Lohr

Beschluss: So wird der Busverkehr in MSP billiger und besser

So sollen die neuen Busse aussehen. Von außen eher unspektakulär, aber die Details machen es aus. Foto: Martin Hogger

Busse, das sind doch die großen Autos, mit denen Kinder in die Schule fahren. So antworten viele im Landkreis, wenn man mit ihnen über den öffentlichen Nahverkehr im Landkreis spricht. Auch Zahlen des "Verbandes der Verkehrsunternehmen" belegen, dass sich die Nutzung von Bussen in den vergangenen Jahren in Richtung Stadt verschoben hat. Damit soll jetzt Schluss sein.

Eine ausklappbare Rampe soll es Senioren und Behinderten erleichtern, in den Bus zu kommen. Foto: Martin Hogger

Der Landkreis will den Busverkehr stärken. Ab November werden die Anreize, mit dem Bus durch Main-Spessart zu fahren, so groß wie noch nie zuvor sein – vor allem für Berufstätige und Senioren. Dafür sollen Beschlüsse sorgen, die der Ausschuss für Wirtschaft, Verkehr, Tourismus und Landkreisentwicklung am Freitag getroffen hat und die eben ab November in Kraft treten sollen. Doch bei der Sitzung kritisiert ausgerechnet ein Busunternehmer einen großen Baustein des Planes.  

Was sich am Busverkehr ändern soll 

Für die Sitzung hatten sich die Ausschussmitglieder und Landrat Thomas Schiebel in einen Raum eines Hafenlohrer Busunternehmens gequetscht. Das Thema diktierte den Ort, denn nach der Sitzung sollten neue Busse vorgestellt werden. Stufenloser Einstieg, Absenkanlage, stufenloser Mittelgang, breitere Türen und ein Kinderwagen- und Rollstuhlplatz werden die neuen Modelle haben. 30 davon werden gebraucht. Ziel ist, Senioren, Behinderten und jungen Eltern das Busfahren zu erleichtern.

Als Nahverkehrsbeauftragte sprach vor allem Monika Mützel im Ausschuss. Man möchte den Rufbus mit dem restlichen Personennahverkehr gleichstellen und damit den Anreiz steigern, den Rufbus auch zu nutzen, sagte sie. Deshalb werden alle Rufbusse ab November in das Tarifsystem des VVM eingebunden. Zudem sollen die Linien erweitert werden. Das soll den vielen Schichtarbeitern und Berufstätigen in den Ferien zugute kommen. So ist der Plan. 

Lesen Sie auch: Interview mit Monika Mützel: Nahverkehr in Main-Spessart soll besser werden

Busunternehmer fürchtet wegen der Nachtbusse um Taxigewerbe

Das bedeutet zum einen, dass der Komfortzuschlag wegfallen wird, wodurch viele Passagiere bis zu 50 Prozent billiger fahren können. Zum anderen akzeptieren Rufbusse ab November auch länger gültige Tickets der VVM, wie Tagestickets. Bisher war dem Schritt entgegengestanden, dass noch etwa 20 Prozent der Rufbusse von privaten Unternehmern und nicht vom Landkreis betrieben werden. Die Rufbusse seien in den vergangenen Jahren relativ konstant genutzt worden, sagte Mützel. Diese Maßnahme aber würde den Landkreis bayernweit zum Vorreiter machen.

Bevor die Kreisräte über die Kostenübernahme abstimmen sollten, hatte der CSU-Kreisrat Rudolf Hock gleich vier Dinge einzuwenden. Der Busunternehmer glaubt nicht, dass der Fahrpreis ausschlaggebend für die Nutzung des Rufbusses sei. Zudem fahre in einem Rufbus in der Regel nur ein Passagier mit: "Wo ist dann der ökologische Vorteil von dem System?", fragte er. Zudem befürchtet er, dass der Rufbus zwar jetzt gefördert werde, sich das in ein paar Jahren aber wieder ändere und der Landkreis auf den Kosten sitzen bleibt. Zum Schluss merkte er noch an, dass die Taxi-Decke im Landkreis schon sehr dünn sei. Wenn billigere Rufbusfahrten dazu kämen, dann könnten weitere Taxi-Unternehmer das Segel streichen.

Die FW-Kreisrätin Inge Albert widersprach Hock entschieden. Der Rufbus sei eine Stärkung des ÖPNV. "Der Mobilitätsaspekt ist in der Hinsicht das wichtigere", sagte sie. Der Wirtschaftsausschuss war ähnlicher Meinung und beschloss deshalb, den Privatunternehmern die geringeren Einnahmen zu erstatten. Vorsichtig geschätzt würde das den Landkreis fünf- bis zehntausend Euro pro Jahr kosten, sagte Landrat Thomas Schiebel. 

Wie ruft man einen Rufbus?
Rufbusse haben einen festen Fahrplan, den sie aber nur befahren, wenn sie vorher gerufen werden. Dazu ruft man einfach mindestens eine Stunde vor Abfahrt bei der Mobilitätszentrale an. Diese ist werktags von 9 bis 19 Uhr und samstags von 9 bis 18 Uhr unter 0931/36 886 886 erreichbar. Bei Gruppen von fünf bis acht Personen muss man schon einen Tag vorher Bescheid sagen, bei Gruppen über acht Personen zwei Tage.

Neue Fahrpläne und neue Werbekampagne für Busse

Dass auch die Menschen im Landkreis davon erfahren, dass der Busverkehr besser ist, dafür soll ab Oktober eine Werbekampagne sorgen. Mit Großflächenwerbung, Anzeigen, Banner, Busbeklebung und Instragramwerbung will das Regionalmanagement um Saskia Nicolai Schüler, Jugendliche und berufstätige Autofahrer erreichen. Ein Schwerpunkt sollen die Punkte Nachhaltigkeit und Klimaschutz sein. Bis Ende Oktober sollen auch die neuen Bus-Fahrpläne in den Gemeinden ausliegen. In der App der VVM und des Bayern-Fahrplans seien die neuen Linien dann auch eingespeist. 

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