KARLSTADT

Bedenken gegen SuedLink

200 Unterschriften aus Rohrbach und 50 aus Stadelhofen gegen die aktuelle Planung der Stromtrasse SuedLink übergaben Marco Netrval (von links), Reinhard Rauch und Martin Scheiner (rechts) an Bürgermeister Paul Kruck.
200 Unterschriften aus Rohrbach und 50 aus Stadelhofen gegen die aktuelle Planung der Stromtrasse SuedLink übergaben Marco Netrval (von links), Reinhard Rauch und Martin Scheiner (rechts) an Bürgermeister Paul Kruck. Foto: Karlheinz Haase

Nach wie vor gibt es erhebliche Widerstände gegen das Stromtrassenprojekt SuedLink, obwohl das Thema Freileitungen vom Tisch ist und der Strom von Nord nach Süd in Form von Erdkabeln transportiert werden soll. Vor der Karlstadter Stadtratssitzung überreichten Reinhard Rauch und die Ortssprecher Marco Netrval (Rohrbach) und Martin Scheiner (Stadelhofen) insgesamt 250 Protestunterschriften gegen das Vorhaben.

Damit fordern die Unterzeichner die Stadt Karlstadt auf, sich für folgende Ziele einzusetzen: • Gegen eine weitere Schneise zusätzlich zur ICE-Trasse und für bessere Trassen, zum Beispiel entlang bestehender Trassen. • Für eine Klärung der gesundheitlichen Auswirkungen der Trasse auf die menschliche Gesundheit. • Für eine Klärung des Bedarfs von SuedLink. • Für die Einhaltung von Mindestabständen zur Bebauung und eine angemessene Entschädigung, sollte der Bau unumgänglich sein.

Netrval erläuterte, man sei nicht generell gegen die Trasse, aber für eine Bündelung. Bürgermeister Paul Kruck entgegnete, gerade entlang der ICE-Strecke seien die sogenannten „Raumwiderstände“ höher als bei den von den Planern ins Auge gefassten Varianten. Diese suchen einen Weg, der zwar einigermaßen geradlinig verläuft, aber Wälder, Biotope und Siedlungen umgeht. Die ICE-Trasse beispielsweise verläuft auch mitten durch Wald.

Martin Scheiner sprach von einem Problem, wenn sich der Erdboden oberhalb des Kabels um ein bis zwei Grad erwärmt. Franz-Josef Scheeb kritisierte, stets werde landwirtschaftliche Fläche für irgendwelche Projekte herangezogen. Diese aber werde immer weniger, der Wald hingegen mehr. Ausdrücklich wurde darauf hingewiesen, dass sich der Aussiedlerhof Endres bei Rohrbach momentan mitten im Trassenkorridor befindet.

Die eine Variante kommt von Gössenheim, quert bei Gambach den Main, verläuft östlich an Rohrbach und westlich an Stadelhofen vorbei. Die andere Variante verläuft parallel zur Gasleitung Rimpar-Sannerz an Heßlar vorbei und quert das Wasserschutzgebiet im Werntal.

Ursprünglich sollten laut Vorschlag der Verwaltung die Stadträte die Trasse über das Stadtgebiet von Karlstadt wegen der zahlreichen „Schutzgüter und Raumwiderstände“ ablehnen. Armin Beck allerdings kündigte an, die Grünen würden nicht mitziehen: „Wer gegen Atomstrom ist, muss der Trasse zustimmen.“ Bei der Abwägung der Raumwiderstände im Zuge des Planungsverfahrens könne Karlstadt immer noch Einspruch einlegen.

Abgewandelter Beschluss

So wurde der Beschluss sinngemäß abgewandelt in: Solange die in den beiden Trassenvarianten befindlichen Schutzgüter und Raumwiderständen nicht vollständig und hinreichend berücksichtigt werden, lehnt der Stadtrat den Trassenkorridorverlauf über das Stadtgebiet von Karlstadt ab. Lediglich Stadtrat Hans-Joachim Stadtmüller stimmte dagegen.

In der Diskussion hatte Kruck das Hamelner Bündnis angesprochen, bei dem 17 Landkreise in vier Bundesländern geeint gegenüber der Trassenplanung auftreten. Harald Schneider allerdings bezweifelte, dass sich der Kreistag Main-Spessart dem anschließen werde. Seit bekannt ist, dass statt Freileitungen Erdkabel verlegt werden, sei der Widerstand gering. Das Hamelner Bündnis kostet alleine 11 000 Euro an Beitrag. Anwaltskosten müssten aber extra bezahlt werden.

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