Retzbach

Benkert-Sandgrube bietet Lebensraum für geschützte Tiere

Das Abbaggern und Auffüllen der Grube der Firma Benkert in Retzbach ist mit dem Naturschutz abgestimmt. Abgerutschter Weg ist wiederhergestellt, bleibt aber geschlossen.
Ende Mai tummelten sich diese Kaulquappen in der Sandgrube bei Retzbach.
Ende Mai tummelten sich diese Kaulquappen in der Sandgrube bei Retzbach. Foto: Karlheinz Haase

In der vom Menschen intensiv genutzten Landschaft finden viele Tierarten kaum noch einen Lebensraum. Manchmal aber ist es gerade die Nutzung durch den Menschen, die neue Lebensräume schafft. Das ist der Fall bei einer Sandgrube der Firma Benkert nördlich von Retzbach.

Bestimmte Bereiche der Sandgrube dienen als Fortpflanzungs- und Laichhabitate für Kreuzkröten und Kammmolche. Es handelt sich sogar um das größte Kreuzkrötenvorkommen im gesamten Landkreis Main-Spessart. Das ist die Aussage eines Gutachters, der im Jahr 2016 im Zuge eines Glücksspiralenprojekts circa 8000 Kreuzkröten und 200 Kammmolche erfasst hat. Seit 20 Jahren stellt die Lotterie "Glücksspirale" dem Bayerischen Naturschutzfonds Erlöse zur Verfügung, mit denen zahlreiche kleinere Projekte gefördert werden können.

Uferschwalben in einer Steilwand der Sandgrube.
Uferschwalben in einer Steilwand der Sandgrube. Foto: Karlheinz Haase

Diese sensiblen Stellen in der Grube werden nach Zusage der Firma Benkert erhalten und nicht weiter verfüllt, teilt das Landratsamt auf Anfrage mit. Ein Mitglied des Bunds Naturschutz in Retzbach kümmert sich darum, dass das Laichgewässer nicht austrocknet. Dafür steht in der Sandgrube ein Wassertank bereit.

Kammmolch und Kreuzkröte stark gefährdet

Kammmolch und Kreuzkröte sind in Bayern stark gefährdet (Rote Liste 2) und deutschlandweit ebenfalls auf der Vorwarnliste. Die ursprünglichen Lebensräume dieser beiden Arten sind mit dem Verlust von naturnahen Flüssen und Auen weitgehend verloren gegangen. Abbaustellen wie diese Sandgrube gelten als ideale Ersatzlebensräume für diese Arten.

Noch im November 2018 gab es von dem Weg nur eine Spur.
Noch im November 2018 gab es von dem Weg nur eine Spur. Foto: Karlheinz Haase

Auch bleiben in dieser Grube die Steilwände, in denen Uferschwalben brüten, erhalten. Die Uferschwalbe ist für Bayern und Deutschland eine Art der Vorwarnliste und besonders geschützt. Naturschutzbehörde und auch der Bund Naturschutz arbeiten mit der Firma Benkert schon seit längerer Zeit eng zusammen, um den Betrieb der Abbaustellen so umweltverträglich wie möglich zu gestalten.

In der Abbaustelle wurde überdies die besonders geschützte Zauneidechse nachgewiesen. Ein Vorkommen der besonders und streng geschützten Schlingnatter ist ebenfalls wahrscheinlich, da sie ähnliche Lebensraumansprüche wie die Zauneidechse hat.

Winzer klagen über weniger Wasser durch Grube

Weniger glücklich über die Grube sind Winzer aus Retzbach. Schon 2006 hatten sie beklagt, ihren Weinbergen werde mit der Sandgrube sozusagen das Wasser abgegraben. Im selben Jahr waren der Abbau von Sand und die Verfüllung wasserrechtlich genehmigt worden. Einen Nachweis, dass aufgrund der Grube den Weinstöcken weniger Wasser zur Verfügung steht, gibt es bisher nicht. Er wäre aufwändig und teuer, sofern er überhaupt noch erbracht werden könnte. Allgemein ist derzeit der Grundwasserpegel nach den niederschlagsarmen Monaten niedrig. Ein Mitarbeiter von Benkert spricht davon, dass der Grundwasserspiegel in der Grube selbst rund drei Meter tiefer liegt als früher.

Der Weg oberhalb der Sandgrube bleibt gesperrt.
Der Weg oberhalb der Sandgrube bleibt gesperrt. Foto: Karlheinz Haase

Mehrere Jahre lang war auch ein in die Grube abgerutschter Hang Thema. Der am Rand der Sandgrube verlaufende, alte gemeindeeigene Feldweg war im Winter 2016 zur Hälfte abgebrochen. Und das drohte sich fortzusetzen. Seitdem war der Weg gesperrt. Nur noch eine Fahrspur war übrig. Ein Winzer fürchtete gar, dass auch die Standsicherheit des Beton-Weinbergswegs ein Stück weiter Richtung Berg nicht mehr gewährleistet sein könnte.

Weg oberhalb der Sandgrube gesperrt

Es vergingen Monate, ohne dass sich etwas tat. Doch inzwischen hat die Firma Benkert mit riesigen Mengen von Erdaushub aufgefüllt – ein grobes Gemisch aus Erde und Muschelkalksteinen. Nach Auskunft des Unternehmens stammt das Material vom Steinbruch bei Güntersleben. Die aufgeschüttete Halde ist rund 70 Meter lang, 30 Meter hoch und zehn Meter breit. Das Material sei von der Sandgrube aus aufgefüllt worden, wobei ein Bagger nachhalf, um es bis zur Feldwegkante zu bringen, sagt ein Mitarbeiter des Unternehmens. 

Der abgerutschte Hang der Sandgrube wurde wieder aufgefüllt.
Der abgerutschte Hang der Sandgrube wurde wieder aufgefüllt. Foto: Karlheinz Haase

Die Wegbreite ist zwar  nahezu vollständig wiederhergestellt, der Weg wird aber nicht mehr geöffnet. Es haben sich tiefe Risse gebildet, die darauf hindeuten, dass der Hang noch nicht stabil ist. Der Weg bleibt weiterhin gesperrt und das wohl für immer. So kommentiert der Pressesprecher des Landratsamts: "Bisher ist die Standsicherheit des Feldweges trotz der nahezu vollständig durchgeführten Auffüllungen gefährdet. Beim letzten Ortstermin konnten einige tiefe Risse im Gelände nachgewiesen werden, welche im Fall von starken Regenfällen oder von Befahrung mit schwerem Gerät zum Abrutschen des Weges führen könnten."

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