Lohr

Beim Denken oft vom Pech verfolgt

Immer nah am Publikum dran hat der Offenbacher Comedian Bodo Bach in der Lohrer Stadthalle seine Gedanken zum Thema 'Pech gehabt' entwickelt. 
Immer nah am Publikum dran hat der Offenbacher Comedian Bodo Bach in der Lohrer Stadthalle seine Gedanken zum Thema "Pech gehabt" entwickelt.  Foto: Thomas Josef Möhler

Ist es Pech, wenn's bei Ikea brechend voll ist, oder Dummheit, weil man ausgerechnet am Samstag ins schwedische Möbelhaus gegangen ist? Mit diesen und anderen Fragen hat sich der hessische Comedian Bodo Bach am Freitag in der Stadthalle in seinem Programm "Pech gehabt" beschäftigt. Rund 300 Besucher wollten den 61-jährigen Offenbacher bei seinem ersten Auftritt in Lohr sehen.

Denen berichtete Bodo Bach, er sei schon "voll im Weihnachtsmodus" – auch wenn alles so teuer geworden sei. Früher hätten zehn Mark gereicht, um alle Weihnachtsgeschenke zu besorgen. »Aber das geht heute wegen der vielen Überwachungskameras nicht mehr.«

Am Samstag zu Ikea zu fahren, sei natürlich Dummheit, kein Pech, bekennt Bach, aber der neue Küchenschrank sei wirklich dringend nötig gewesen. Den haben Bach und seine Frau Gerda ausgesucht, als sie - in die Besucherschlange gepresst – daran vorbeigeschoben wurden. Aufgebaut hat ihn Bach ohne Anleitung, die offenbar von einem Bulgaren aus dem Sanskrit übersetzt wurde. Jetzt hat der Schrank die Regale außen, weil die Türen nach innen aufgehen, "Ikea bedeutet halt, ich kriege einen Anfall".

Surreales Schminken

Er sei nicht doof, habe ihm ein Freund bescheinigt, "du hast nur oft Pech im Denken". Seine Gerda dagegen sei gebildet und interessiere sich für Kunst, etwa den Surrealismus, "jedenfalls schminkt sie sich so". Nur ihr zuliebe sei er mit zur Documenta nach Kassel gefahren und habe zehn Minuten lang eine Installation aus rotem Stahl betrachtet, bis Gerda erklärt habe: "Lass den Feuerlöscher, wir gehen jetzt 'rein."

Dummheit ist es, sich zu einer Weinwanderung auf der Deutschen Weinstraße in der Pfalz überreden zu lassen, Pech, wenn es dabei auch noch regnet. Also drängt Bach Familie und Freunde in die nächste Weinstube, "Wein ist wenigstens noch trocken". Dort gibt man sich beim "Deidesheimer Leberhaken" und "Hamsterberger Hirntod" den Rest.

Bach entwickelt sein Programm im ständigen Kontakt mit den Publikum, was zu viel Situationskomik führt. Besonders angetan hat es ihm Rainer aus Dittlofsroda, der mit seiner Frau in der ersten Reihe sitzt, weil er die Karten bei einem Preisausschreiben gewonnen hat. Rainer bekommt öfter den Spott des Offenbachers ab, der schon mal unter der Gürtellinie, aber nie verletzend ist.

Im zweiten Teil nach der Pause wird es fast nachdenklich ("ich merke schon, die Stimmung kackt langsam ab"), als der 61-Jährige fragt, ob es Glück oder Pech ist, jetzt zu leben und nicht früher. "Wir sind noch ohne Helm Fahrrad gefahren", erinnert sich Bach zurück.

Heute verhätschelten viele Eltern ihre Kinder, die diverse Unverträglichkeiten entwickelten, so dass man mit einem Glas Milch und einer Erdnuss ein ganzes Justin-Bieber-Konzert lahmlegen könne.

Nervige Durchsagen

Dem gut gelaunten Publikum gefällt der fast zweistündige Auftritt Bachs und es erklatscht sich als Zugabe einen Klassiker: Den Flug im Passagierjet, in dem sich der Comedian über die Durchsagen lustig macht. Ihn interessiere es nicht, welche Flughöhe man erreicht habe, "der Taxifahrer sagt schließlich auch nicht zu seinem Fahrgast, schauen sie mal, wir fahren gerade 40, und wenn ich aufs Gas trete, werden es 50."

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