.

Für den Bauherrn läuft das Projekt im übrigen immer noch unter „Wohn- und Geschäftshaus ehemaliges Brauereigelände“ – ein etwas klobiger Name, wie Wanner einräumt. Für Alternativvorschläge sei er deshalb durchaus offen.

Favorit bei der Namenssuche: „Alte Brauerei“

Wenn es nach der Lohrer Facebook-Gruppe „Ob Mopper oder Schnüdel“ geht, steht der Favorit fest: „Alte Brauerei“ liegt mit 101 Nennungen deutlich vorne bei der Umfrage, die im Oktober 2018 gestartet worden war. „Keiler-Block“ folgte mit 29 Stimmen auf Platz zwei, gefolgt von „Keiler-Komplex“ mit elf Nennungen. 23 weitere Vorschläge haben die Mopper und Schnüdel gemacht – vom Alfred-Stumpf-Center über die Alte Keilerei bis zum Brauereieck. Mehr als sechs Stimmen aber hat keine dieser Varianten auf sich vereinigen können.

Das Projekt hält sich laut Wanner bisher im kalkulierten Kostenrahmen. Noch besser: „Wir liegen voll im Zeitplan.“ Von „Mitte 2020“ hatte Projektentwickler Harald Gerlach bei der Vorstellung der Pläne im Januar 2018 gesprochen. Aktuell rechnet Wanner mit der Fertigstellung „im dritten Quartal 2020“.

-> Im zweiten Teil unserer Serie stellen wir die Pläne am Aloysianum vor.

Rege Bautätigkeit

So viele Großprojekte auf einmal wie derzeit wurden in Lohr lange nicht mehr angegangen. Zählt man alle Bauvorhaben zusammen, so kommt man auf mehr als 160 Pflegeplätze und 120 Wohnungen, die geplant oder bereits im Entstehen sind. Dabei sind die privaten Wohnungsbauten auf den 41 Bauplätzen, die in Sendelbach auf ihre Erschließung warten, gar nicht mitgezählt. Bei den Großbauprojekten investieren die Bauherren jeweils Millionen von Euro, teilweise in zweistelliger Größenordnung. (RP)

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