Rohrbach

Beim Bildstockabriss gab es eine Überraschung

Beim Wiederaufbau des Josefbildstocks am Rohrbacher Kapellenweg legte Maurermeister Frank Zygmunt von der Baufirma Schmitt, Stetten, eine Glasflasche mit Dokumenten in das Bauwerk ein. Fridolin Riedmann (links) aus Rohrbach begleitete Abriss und Neuaufbau des Bildstocks und wirkte an der Gestaltung des Platzes mit. Foto: Josef Riedmann

Der Bildstock des Hl. Josef am Ende der Allee am Kapellenweg in Rohrbach ist ein beliebtes Ziel für einen Dorfspaziergang. 48 Jahre stand der aus Kirchheimer Kalkstein gemauerte Bildstock hier zwischen Obstbäumen und umgeben von einer mannshohen Hecke. Der Platz neben einem Sumpfgebiet wurde vor Jahrzehnten aufgeschüttet. Ein mächtiger Betonsockel sollte dem Bildhäuschen Standfestigkeit geben. Der nachgiebige Untergrund ließ den Bildstock allmählich nach hinten kippen und die Mörtelfugen rissen.

Die Renovierung des Bildstocks ist schon länger ein Thema. Bewegung in die Angelegenheit kam, als die örtliche Teilnehmergemeinschaft der Dorf- und Flurbereinigung auf diesem Areal Informationstafeln zum Abschluss des Verfahrens aufstellen wollte.  Mit den Maurerarbeiten war das Bauunternehmen Schmitt GmbH, Stetten, beauftragt. Beim Abbruch der gesägten und an den Sichtflächen gebossten Kalksteine kam zur Überraschung eine Flasche mit einem in Plastikfolie eingewickeltes Dokument zum Vorschein.

"Welt und Kirche befinden sich in einem beschleunigten Umbruch"

Rohrbachs Bürgermeister und Ehrenbürger Benno Endres hat am 6. Mai 1971 ein einseitiges Dokument verfasst und in die Wasserflasche eingelegt. Das Schreiben beginnt: "Dieser Bildstock wird errichtet zu Ehren des hl. Josef von der Gemeinde anstelle eines Vorgängers am ‚Brückle‘, der von einem Auto zusammengefahren wurde im Jahre 1969." Die Planung des Bildstocks stamme von Kreisbaumeister Sommer vom Landratsamt Karlstadt, gemauert habe ihn Siegfried Ott aus Wiesenfeld, wird berichtet. Weiter heißt es: "1971: Die Gemeinde zählt 406 Seelen. Sie ist noch etwa zur Hälfte agrarisch tätig. Ca. 80 Gemeindemitglieder fahren zur Arbeit auswärts, In der Gemeinde sind 54 Autos und 52 Schlepper, Rohrbach ist noch selbständige Gemeinde im Schulverband mit Wiesenfeld mit zwei Schulklassen." Aufgeführt werden die fünf amtierenden Gemeinderäte und die beiden Bürgermeister Benno Endres und Berthold Brückner. Auch der eigene Pfarrer der Gemeinde Josef Ball ist genannt. Das Schreiben endet: "Welt und Kirche befinden sich in einem beschleunigten Umbruch. Was wird werden? St. Josef halt Deine Hand über unser Land!"

Beim Wiederaufbau des Bildstocks unterzeichneten am 16. Juli 2019 an der Baustelle Maurermeister Frank Zygmunt von der Firma Schmitt, Fridolin Riedmann und Josef Riedmann ein weiteres zweiseitiges Schreiben, das Dorfchronist Josef Riedmann verfasst hat. Zusammen mit dem ursprünglichen Dokument in einer Glasflasche mauerte Zygmunt die beiden Schreiben wieder ein.

Bitte heute noch aktuell

Riedmann nennt in seinem Schreiben die Gründe für die Neuerrichtung des Bildstocks 2019. Die Einwohnerzahlen Rohrbachs und die aktuell politisch und kirchlich Verantwortlichen sind erwähnt und die Entwicklung des Ortes seit 1971 skizziert. Die heutige Situation von Landwirtschaft, Dienstleistung und Gewerbe im Ort und die aktiven Vereine sind aufgeführt. Angesichts der weltweit zahlreichen kriegerischen Auseinandersetzungen verbunden mit Kriegs- und Armutsflüchtlingen, Klimawandel und nationalistischen Strömungen sei die 1971 formulierte Bitte "St. Josef, halte Deine Hand über unser Land!" immer noch so aktuell und nötig wie damals, endet das Schreiben.

Am Sonntag, 13. Oktober, erhält der Bildstock den kirchlichen Segen. Gleichzeitig werden drei Informationstafeln zum Abschluss der "Dorferneuerung und Flurbereinigung Rohrbach 4" der Öffentlichkeit vorgestellt und der Dorfgemeinschaft übergeben. (JOR)

St. Josef-Bildstock am "Brückle"

Der ursprüngliche Josefbildstock stand am östlichen Ortsausgang nach der Brücke über den Heinrichsgraben zwischen der Kreisstraße zum Riemental und dem Weg Karlburger Tal. Auf einem Sandsteinsockel saß ein Bildhäuschen mit einem Ziegeldach. Hinter einer großen Glasscheibe stand eine Gipsfigur des Hl. Josef mit dem Jesuskind auf dem Arm. Vier Engel aus Gips umgaben die Figur. Den Bildstock hatte 1880 Josef Heilgenthal gestiftet. Durch einen Verkehrsunfall am 9. Juni 1969 wurde das Bildhäuschen total beschädigt und danach nicht wieder aufgebaut. Die Versicherungssumme war Grundstock für die Errichtung des gleichnamigen Bildstocks am Kapellenweg.

Der neu aufgebaute Bildstock des Hl. Josef ist mit seiner Neuausrichtung nach Süden für Fußgänger und Fahrzeuge von Rohrbach kommend schon von weitem zu erkennen. Foto: Josef Riedmann

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