LOHR

„Bei uns brennt's bewusst“

Kampf gegen Flammen: 1985 rückte die Werkfeuerwehr zum Brand eines Stalles auf dem Klinikgelände aus. Foto: Werkfeuerwehr

Retten, bergen, löschen, schützen – seit 100 Jahren sind das die Aufgaben der Werkfeuerwehr des Bezirkskrankenhauses. „Unser Hauptaugenmerk liegt seit jeher auf der Menschenrettung“, betonte Kommandant Volker Kubis beim Festakt. Und das mit Erfolg: obwohl es in den verschiedenen Häusern auf dem Klinikgelände auf dem Lohrer Sommerberg in der Vergangenheit verhältnismäßig oft brannte, waren nie Tote oder Schwerverletzte zu beklagen.

Es war ein unterhaltsamer und auch amüsanter Streifzug durch die Vergangenheit der Wehr, den Kubis mit den geladenen Gästen unternahm. Bilder dokumentierten Einsätze, Übungen und alte Ausrüstung und gaben einen gelungenen Einblick in den Wandel, den die Werkfeuerwehr in zehn Jahrzehnten durchlaufen hat.

Die Werkfeuerwehr ist genauso alt wie das Bezirkskrankenhaus selbst. Damals, bei den Planungen für die neue Heil- und Pflegeanstalt, wurde auch besonderer Wert auf die größtmögliche Unabhängigkeit gelegt. Daher war die Errichtung eines Feuerwehrgerätehauses und die Bereitstellung einer eigenen Feuerwehr mit eingeplant.

Die Ausrüstung war für damalige Verhältnisse großzügig. Im gesamten Krankenhausgelände waren 30 Oberflur-Wasserhydranten in günstiger Entfernung zu den einzelnen Gebäuden installiert. Der am Waldrand gelegene Wasser-Hochbehälter stellte mit seinen 400 Kubikmetern eine ausreichende Löschwasserversorgung sicher. 200 Meter Hanfschläuche, Strahlrohre und Entnahme-Armaturen waren auf Handziehwagen untergebracht.

Über eine Ausziehleiter (1913 auch über eine große Holz-Balanceleiter), Hakenleitern und einen Rettungsschlauch, den sogenannten Rutschsack, waren die Menschenrettung und ein Löschangriff möglich. Der Rutschsack, so informierte Kubis, prägte lange Zeit das Bild bei den Übungen und Einsätzen der Wehr. Stationen mit bis zu 30 Personen wurden über diesen Rutschsack evakuiert, wenn über die Treppe im Haus keine Rettung mehr möglich war.

1969 erfolgte die staatliche Anerkennung als Werkfeuerwehr. Nach einem Großbrand im Gutshof im gleichen Jahr und der Beschaffung von Atemschutzgeräten war die Beschaffung eines Feuerwehrautos als notwendig erachtet worden. So erhielt die Wehr 1974 ein Tragkraftspritzenfahrzeug und 1991 ihr jetziges Fahrzeug, ein Löschgruppenfahrzeug LF 8, mit dem der Transport einer kompletten Löschgruppe, der nötigen Ausrüstung und sechs Atemschutzgeräten möglich waren.

Nicht mehr den Anforderungen entsprach dann allerdings das 1912 errichtete Feuerwehrgerätehaus. Kubis erinnerte daran, dass das Blaulicht des Fahrzeuges „gerade noch so durchgepasst“ habe, die Rückspiegel des Autos aber zur Ein- und Ausfahrt eingeklappt werden mussten. Die Atemschutzgeräteträger mussten sich gar nach Einsätzen mitunter bei Minusgraden bei geöffnetem Einfahrtstor neben dem Fahrzeug umziehen. Die Erweiterung des Gerätehauses wurde 1995 fertiggestellt – größtenteils durch Mitglieder der Wehr in deren Freizeit. Aktuell hat die Werkfeuerwehr 37 Männer und Frauen in ihren Reihen, die allesamt in den verschiedenen Bereichen der Klinik beschäftigt sind.

Kubis ging außerdem auf viele Übungen und die größten Einsätze der Werkfeuerwehr ein. Er erinnerte unter anderem an zwei Brände auf dem Gutshof auf dem Klinikgelände in den Jahren 1968 und 1976, an den Brand im fünften Stock des Schwesternwohnheimes 1982, an einen Dachstuhlbrand im Haus 6 im Jahr 1991. „Bislang hatte das BKH immer Glück. Bei Bränden mussten keine Personen tot oder schwer verletzt herausgetragen werden“, so Kubis. Beim Blick auf zahlreiche weitere Brände stellte er fest: „Unser Problem sind die Brandstiftungen durch die Patienten. Bei uns brennt's nicht einfach so. Bei uns brennt's bewusst.“ Und noch ein Problem gibt es, das eben in einer psychiatrischen Klinik nicht ausbleibt: Die Werkfeuerwehr verbucht pro Jahr zwischen 120 und 150 Fehlalarme.

-> Bericht zum Festakt auf Seite 30
Zahlreiche Geschenke nahm Volker Kubis (links), Leiter der Werkfeuerwehr des Bezirkskrankenhauses, entgegen – auch von Wolfgang Popp, Leiter der Werkfeuerwehr Bosch Rexroth. Foto: Y. Vogeltanz

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