Ruppertshütten

Baustopp für Yoga-Plattform im Wald in Ruppertshütten

Markus Wüscher und Vanessa Nöth haben in einem Waldstück in Ruppertshütten eine Plattform für Seminare für Yoga und Meditation errichtet - und deswegen jetzt Ärger mit dem Landratsamt. Foto: Björn Kohlhepp

Geht es nach Markus Wüscher und Vanessa Nöth, soll in den Toten Mann links in Ruppertshütten Leben einkehren. In einem Waldstück in der Flurabteilung dieses Namens haben sie auf zehn je 200 Kilo schweren Sandsteinquadern und Terrassendielen aus Lärchenholz eine fünf mal acht Meter große Plattform errichtet. Nein, dort soll keine Sekte irgendwelche Rituale durchführen, wie offenbar Gerüchte im Ort lauten. Vielmehr würden die beiden dort gerne Yoga- und Achtsamkeitsseminare abhalten. Allerdings betrachtet das Landratsamt Main-Spessart das Bauwerk im Spessart als Schwarzbau.

Mitten in Ruppertshütten geht ein Sträßchen nach rechts ab, dann führt ein Weg links hoch und schlängelt sich über dem Ort idyllisch immer weiter nach oben. Die Freunde Wüscher und Nöth sind von der Gegend begeistert. Irgendwann halten sie an einer Wiese. Im Wald, der daneben beginnt und Kilometer später erst in Rieneck endet, hat Wüscher im Juli vergangenen Jahres ein 3500 Quadratmeter großes Stück erworben.

Die Plattform liegt etwas versteckt im Wald

Von außen ist nichts zu sehen. Man muss einige Meter zwischen frischen Baumstümpfen – die Reste umgesägter, weil borkenkäfergeschädigter Fichten – und unter Gebüsch hindurch gehen, ehe man zwischen lauter vom Voreigentümer gepflanzten Douglasien steht. Dort, abgedeckt mit einer großen Plane, steht die Plattform, drum herum eine mittelgroße Buddhafigur, ein Buddhakopf und eine Skulptur des hinduistischen Elefantengotts Ganesha. In den Bäumen darüber erklingen Windspiele.

Ein Blick auf Ruppertshütten. Foto: Archivbild Johannes Ungemach

"Die Natur wieder in den Mittelpunkt stellen, ihr wieder den Stellenwert geben, den sie verdient", das sei einer der wichtigsten Gedanken hinter der Plattform, sagt Wirtschaftsingenieur Wüscher, der in Würzburg wohnt und von den beiden die treibende Kraft ist. Auf dem Weg zur Selbstfindung hat er vor ein paar Jahren mit Meditations- und Persönlichkeitsbildungsseminaren begonnen. Seine Erkenntnisse möchte er jetzt bei guter Waldluft weitergeben an Menschen, die mehr Selbstvertrauen und Selbstreflexion, mehr Achtsamkeit suchen.

Waldstück für Seminare gekauft

Vanessa Nöth, 29, Physiotherapeutin und Yogalehrerin, stammt wie Wüscher ursprünglich aus Wasserlosen (Lkr. Schweinfurt), wohnt seit eineinhalb Jahren in Schaippach und arbeitet in Gemünden. Über seine Sandkastenfreundin und ein Inserat im Internet kam er zu dem Waldstück in Ruppertshütten, sagt der 30-jährige Wüscher. Beim Meditieren habe er starke innere Bilder empfangen, die ihn im Wald zeigen. Von Anfang an sei der Gedanke gewesen, in Ruppertshütten im Wald an der frischen Luft Seminare anzubieten. Der Ort sei geeignet, um Menschen in die Natur zu bringen, auch damit sie lernen, sie wieder wert zu schätzen. In unserer Gesellschaft vergäßen sich die Menschen vor lauter Effizienzdenken heute oft selbst.

Er schrieb der Stadt Lohr eine erste Mail und erzählte von seinen Plänen mit der Plattform. Er schickte weitere. Aber: "Ich habe nie eine Rückmeldung in irgendeiner Form erhalten." Im April begann er schließlich einfach mit dem Bau. Kein Baum habe dafür gefällt werden müssen. "In den umliegenden Grundstücken stehen zum Teil noch größere Bauten", sagt er, etwa Schuppen und Unterstände. Die Steine für seine Plattform ließ er aus Wernfeld kommen, die Plattform selbst, die einfach auf den Steinen aufliegt, hat eine Holzbaufirma aus Altfeld an einem Tag errichtet. "Sie integriert sich gut, ist nichts Künstliches in dem Sinne", sagt Vanessa Nöth.

