Marktheidenfeld

Baumschädlinge: Die wichtigsten Fragen und Antworten

Beim Rundgang durch den Wald: Matthias Huckle, Revierleiter in Marktheidenfeld, zeigt die Schäden, welche die Schädlinge im Forst anrichten. Foto: Lukas Kutschera

Auf einer Wiese am Waldrand liegen meterhoch gestapelt dutzende, vertrocknete Fichtenstämme. Bei seinem täglichen Rundgang durch sein Revier im Raum Marktheidenfeld zeigt Förster Matthias Huckle eines der vielen Zwischenlager für Bäume, die wegen Schädlingsbefall gefällt werden mussten. "Mittlerweile ist die Situation so extrem, dass die Sägewerke, welche die Stämme normalerweise zur Weiterverarbeitung ankaufen, keine Kapazitäten mehr haben", sagt Revierleiter Huckle. Innerhalb der letzten zwei Jahre musste er die Hälfte seines Fichtenbestands abholzen. Huckles Revier liegt auf der Fränkischen Platte, die sich von Marktheidenfeld bis nach hinter Würzburg erstreckt.

Warum sind Baumschädlinge zurzeit so ein großes Problem?

"Wenn es so warm und trocken bleibt, dann wird auch die andere Hälfte des Fichtenbestands die nächsten zwei Jahre nicht überstehen", betont Huckle. Es ist die Trockenheit, welche die Bäume angreifbar macht: "An gesunde Bäume gehen die Schädlinge in seltensten Fällen." Durch die langanhaltende Trockenheit sind die Bäume aber geschwächt, und somit besonders anfällig für Schädlingsbefälle.

Besonders gefährlich: Die Borkenkäferart Buchdrucker. Foto: Rainer Simonis / Nationalpark Bayerischer Wald

Welche Schädlinge sind besonders gefährlich?

Insbesondere Borkenkäferarten bereiten Probleme. "Die gibt es an jeder Baumart", erklärt Huckle. Die Schädlinge fressen sich in die Baumrinde, legen dort ihre Eier ab und zerstören so die Leitungsbahnen, durch welche Bäume ihre Nährstoffe transportieren. Dadurch sterben die Bäume dann in der Regel ab. "Oft sitzen auf den Käfern auch Pilze drauf. Die sorgen dann dafür, dass es mit dem Absterben noch schneller geht", so der Förster.

Wie kommt es zum großen Fichtensterben?

Bei der Fichte ist es eine Borkenkäferart namens Buchdrucker, die zu den katastrophalen Zuständen führt. Sind diese mit dem Schädling befallen, müssen sie schnellstmöglich abgeholzt und aus dem Wald entfernt werden, um ein Befall der Nachbarbäumen zu vermeiden. "Bei den Waldgärtnern, die Kiefern befallen, kommt es nicht immer zu einer Massenvermehrung", erläutert Huckle. Daher würden Kiefern nicht immer gleich abgeholzt werden müssen.

Ein Indiz für Borkenkäferbefall: Schuppenförmige Spechtabschläge. Foto: Lukas Kutschera

Wie macht sich ein Befall mit Borkenkäfern bemerkbar?

"Grundsätzlich lässt sich ein Befall mit Borkenkäfern an Spechtabschlägen erkennen", sagt der Förster und zeigt auf ein schuppenartiges Loch in einer vertrockneten Fichte. "Wenn der Specht bei einer Fichte dran ist, dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass auch schon die Nachbarbäume befallen sind", ergänzt er. Man könne einen Befall auch schon früher am sogenannten Bohrmehl auf dem Boden vor dem Baum erkennen. Das ensteht, wenn sich die Schädlinge gerade in die Rind einfressen. Jedoch sei dieses Erkennungsmerkmal eher unzuverlässig, da Wind und Wetter diese Spuren der Käfer oft verwischen würden.

Wann werden Schwammspinner zum Problem?

Der Schwammspinner, eine Falterart, legt seine Eier bevorzugt an Eichen und Buchen ab, die geschlüpften Larven fressen dann das Laub. Normalerweise seien die Raupen eher unproblematisch. "Es müssen wirklich sehr viele sein, dass sie Bäume kahlfressen", erklärt Huckle. Aber durch die Hitze würden sich die wärme liebenden Falter rasant vermehren, und so dann doch zum Problem werden. Zur aktuellen Situation sagt der Förster: "In so einer großen Konzentration wie dieses Jahr hab ich das in den letzten zehn Jahren nicht gesehen."

An den schwammartigen Gelegen lassen sich die Schwammspinner schon früh erkennen. Foto: Herbert Ehehalt

Wie lassen sich Schwammspinner erkennen?

Glücklicherweise lassen sich die Schädlinge schon früh an ihren schwammartigen, beigen Gelegen erkennen. "Wir gehen schon im Herbst auf die Suche nach Gelegen", so der Förster. Deute sich eine gefährliche Masse an, so könne man chemische Häutungshemmer einsetzen, um die Bedrohung zu kontrollieren. Erkenne man einen Befall in seinem Forst, rät Huckle, sich mit dem entsprechendem Förster in Verbindung zu setzen, der die Situation dann einschätzen könne.

Sind auch Eichen-Prozessionsspinner schädlich für Bäume?

"Eine Belastung für den Baum werden Eichen-Prozessionsspinner, wenn sie in Kombination mit anderen Schädlingen auftreten", so Huckle. Fressen Schädlinge den ersten Austrieb von Eichen, so können diese mit dem sogenannten Johannistrieb ein zweites Mal grünen. "Dazu brauchen sie aber viel Energie und Wasser", erklärt der Förster. "Kommen dann noch Eichen-Prozessionsspinner dazu, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass der Baum absterben wird."

Was kann man als Privatperson machen, um die Bäume zu unterstützen?

Huckle betont: "Eigentlich ist es wirklich die Trockenheit und die Veränderung im Klima, welche die Probleme verursachen". Daher hat er einen klaren Appell: "Man sollte sich ernsthafte Gedanken über seinen eigenen Wasserverbrauch machen. Je mehr wir vom Grundwasser verbrauchen, desto weniger haben die Bäume."

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