Karlstadt

Bildungsregion Bayern: "Ergebnis lohnt Aufwand kaum"

Kinder von der Einschulung bis zum Abschluss der Berufsausbildung als junge Erwachsene zu begleiten und dafür alle Bildungsangebote zu vernetzen, sind zwei von fünf Säulen im Programm "Bildungsregion Bayern". Das klingt zunächst gut, doch der Jugendhilfeausschuss folgte in seiner jüngsten Sitzung der Empfehlung der Kreisjugendamtes und lehnte eine Teilnahme des Landkreises mehrheitlich (gegen drei Stimmen) ab. Wesentliche Gründe dafür sind der erhebliche Aufwand, dem letztlich ein Zertifikat ("ein Stück Papier") gegenübersteht und dass der Kreis von der Jugendhilfeplanung über die Koordinierungsstelle für Familienstützpunkte und die Unterstützung der Jugendzentren schon vieles in die Tat umsetzt, was dafür als Ziel ausreichend wäre.

Überraschend kommt die Ablehnung nicht. Der Kreisjugendring beantragte die Teilnahme des Kreises schon Anfang Februar 2017, das Jugendamt antwortete knapp zwei Wochen später, dass es dem ablehnend gegenüberstehe. Darauf hin erneuerte der Kreisjugendring im März 2017 den Antrag an den Jugendhilfeausschuss.

Nun erläuterte Kreisjugendpfleger Bernhard Metz in der Sitzung des Ausschusses, was sich hinter der "Bildungsregion Bayern" verbirgt. Grundsätzlich gehe es um die Durchlässigkeit und Anschlussfähigkeit des bayerischen Schulsystems und ganzheitliche Bildungsprozesse. Das Programm gibt es seit 2012, inzwischen nehmen 75 der 96 Landkreise und kreisfreien Städte in Bayern daran teil. Salopp formuliert sollen sich Mädchen und Buben bestens entwickeln können, egal wo sie leben, auch zum Wohle der lokalen Wirtschaft und Kommunen. Dazu sollen Kommunen, Jugendhilfe, Jugendämter, Kindertagesstätten, Jugendsozialarbeit und -freizeiteinrichtungen, Erwachsenenbildung, Hochschulen, Arbeitsverwaltung, Wirtschaftsorganisationen und Unternehmen der Region vernetzt zusammenarbeiten.

Vorgesehen sind bei der Bildungsregion Bayern fünf Säulen:

- Übergänge (etwa Grundschule - weiterführende Schule);

- Schulische und außerschulische Bildungsangebote vernetzen (zum Beispiel Berufsorientierung);

- Hilfe in besonderen Lebenslagen, "kein Talent darf verloren gehen" (Jugendhilfeplanung, Schulbegleitung, Clearingstelle für Verdacht aus Misshandlung und Missbrauch);

- Bürgerschaft stärken (Seniorenpartnerschaft, Netzwerk Bürgerengagement);

- Herausforderungen demographischer Wandel annehmen (Weiterbildung, branchenbezogene Standortwerbung).

Erfolgen soll das über zahlreiche Arbeitskreise und zwei Dialogforen. Den Aufwand verdeutlichte Bernhard Metz am Nachbarlandkreis Bad Kissingen. Dort bestätigte das Kultusministerium im November 2012 die Teilnahme, das Qualitätssiegel konnte nach dem zweiten Dialogforum im Februar 2014 verliehen werden. Dazwischen lagen 60 bis 70 Arbeitskreissitzungen von 130 bis 150 Teilnehmern und 100 Arbeitsstunden der Säulenleitung.

"Das Ergebnis lohnt den Aufwand kaum", fasste Landrat Thomas Schiebel vor der Diskussion nochmals zusammen. Danach schilderte Kreisrat Franz Wolf (SPD) den Fall eines Schülers, der wegen Problemen früh auf der Förderschule landete, aber eigentlich nur wegen Sprachprobleme sein Potenzial nicht nutzen könne. Ein Test in der achten Klassen habe einen Intelligenzquotienten von 130 erbrachte. Genau da wäre ein Netzwerk sinnvoll, argumentierte Wolf. Landrat Schiebel gab zu bedenken, das würde am Datenschutz und den Zuständigkeiten nichts ändern.

Thomas Schlott vom BRK-Kreisverband fragte, wie die 75 teilnehmenden Landkreise von der Bildungsregion profitierten. Landrat Schiebel meinte: Wo stehe etwa Bad Kissingen in diesen Dingen besser da als Main-Spessart? Jugendpfleger Metz antwortete, das sei ja der Punkt: Es würden viele Leute beschäftigt, gäbe aber keine Verbesserungen zu erzielen.

Kreisrat Horst Wittstadt lobt den Antrag dennoch, weil er dazu führte, dass sich der Ausschuss mit dem Thema befasste. Vielleicht könne man ja profitieren, ohne an der Bildungsregion teilzunehmen. Das mündete in seinem Antrag, die Verwaltung werde beauftragt, die Fachthemen des Projekts "Bildungsregion" im Hinblick auf mögliche Verbesserungen im Landkreis zu überprüfen und im Jugendhilfeausschuss zeitnah zu berichten. Dies wurde einstimmig so beschlossen.

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