Marktheidenfeld

Blick hinter die Kulissen der Marktheidenfelder Laurenzi-Messe

Auf Backstage-Tour ging es für zwanzig Leserinnen und Leser der Main-Post. Auf der Messe erhielten sie nicht nur seltene Einblicke, sondern machten auch ihre Erfahrungen.
Auf Backstage-Tour begaben sich am Montag auf der Laurenzi-Messe in Marktheidenfeld 20 Leserinnen und Leser der Main-Post. Die Fahrt im "Magic" wagten aber nicht alle. Foto: Sebastian Fjeld

Am Ende der rund dreistündigen Tour hinter die Kulissen waren die zwanzig Leserinnen und Leser nicht nur in Sachen Laurenzi-Messe um einiges schlauer, sondern auch um manche Erfahrung reicher: Zum Beispiel die, dass der eine aus dem "Magic" am liebsten gar nicht mehr aussteigen möchte, während die andere solch flotte Fahrt nicht mehr braucht. Rainer Müller von den Marktkaufleuten, Harald Michalke als Messebeauftragter und Ordnungsamtsleiter der Stadt und Festwirt Joachim Papert waren die sachkundigen Führer für die Teilnehmer, die den Rundgang bei der Main-Post-Verlosung gewonnen hatten.

Rolf Baumeister (links) kann gut verstehen, dass sich viele Menschen ihre Urlaubserinnerungen beim Kochen mit entsprechenden Gewürzen auffrischen möchten. Sein Angebot ist vielfältig.
Foto: Sebastian Fjeld

Vor rund 50 Jahren hatten Harry und Gudrun Messner aus Marktheidenfeld mit ihrer Gewürzmanufaktur begonnen. Seit acht Jahren führt Familie Baumeister den Messestand, der die erste Station auf dem Rundgang war. 16 Messen und Märkte fährt die Familie im Jahr an, berichtete Rolf Baumeister, für den die Laurenzi-Messe "herausragend ist bei der Zahl und Vielfalt der Messtände". Der Backstage-Gruppe erklärte er, dass die Gewürzmischungen selbst gemacht werden und aus welchen Ländern die Zutaten stammen.

Lisa Malena: Nostalgie und Kindheitserinnerungen

Lisa Malena ist die Juniorchefin am Messestand der Firma Stüß, die auch gut Süß heißen könnte, denn Waffeln und Schaumküsse sind ihr Metier. Vor 65 Jahren hat Horst Stüß das Unternehmen gegründet. Eigentlich wollte Lisa ja Kiefernorthopädin werden und hat das Warten auf einen Studienplatz mit einer Zahntechnikerlehre überbrückt. Zwischendurch half sie aber immer wieder mal im Familienbetrieb, hat dabei Feuer gefangen und ist dabei geblieben. "Wir verkaufen auch noch viel Nostalgie und Kindhheitserinnerungen und das macht einfach Spaß", sagt sie. Seit vier Jahren komme man nach Marktheidenfeld. Natürlich gab's kleine Kostproben für die Besucher.

Als gehöre sie dazu: Sigrid Kühn (rechts) durfte Chefin Charline Klimkeit-Agtsch beim Zubereiten von Kartoffelchips helfen. Das Resultat war lecker, fanden die Teilnehmer der Backstage-Tour.
Foto: Sebastian Fjeld

Kostproben, aber auch selbst anpacken, das erwartete die Gruppe am Stand "Kartoffelglück", mit dem die Familie Klimkeit-Agtsch seit sieben Jahren auf Tour ist.  Leserin Sigrid Kühn durfte gleich selbst probieren, wie man aus ganzen  Kartoffeln Kartoffelchips herstellt. Chefin Charline Klimkeit-Agtsch kommt im sechsten Jahr auf Laurenzi  und ist vom Ambiente am Mainkai besonders angetan. Ihre Kartoffeln bezieht sie aus der Region, die meisten Soßen werden selbst hergestellt.

Riesige Wassertanks sorgen für sicheren Stand

Dass das Fahrgeschäft "Freestyle" einen soliden Stand hat, das verdankt es den riesigen Wassertanks unter dem 21 Meter langen Gerät. Natürlich durfte, wer aus der Gruppe wollte, eine Fahrt wagen. Vor 19 Jahren hat ihre Familie eine Millionensumme in das Fahrgeschäft investiert und ist seitdem neun Monate im Jahr damit auf Reisen, berichtete Anita Agtsch. In Marktheidenfeld sind sie zum dritten Mal. Agtsch gibt vom Steuertisch des "Freestyle" aus das Tempo vor – je nach Publikum in den 24 Sitzplätzen. Was man als Schausteller mitbringen muss? Natürlich Leidenschaft für den Beruf, vor allem aber: "Man muss sehr gut mit Menschen umgehen können."