Landratsamt hat Bau eingestellt

Es dauerte nicht lange und dann kam Post vom Landratsamt. Die Behörde forderte einen Baustopp und erbat eine Stellungnahme. Auf eine vorläufige Bauanfrage hin erfuhr er, dass die Plattform grundsätzlich nicht genehmigungsfähig sei, da sie im Außenbereich ist und er weder Landwirt, noch Imker oder Jäger. Wüscher wirkt gechillt, wie man heute sagt, "tiefenentspannt" nennt es seine Kollegin. Er fragt sich, ob die Plattform überhaupt ein Bauwerk im klassischen Sinn ist, mit dem Boden ist sie ja nicht fest verbunden. Außerdem solle das Ganze kein Massentourismus werden. Das Waldstück liegt zwar im Landschaftsschutzgebiet, die Untere Naturschutzbehörde habe aber schon mal nichts einzuwenden, sagt Wüscher.

Beim Landratsamt habe man ihm geraten, es wieder bei der Stadt Lohr zu versuchen, die könnte einen Bebauungsplan aufstellen. Woanders hat es wohl funktioniert: So hat er Kontakt mit einem Hotel, das eine solche Plattform im Wald bei Garmisch-Partenkirchen betreibt, die sogar betoniert und überdacht ist, aufgenommen. Das sei dort überhaupt kein Problem gewesen, erzählt Wüscher. Das dortige Landratsamt habe ihm mitgeteilt, dass die Gemeinde einen Bebauungsplan aufgestellt habe.

Wüscher hat Onlinepetition gestartet

Daraufhin schickte er wieder zwei E-Mails an die Stadt Lohr. Wieder habe keiner geantwortet, sagt der 30-Jährige. "Es ist etwas traurig, dass überhaupt keine Gesprächsbereitschaft vorhanden ist." Deswegen hat er parallel eine Online-Petition gestartet. 278 Teilnehmer, darunter viele aus der Schweinfurter Gegend und aus Würzburg, haben teilgenommen. Das Ergebnis möchte er nun Landrat Thomas Schiebel und Lohrs Bürgermeister Mario Paul schicken.

Das Landratsamt möchte sich auf Anfrage der Redaktion nicht zu Einzelheiten äußern, da es sich um ein laufendes Verfahren handle. Generell sei der Außenbereich grundsätzlich von Bebauung freizuhalten und zu schonen, sofern es kein privilegiertes Vorhaben sei. Die gesetzlichen Anforderungen für nicht privilegierte Vorhaben seien sehr hoch. Ein möglicher Weg zu einer Genehmigung wäre laut Landratsamt, wenn die Stadt Lohr einen Bebauungsplan aufstellen würde.

Stadt Lohr: "Bauleitplanung scheidet aus"

Doch von der Stadt heißt es: "Bauleitplanung scheidet bei diesem Sachverhalt aus." Das sei städtischerseits auch so mit dem Landratsamt besprochen worden, so Lohrs Pressesprecher Dieter Daus auf Anfrage. Das Vorhaben widerspreche den Darstellungen des Flächennutzungsplans. Es widerspreche zudem einer "organischen Siedlungsentwicklung", stelle einen unzulässigen Einzelvorteil dar ("Briefmarkenplanung") und Einwände beispielsweise seitens des Naturschutzes seien zu erwarten.

Der Fall sei mehrfach Thema bei den monatlichen Sprechtagen des Landratsamtes gewesen. Neben planungsrechtlichen Hinderungsgründen liegen nach Kenntnis der Stadt auch noch naturschutzrechtliche und -fachliche Hinderungsgründe vor. Vorgesprochen habe Wüscher bei der Stadt nie. Daus: "Wir haben den Sachverhalt, nachdem er uns bekannt geworden ist, zuständigkeitshalber an das Landratsamt als Baugenehmigungsbehörde weitergeleitet." Dort laufe die Sachbearbeitung und von dort erfolgte auch der Kontakt zum Bauherrn – so wie es üblich sei.

Erstes Seminar hat bereits stattgefunden

Ein erstes Seminar – auf Spendenbasis, da sie noch kein Gewerbe angemeldet haben – haben Wüscher und Nöth in Ruppertshütten bereits abgehalten. Die Teilnehmer, vor allem Freunde und Bekannte, seien begeistert gewesen. Seminare, wie sie sie sich vorstellen, hätten etwa zehn bis 15 Teilnehmer. Vielleicht dürfen demnächst auch Ruppertshüttener auf eine spirituelle Reise gehen. Fraglich ist aber, ob sie dafür auf Yogamatten auf der Plattform sitzen können.

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