Karlstadt

Begegnung mit den Brettern, die die Welt bedeuten

Quirliges Treiben im Karlstadter Theater in der Gerbergasse: Auf Talentsuche beim Theaterworkshop mit Jungschauspielern.
Wie kann ich Gefühle überzeugend darstellen, lautete eine der schauspielerischen Aufgaben beim Workshop. Foto: Günter Roth

Zwei Tage herrschte im Karlstadter Theater in der Gerbergasse ungewöhnlich lautes und vor allem quirliges Treiben, wie man es eigentlich nur von der Schule her kennt. Ursache dafür war der Workshop von Kristina Ackermann und Maria Emsden, die 15 Mädchen und drei Jungen von acht bis zwölf Jahren in die Grundzüge des Theaterspielens einführten. Darüber hinaus sahen sie auch die Gelegenheit, womöglich schauspielerischen Nachwuchs für das Theater zu finden.

"An manchen Tagen bin ich so richtig froh", skandierte die eine Gruppe mit strahlenden Gesichtern und dynamischer Körperhaltung - die andere mit eingezogenen Schultern und kläglicher Mimik jammerte hingegen "Dann bin ich wieder ganz ängstlich...."

Wie kann ich meine Gefühle zeigen?

Wie bewege ich mich auf der Bühne - wie kann ich im Spiel meine Gefühle zeigen? Oder gar: wie kann ich die "vierte Wand" durchbrechen, das heißt das Publikum mit einzubeziehen, also direkt ansprechen? Wie beiläufig beschäftigten sich die Nachwuchsschauspieler auch mit Fragen des Zusammenlebens und der Wertigkeit von Menschen.

"Manchmal fühle ich mich so richtig wohl und glücklich..." Beim Theaterworkshop im Karlstadter Theater in der Gerbergasse gab es für 18 Kinder die Gelegenheit, richtig Bühnenluft zu schnuppern. Foto: Günter Roth

Gefühle zu zeigen war für den einen oder anderen Theaterneuling nicht ganz leicht, zumal es ja auf der Bühne vor den Mitspielern und später sogar zum Abschluss vor Eltern und Freunden sein sollte. Oder wie reagiere ich in gespielten Konfliktsituationen? Niels schildert dazu seine Eindrücke: "Als mich die Marlene ein düsteres, dunkles und dummes Wesen nannte und sich selbst als hell, leuchtend und weise, wusste ich schon, dass das nur gespielt war. Aber trotzdem war das schon ein ganz dummes Gefühl. Was wäre, wenn sie das ernst meinte?"

Ein Totenschädel im Kostümfundus

Natürlich konnten die jungen Schauspieler auch Blicke in bislang unbekannte Gefilde des Theaters werfen. Die elfjährige Franziska erzählt vom Kostümfundus, von den unglaublich vielen und ungewöhnlichen Requisiten, einem Totenschädel, uralte Telefone und die Kulissenteile in der Theaterscheune. Und dann schwärmt sie auch vom Essen während der beiden Tage.

Was dieses Workshop gebracht hat, zeigen die Kinder zum Abschluss bei einer kleinen Vorstellung für ihre Familien und Freunde. Da ist zum einen die große Freude am Tun auf der Bühne, fast alle schaffen es beispielsweise beim "Konflikt der Roten und der Blauen" aus sich herauszugehen und Gefühle zu zeigen. Wenn da Niels zum Beispiel sein Gegenüber wütend anschreit, kann dem Zuschauer schon angst und bange werden. Oder die improvisierte Begrüßung durch drei Jungschauspieler, die pfiffig und fröhlich die Leistung der beiden Schauspiellehrerinnen Ackermann und Emsden beurteilen: "Sie haben sich sehr viel Mühe gegeben und für das erste Mal auch ganz toll gemacht", so die typisch fränkische Kritik von Marlene.

Teilnehmerinnen und Kursleiterinnen ziehen positive Bilanz

Auch für die beiden Betreuerinnen hat sich die Aktion gelohnt. Ackermann, die als Realschullehrerin auch im Schultheater wirkt, hat manch andere Seite an den Kindern kennengelernt und womöglich ist auch der geheime Wunsch "Nachwuchsschauspieler" zu gewinnen mittelfristig aufgegangen. "Ich möchte später Schauspieler werden", versicherte beispielsweise der zehnjährige Anton und Niels ist schon längst in der Jugendtruppe des Würzburger Theaters am Neunerplatz aktiv. Vielversprechend variabel zeigte sich auch Marlene, die mit ihren elf Jahren nicht nur im Fasching bei der KaKaGe gemeinsam mit ihrer Schwester Emily gnadenlos ihren Prinzenpapa aufs Korn nahm.

Im Oktober wollen Ackermann und Emsden einen weiteren Workshop für Jugendliche im Alter von 13 bis 16 Jahren auflegen.

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