GEMÜNDEN

Bernd Rützel diskutierte mit Einheimischen und Asylbewerbern

SPD-Bundestagsabgeordneter Bernd Rützel (hinten) lud in sein Büro in Gemünden zum Gespräch über Integration der Flüchtlinge ein. Knapp 40 Gäste beteiligten sich daran. Foto: Klaus Gimmler

Wie können wir möglichst schnell die Flüchtlinge integrieren? Wo gibt es dabei die größten Probleme? Diese Fragen standen im Mittelpunkt der Gesprächsrunde „doudrü g?hört geredt“, zu der SPD-Bundestagsabgeordnete Bernd Rützel in sein Büro in der Gemündener Fußgängerzone eingeladen hatte.

Veranstaltung großer Erfolg

Die Veranstaltung war ein Erfolg. Es wurde sachlich diskutiert und viele Besucher waren gekommen, so dass Rützel und seine Helfer immer wieder neue Klappstühle aufstellen mussten. Unter den knapp 40 Teilnehmern waren auch viele Flüchtlinge. Rützel machte deutlich, dass es an diesem Abend nur um Fragen der Integration gehen soll. So wollte er eine Diskussion über offene Grenzen, über die Flüchtlingspolitik oder über die AfD vermeiden.

Recht problemlos im Kindergarten

Welche Probleme gibt es also im Alltag bei der Integration der Flüchtlinge? Dazu hatte er unter anderem Tanja Höfling, die Leiterin des Städtischen Kindergartens, eingeladen. Derzeit werden in diesem Kindergarten zehn Flüchtlingskinder betreut. Dies klappe ganz gut, sagt Höfling. Die Kinder würden sehr schnell lernen. Die Verständigungsprobleme gebe es vor allem mit den Eltern. Es sei beispielsweise schwierig zu erklären, dass sie ihre Kinder abmelden müssen, wenn sie an einem Tag nicht kommen.

Traumatisierte Kinder schwer zu erkennen

Man versuche sich zu behelfen, so gut es geht. Höfling berichtet als Beispiel von einem Vater, der alle Aushänge mit seinem Handy abfotografiert und sich diese dann von einem Dolmetscher übersetzen lässt. Ganz schwierig sei es, Traumatisierungen von Kindern zu erkennen. „Wir wissen nicht, welch schreckliche Dinge die Kinder auf ihrer Flucht erlebt haben“, sagt Höfling.

Da die Kinder von ihrem Schicksal nicht erzählen können, sei es schwierig, die richtigen Maßnahmen zu treffen. Ist das Kind nur scheu oder ist, aufgrund einer Traumatisierung, eine psychologische Behandlung nötig? Daraus wird deutlich: Die größte Barriere ist die Verständigung. Hermann Burkard vom Netzwerk Asyl sprach die Sprach- und Integrationskurse an und er wünschte sich ein unkomplizierteres Verfahren beispielsweise bei der Erstattung der Fahrtkosten. Er sprach von einer „Illusion“, wenn man aus den Flüchtlingen „Super-Unterfranken“ machen wolle. Stattdessen solle man die Verschiedenheit anerkennen und es als ein belebendes Element begreifen. Wie die Integration in der Praxis funktionieren kann, zeigte Martina Dittmeier vom gleichnamigen Steinmetzbetrieb in Wernfeld. In ihrem Betrieb ist bereits seit eineinhalb Jahren ein junger Syrer angestellt.

Mit Arbeitnehmer gute Erfahrung

Es sei klar, sagt sie, man müsse ihn in vielen Dingen „an die Hand nehmen“ – etwa bei Behördengängen. Mittlerweile habe er aber durch die tägliche Arbeit gut deutsch gelernt. Daher ist das Fazit von Dittmeier sehr positiv. „Wir würden es wieder tun“, sagt sie. Integration durch Arbeit kann funktionieren, es dauert vielen Flüchtlingen aber zu lange, bis sie arbeiten können. Zaber Hindieh Atch, ein anerkannter Syrer, der schon sehr gut deutsch kann, meint, dass viele Flüchtlinge gute Handwerker seien. Ihnen müsse die Möglichkeit gegeben werden, zu arbeiten. Dann würden sich auch die Sprachkenntnisse verbessern.

Jürgen Endres, Lehrer am Friedrich-List-Gymnasium, berichtete, dass es bislang nur wenige Flüchtlingen gibt, die den Sprung auf das Gymnasium schaffen. Dies sei „ein harter Weg“, meinte er und führe zu einer enormen Überforderung. Es gebe in seinem Gymnasium ein syrisches Mädchen in der 6. Klasse und ein Flüchtlingsjunge hätte die Aufnahme zu einem Vorkurs in Würzburg geschafft. Dort wird er für das Gymnasium fit gemacht. Aber ob das reicht, um dann in die Schule eingegliedert werden zu können? Letztlich sei dies auch eine Frage des Ehrgeizes, meint Endres.

Kritische Anmerkungen von Flüchtlingen

Aber auch von den Flüchtlingen kamen kritische Anmerkungen. Zahir Hindieh Atch berichtete, dass die Behörden von ihm einen Zivilregisterauszug verlangen. Dieser liege aber in Syrien unter den Trümmern. „Wie soll ich die Papiere bringen?“, fragt er und hofft auf mehr Flexibilität. Zudem könne er nicht verstehen, warum die Anerkennung als Asylbewerber unterschiedlich lange dauert. In seinem Fall sei es schnell gegangen, ein Freund in einer vergleichbaren Situation warte aber noch heute darauf. „Andere Stapel, anderes Büro“, antwortete ihm Rützel, der angesichts der Vielzahl der Fälle um Verständnis warb.

Hiesige Werte sind zu achten

Zur Integration gehört auch das Anerkennen der deutschen Kultur. „Hier gilt unser Grundgesetz und unsere Werte“, sagte Rützel. Die Würde des Menschen sei unantastbar und Frau und Mann gleich wert. Werde das denn akzeptiert, fragt er die anwesenden Flüchtlinge. „Wir respektieren die neue Kultur“, übersetzte Zaher Hindieh Atch die Wortmeldung eines anwesenden Palästinensers. Sie würden Deutschland dafür achten, dass es hier Sicherheit, Freiheit und gleiches Recht gebe, sagte er.

Als Rützel eigentlich die Versammlung beenden wollte, meldete sich ein Mann, der sich als „einfacher Bürger von der Straße“ vorstellte und der seine Bedenken äußerte, ob Deutschland sich nicht mit der Aufnahme der Flüchtlinge überfordere. Da man ihm nicht das Schlusswort lassen wollte, wurde dann doch über Sinn und Unsinn der derzeitigen Flüchtlingspolitik gesprochen, was Rützel zu Beginn eigentlich vermeiden wollte.

Schlagworte

  • Gemünden
  • Klaus Gimmler
  • Alternative für Deutschland
  • Asylbewerber
  • Bernd Rützel
  • Flüchtlinge
  • Flüchtlingspolitik
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!