Triefenstein

Borkenkäfer-Befall bereitet Forstdirektor Bauchschmerzen

Kiefernholz lässt sich im Triefensteiner Wald momentan schwer verkaufen. Foto: Günter Reinwarth

Gemeinderäte und Besucher wurden am Triefensteiner Ratstisch hellhörig, als Forstdirektor Dr. Wolfgang Netsch vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Karlstadt von "einer ganz besonderen Sitzung" sprach. Es ging um eine Personalie seiner Behörde – konkret nannte er den Namen von Peter Fritz, ein Forstmann, der seit 33 Jahren im Auftrag seiner Behörde den 310 Hektar großen Forst im Markt Triefenstein betreut und in wenigen Tagen die "Freistellungsphase der Altersfreizeit" beginnt.

Bei der Forstverwaltung sei es üblich, dass freiwerdende Stellen nicht wieder besetzt werden, informierte Dr. Netsch den Gemeinderat. Bei Peter Fritz sei das jetzt allerdings "alles ganz anders abgelaufen" und mit Christoph Müller gleich wieder ein Nachfolger benannt worden, der "in große Fußtapfen" trete.

Dr. Wolfgang Netsch nahm wie immer zum Jahresanfang zum Forstwirtschaftsplan des Marktes Triefenstein und zur Entwicklung im Gemeindeforst, mit dem im vergangenen Jahr erneut kein Geld verdient wurde, Stellung. Sorgen bereitete ihm vor allem der Einbruch im Holzmarkt. Konkret nannte er die negative Entwicklung beim Kiefernholz in Zusammenhang mit dem Borkenkäfer-Befall und mit klimatischen Veränderungen. Der Markt sei "komplett zusammen gebrochen", sagte der Forstmann und ging vor allem auf den Preisverfall beim Kiefernholz ein, das aktuell bei 35 Euro pro Festmeter liege und "mehr oder weniger unverkäuflich" sei. Im Triefensteiner Wald beträgt der Anteil an Kiefern 31 Prozent. In diesem Jahr sollen 300 Festmeter dieser Holzart geerntet werden. Wenn allerdings auf dem Markt keine Besserung eintrete und die Kiefer weiter "im Sog der Fichte schwimmt", dann sei diese waldbauliche Entwicklung nicht unproblematisch, sagte Dr. Netsch.

Nur 1200 statt 1600 Festmeter geerntet

Im vergangenen Jahr sind nur 1200 Festmeter statt der geplanten 1600 Festmeter Holz geerntet worden. Die Einnahmen aus dem Gemeindeforst liegen (einschließlich staatlicher Fördergelder in Höhe von 13 000 Euro) bei 53 000 Euro. Weil die Ausgaben mit 66 000 Euro zu Buche schlugen, mussten im Verwaltungshaushalt Verluste in Höhe von rund 12 700 Euro in Kauf genommen werden. Diese Entwicklung folgt der Negativ-Serie in den vergangenen Jahren, als sich das jährliche Minus zwischen 13 000 Euro (2016) und 41 000 Euro (2017) bewegte. Geld konnte Triefenstein mangels "reifer Eichenbestände" in der Vergangenheit nicht verdienen. 2020 hofft man auf den Absatz von 130 Festmetern Eichenholz. Der gesamte Holzeinschlag für 2020 wurde mit 1070 Festmetern angesetzt.

Unter dem Strich zeigte sich Dr. Netsch trotz der von ihm aufgezeigten Entwicklung im Triefensteiner Forst "relativ zufrieden" – auch wenn er ein wenig "Bauchschmerzen" habe. Die Grundzüge der Triefensteiner Forstwirtschaft orientierten sich an dem seit zwei Jahren aktiven und auf zwanzig Jahre ausgelegten neuen Forstwirtschaftsplan, merkte der Forstdirektor weiter an. Mit den "Bauchschmerzen" meinte Dr. Netsch vor allem den immer noch aktiven  Borkenkäfer-Befall, der keine verlässliche Prognose ermögliche.

"Sabine" mit "Wibke" nicht vergleichbar

Der aus dem Amt scheidende Forstmann Peter Fritz gab einen kurzen Rückblick über seine Arbeit im Triefensteiner Wald seit 1987. Von der SPD-Gemeinderätin Beate Träger und von Zweitem Bürgermeister Werner Thamm durfte Peter Fritz ein dickes Dankeschön für seine Triefensteiner Arbeit hören. Beate Träger wollte wissen, ob Sturm Sabine im heimischen Forst besondere Schäden hinterlassen habe. Der Förster gab Entwarnung, die Schäden beträfen nur einzelne umgefallene Bäume und seien mit "Wibke" im Jahr 1990 nicht vergleichbar. Seinen Abschied verband Fritz mit der Hoffnung, dass im Trennfelder Wald der "viele Eichen-Samen" gut hochgehen mögen.

Fritz' Nachfolger Christoph Müller, dessen Ernennung zum Forstoberinspektor kurz bevor steht, wurde in Kassel geboren und studierte in Göttingen Forstwirtschaft. Er betreut künftig neben Triefenstein fünf weitere Forstbezirke in der Region Marktheidenfeld. In seiner Freizeit frönt er dem Ausdauer-Sport. Früher hat er mit "Taekwondo" auch Kampfsport bestrieben. Zu seinen private Interessen gehört auch die Meeresbiologie.

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