Lohr

Bonpflicht nervt Bäcker und Kunden

Ludwig Fischer, Madeleine Roth und Gerlinde Klieeisen in der Hafenlohrer Bäckerei neben dem vollen Weidenkorb für die Bons. Foto: Henrietta Hartl

Man bekommt fast überall dieselbe Reaktion, wenn man in den Bäckereien in und um Lohr oder Marktheidenfeld zum Thema Bonpflicht herumfragt. "Genervt" ist das Wort, das immer wieder fällt. Genervt sind die Kunden, und vor allem auch das Verkaufspersonal. Gerade in Bäckereien gibt es viele kleine Käufe: ein Kaffee, ein Stückchen Kuchen, ein belegtes Brötchen, die Zeitung.

Nun muss jeder einzelne Bon ausgedruckt werden – die meisten bleiben als Müll im Laden zurück. Bei der Bäckerei Fischer in der Hafenlohrer Hauptstraße steht auf der Theke ein großer Glasbehälter, in den die Kunden ihre Bons werfen können. "Mindestens 95 Prozent der Kunden wollen die Dinger nicht haben", schätzt Bäckerei-Chef Ludwig Fischer. Der Glasbehälter fülle sich schnell. Wenn er voll ist, kippen die Verkäuferinnen den Inhalt in einen Weidenkorb hinter der Theke. Auch der muss häufig geleert werden.

In den ersten Tagen der Bonpflicht wurden in der Bäckerei schon deutlich mehr von den kleinen, dicken Thermopapier-Rollen verbraucht, auf denen die Belege gedruckt werden. Bäcker Fischer ist sicher, dass er nun deutlich mehr von den Rollen brauchen wird, um die Bon-Pflicht zu erfüllen. Das sind auch Kosten, aber vor allem stört ihn der Aufwand. Er meint: "Wenn man den Bon für etwas größere Käufe zur Pflicht machen würde, sagen wir mal ab fünf Euro oder so, das wäre vielleicht sinnvoll." Doch gerade in einer Bäckerei, "da kaufen manche ja oft auch bloß ein oder zwei Brötchen, das sind manchmal wirklich nur Centbeträge."

Elke Weckmann aus Marktheidenfeld hat gerade eine Breze gekauft und schüttelt den Kopf: "Früher wurde man ja manchmal gefragt, ob man einen Bon will oder nicht, das war viel sinnvoller. Da habe ich immer nein gesagt - was soll ich denn damit?"

Susanne Gock, die in der Steinbacher Filiale der Landbäckerei Schaub Backwaren verkauft, berichtet Ähnliches. "Vielleicht mal einer von zehn, oder sogar noch weniger" von den Kunden wollten die Bons haben. Es gibt im Laden einen Papierkorb für unerwünschte Bons. "Früher mussten wir den vielleicht einmal in der Woche leeren, jetzt mindestens einmal am Tag." Und zur Zeit gebe es auch viele genervte Kommentare der Kunden. Rainer Väth vom Café Franck-Haus in Marktheidenfeld allerdings nimmt die Situation gelassen. Der Grund: "Wir machen das schon seit sieben Jahren so, seit wir das Café hier übernommen haben." Damals habe man gleich ein ganz modernes Kassensystem installiert, das automatisch die Bons ausgegeben habe. Natürlich sei es umständlich, wenn man für eine Tasse Cappuccino oder ein Stückchen Torte einen Bon ausdrucken müsse, "aber man gewöhnt sich halt im Laufe der Zeit daran." Deswegen sei das für ihn und seine Kollegen keine große Umstellung. Einen wichtigen Nachteil des Systems sieht aber auch er: "Das ist schon irgendwie absurd, sonst wird inzwischen immer so auf Umweltfreundlichkeit geachtet, und das ist ja wirklich das Gegenteil davon."

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