Helmstadt

Biodiversität: Lebensraum für die Artenvielfalt bieten

Auch die landwirtschaftliche Hofstelle kann attraktive Lebensräume für die Artenvielfalt bieten: Bioland-Hof Ines und Thomas Schwab in Remlingen.
Auch die landwirtschaftliche Hofstelle kann attraktive Lebensräume für die Artenvielfalt bieten: Bioland-Hof Ines und Thomas Schwab in Remlingen. Foto: Daniel Delang

Die salopp formulierte Frage „Biodiversität – was bringt sie uns?“ war Thema einer abendlichen Infoveranstaltung, zu der der Bayerische Bauernverband gemeinsam mit der Öko-Modellregion Waldsassengau geladen hatte. Rund 80 Teilnehmer, überwiegend Landwirte aus der Region, diskutierten zum Teil recht hitzig mit den Referentinnen des Abends, heißt es in der Pressemitteilung der Öko-Modellregion.

Den Auftakt machte Dr. Sarah Redlich von der Universität Würzburg, die betonte, dass Biodiversität nicht nur Arten- und genetische Variabilität, sondern insbesondere auch Lebensraumvielfalt umfasse. Diese sei entscheidend für die Funktion und Stabilität gesamter Ökosysteme, auch in Hinblick auf die Folgen des Klimawandels und das häufigere Auftreten extremer Wetterereignisse wie die langanhaltende Dürre in 2018. . Redlich und ihre Kollegen konnten nachweisen, dass mehrjährige Blühstreifen und Nisthilfen für Wildbienen einen positiven Einfluss auf die Erntemenge ausüben können. Dank des zusätzlichen Nahrungsangebots für Bienen, Tagfalter und Schwebfliegen werden auch die Kulturpflanzen auf dem angrenzenden Feld besser bestäubt. Nützliche Insekten wie Blattlaus-fressende Marienkäfer profitieren von einer hohen Anbauvielfalt und strukturreichen Landschaft, was sich positiv auf die natürliche Eindämmung von Schädlingen und die Ertragsqualität, wie das Tausendkorngewicht, auswirken kann.

Diplom Biologin Kornelia Marzini von der Bayerischen Landesanstalt für Wein- und Gartenbau Veitshöchheim stellte ihre selbst entwickelten Blühmischungen vor, die vor allem im kommunalen Raum oder für Biogasanlagen Verwendung finden. Auch auf die Kriterien einer erfolgreichen Ansaat ging sie ein. Das Saatgut beinhalte oft Lichtkeimer, die nicht eingearbeitet, sondern nur angewalzt werden dürfen. Eine mindestens einjährige Schwarzbrache muss der Ansaat vorangehen, sollte es sich nicht um eine Ackerfläche handeln.

Über die aktuellen Fördermaßnahmen des Kulturlandschaftsprogramms informierte Bernhard Schwab vom AELF Bamberg. Neu hinzugekommen sei eine zusätzliche Förderung für eine mindestens fünf-gliedrige Fruchtfolge.

Emotionale Diskussion

Die Diskussion war geprägt vom Unmut der Landwirte über starre Förderrichtlinien und ein strenges Kontrollwesen. Hier laufe der Landwirt Gefahr, dass sein guter Wille am Ende noch abgestraft werde. Zahlreiche negative Beispiele der vergangenen Zeit schreckten die Landwirte ab, sich an wichtigen Maßnahmen wie Erosions- oder Gewässerschutzstreifen zu beteiligen. Laufend neue Verordnungen heizten den Strukturwandel weiter an, denn oft sind kleine und mittlere Betriebe den bürokratischen Anforderungen nicht mehr gewachsen und würden aufhören.

In teils drastischen Worten wurde angestauten Emotionen Luft gemacht. Medien und Gesellschaft zeichneten ein verzerrtes Bild der Landwirtschaft und „der Verbraucher“ fordere zwar Tierwohl, Naturschutz und Öko-Landbau, greife aber beim Discounter zu den Schnäppchenpreisen, zu denen kein Betrieb dauerhaft produzieren könne. BBV-Kreisobmann Michael Stolzenberger betonte die Notwendigkeit, noch stärker in den Dialog zu treten, um über die Situation der Landwirtschaft sachlich zu informieren. Er verwies abschließend auf die aktuelle Aktion „Bayern blüht auf!“ des Bayerischen Bauernverbands, bei der sich Verbandsmitglieder online um Saatgut für Blühstreifen bewerben können.

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