Bereit zum Abheben: Mutige Main-Post-Leser der Backstage-Tour im "Freestyle". Foto: Sebastian Fjeld

Die Familie von Juniorchef Alesandro Löffelhardt, die ihren Sitz in Euskirchen hat, ist das erste Mal auf der Laurenzi-Messe vertreten. Innerhalb von zwei Tagen wird das rund 100 Tonnen schwere Fahrgeschäft "Magic" aufgebaut. jeweils vier Personen fassen die zwölf Gondeln, die sich um die eigene Achse und um eine zentrale Aufhängug drehen. Rund 10 000 Birnen sorgen in der Nacht für die Beleuchtung. Und wenn, wie neulich in Marktheidenfeld, mal der Strom ausfällt? "Dann bringt der Magic seine Fahrt kontrolliert zu Ende", erklärt Löffelhardt. Das dauere etwa 30 Sekunden, so wie bei einem Notaus. Den hat es aber bislang nicht gebraucht. "Gottlob".

Kostenproben gab's auch am Stand von Familie Müller, die Schokoladenfrüchte anbietet. Foto: Sebastian Fjeld

Auf richtige Pralinenschokolade und regionale Zulieferer setzen Rainer Müller und Ehefrau Andrea Müller-Leßmann, die seit dem Umzug der Laurenzi-Messe auf die Martinswiese 2007 hier mit ihren Schokoladenfrüchten vertreten sind. An drei Arbeitsstationen werde das Obst kontrolliert, bevor es fertig in die Auslage komme. Für die Backstage-Truppe gab es leckere Versucherle und dabei die Bestätigung des Hinweises: "Bei uns wird alles frisch gemacht."

Stände-Auswahl übernimmt der Festausschuss

Die Auswahl der Stände auf der Messe übernimmt ein eigener Festausschuss der Stadt. Mitte November sei die Sitzung meist, bei der 230 bis 270 Bewerbungen gesichtet werden müssen. "Das kann schon fünf, sechs Stunden dauern", berichtete Harald Michalke. Den früher bekannten Passus "bekannt und bewährt" gibt es seit langem nicht mehr, führte der Ordnungsamtsleiter aus. "Jeder Stand muss jedes Jahr die gleichen Bewerbungsschritte durchlaufen, ob er schon da war oder nicht."

Der gut dreistündige Rundgang über die Laurenzi-Messe war für alle ein Erlebnis, nicht zuletzt dank der sachkundigen Führung von Rainer Müller (rechts). Foto: Sebastian Fjeld

Für die nächsten fünf Jahre fix ist der Vertrag mit der Festwirtsfamilie Papert.  Der für den technischen Bereich zuständige Joachim Papert führte durch die Hähnchen- und Haxenbraterei, erläuterte, wie die Grills befeuert werden und dass die Kartoffeln für den Kartoffelsalat selbst geschält werden, weil sich der gekaufte Salat nicht bewährt habe. Über 90 Leute Personal hat er im Einsatz. Und die verdienen seine Hochachtung: "Das ist Höchstleistung, was unsere Köche und Kellnerinnen machen." Er stellt auch klar, dass ohne Personal aus Polen und Rumänien kein Volksfest funktionieren würde. "Für unsere Branche Leute zu finden ist extrem schwer - Deutsche findest du da nicht", sagt Papert.

Er selbst war wenige Monate als, als 1965 die Paperts erstmals die Laurenzi-Messe betreuten. Seitdem sind sie alle Jahre hier. "Uns gefällt es sehr gut in Marktheidenfeld." So ein Volksfest auszurichten sei anstrengend, "das kannst du ohne Familie nicht schaffen; jeder von uns hat hier drei Jobs". Er selbst sei an diesem Morgen erst gegen 3.15 Uhr ins Bett gekommen. Da war das Zelt schon zwei Stunden leer und war die Putzkolonne längst mit dem Saubermachen beschäftigt. Am Morgen war alles wieder gerichtet, nicht zuletzt dank des städtischen Bauhofs, der sich um die Wege und die Müllentsorgung kümmert.

Vier Zelte hat die Festwirtsfamilie, die als nächstes die Michaelismesse in Miltenberg und ein Fest in Nürnberg gleichzeitig stemmt. Miltenberg besuchen sie allerdings nach 36 Jahren heuer das letzte Mal. "Die wollen mal was Neues ausprobieren", meinte Papert. Dass die Hädefelder für weitere fünf Jahre auf sie setzen, mache sie stolz und zufrieden. Die Laurenzi-Messe sei schon etwas Besonderes. Das fanden bei Festbier und kleiner Brotzeit abschließend auch die Backstage-Teilnehmer nach ihrem Blick hinter die Kulissen.

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