Lohr

Biber contra Fische: Diskussion geht in die zweite Runde

Eigentlich ziehen sie an einem Strang: Naturschützer und Hegefischer. In Sachen Biber aber sind sie uneins. Ihre sachliche Auseinandersetzung ist noch nicht beendet.
Symbolbild: ein Biber Foto: Felix Heyder

In einem Artikel vom August „Hegefischer schlagen Alarm: Biber zerstören Fischgewässer“ wird der Biber verantwortlich dafür gemacht, dass den Fischen in den Oberläufen der Lohr und ihrer Nebenflüsse der Lebensraum genommen wird. Darauf reagierte der Bund Naturschutz in einer Stellungnahme  - überschrieben ",Gut für Fische': Bund Naturschutz verteidigt Biber gegen Hegefischer" - unter anderem mit dem Argument, dass umgekehrt auch Fische enorm von der Umtriebigkeit des Bibers profitieren. Nunmehr meldet sich wiederum 

Wo der Bund Naturschutz recht hat und wo nicht

Erst kürzlich setzte Karl Scherer (links) von der Hegefischereigenossenschaft der Lohr in den Lohrer Stadtbach Bachforellen ein.  Foto: Heinz Scheid

Die Darstellung des Bundes Naturschutz zur positiven Auswirkung der Biber auf Fischgewässer sei zutreffend, räumt Karl Scherer von der Hegefischereigenossenschaft der Lohr ein. Das gelte aber ausschliesslich für begradigte naturferne und biologisch verarmte Bäche oder Flüsse. "Allerdings können wir die dort dargestellten Vorteile für Forelle und Äsche (falls es viele Dämme gibt) keinesfalls nachvollziehen, für andere Fischarten sehr wohl", schreibt er.

"Die Mittel- und Oberläufe der Lohr, des Aubaches und des Lohrbaches liegen alle im Geltungsbereich des Naturschutzgebietes ,Spessartwiesen'", führt Scherer aus und zitiert die entsprechende Verordnung der Regierung von Unterfranken vom 27. April 2001: 

  • Die Schönheit und Eigenart der landschaftsprägenden Talwiesen ist zu erhalten.
  • Die naturnahen (!) Bachläufe sowie die zuführenden Quellbäche mit ihren Lebensgemeinschaften sind zu bewahren und vor nachteiligen Veränderungen zu schützen.
  • Die früher im Lohrsystem vorgekommene Flussperlmuschel ist durch geeignete Maßnahmen wieder anzusiedeln.

Scherer: In fünf Jahren entstanden Dutzende von Dämmen

"Den ersten Biberdamm am Lohrbach fanden wir 2014", so Scherer weiter. "Seitdem sind dort Dutzende Dämme entstanden, oberhalb der Maidelsmühle ist der Bach als bisher bestes Salmonidengewässer (Bachforelle, Äsche sowie ganz besonders geschützte Mühlkoppen und Bachneunaugen) nur noch in Fragmenten erhalten. Das bisher beste Laichgewässer Kaltengrundbach für die Bachforelle existiert nicht mehr. Beide Täler stellen sich als überschwemmte, durchnässte und verwilderte nicht mehr begehbare Landschaft dar, die Bäche sind verschwunden. Eine Elektrotestbefischung in einem Biberstaubereich hat vor Kurzem ergeben, dass es dort keine Fische mehr gibt. Diese Bereiche sind versandet und verschlammt."

An der oberen Lohr Richtung hessische Grenze sei dies nun auch so. Vor 15 Jahren habe die Hegefischereigenossenschaft insbesondere am Lohrbach und im Kaltengrund einen reichhaltigen Flussperlmuschelbesatz vorgenommen. Diese Muscheln benötigen große und viele Kiesbänke, die nun in den vielen Staubereichen durch Sand und Schlamm erstickt seien.

Bei einer Infofahrt zeigten Mitglieder der Hegefischereigenossenschaft der Lohr dem Bezirkstagspräsidenten Erwin Dotzel im August 2019, welche Schäden der Biber mit seinen Dämmen verursacht: Große Stauflächen wie diese zerstören den Lebensraum von Bachforelle, Äsche, Bachneunauge und Mühlkoppe, so die Fischer. Foto: Wolfgang Dehm

"Warum verschwinden diese Fischarten durch die Biberstaubereiche?", fragt Scherer und gibt die Antwort: "Das Wasser erwärmt sich, der Sauerstoffgehalt wird geringer und die zum Ablaichen zwingend benötigten Kiesbereiche verschwinden. Das ist kein Lebensraum mehr für diese Fischarten."

Keine historischen Belege für den Biber in den Oberläufen der Spessartbäche

Dass es in den Mittel- und Oberläufen der Spessartbäche früher - fern vom Main - Biber gab, sei durch keinerlei Belege nachgewiesen. Auch das Senckenberginstitut in Gelnhausen habe keine Nachweise. "Gerade dort lebten ja auch seinerzeit vorzugsweise die Beutegreifer Bär, Wolf und Luchs", argumentiert er.

Belegt sei allerdings für die Hafenlohr (vergleichbar mit unseren Bächen), dass ein „Bachförster“ massenhaft Muscheln, Edelkrebse und Bachforellen fing, wenn die „Herrschaften“aus Aschaffenburg ins Schloss Rothenbuch kamen. "Das wäre bei den jetzigen Verhältnissen unmöglich gewesen", führt Scherer aus. "Auch die obere Hafenlohr wird immer stärker durch Biber besiedelt und ist vielleicht auch dem Untergang geweiht."

Bestätigung von Experten

Der international anerkannte Biberexperte Karl Andreas Nitsche aus Dessau pflichte der Darstellung der Hegefischereigenossenschaft bei und vertrete wie sie die Auffassung, "dass nun alles dafür getan werden muss, dass die Biber nicht auch noch die Mittel- und Unterläufe der Bäche als Salmonidengewässer zerstören." Diese Einschätzung teile auch Professor Dr. Jürgen Geist vom von Lehrstuhl für Aquatische Systembiologie der TU München, "einer der weltweit renommiertesten Gewässerbiologen". 

Seine Stellungnahme beendet Scherer mit den Worten: "Selbstverständlich sind wir Mitglied im Bund Naturschutz, da für uns die Biodiversität im Bereich der Spessartbäche weit im Vordergrund steht."

Schlagworte

  • Lohr
  • Biodiversität
  • Biologie
  • Bäche
  • Fischarten
  • Fische
  • Naturschutz
  • Naturschützer
  • Professoren
  • Regierung von Unterfranken
  • Schloss Rothenbuch
  • Technische Universität München
  • Wasser
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
1 1
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!