STETTEN

Brot aus „Wasserschutzgetreide“

„Einen Unterschied merke ich kaum“: Hubert Schraut arbeitet gerne mit dem neuen „Wasserschutzmehl“. Foto: Lara Meissner

Wer sein Brot bei der Bäckerei Schraut oder bei einer von fünf anderen Bäckereien im Landkreis Main-Spessart (siehe Infokasten) kauft, tut dem Grundwasser was Gutes. Seit rund vier Wochen verkaufen die Bäckereien sogenanntes „Wasserschutzbrot.“

Das kommt erst einmal ganz unspektakulär daher: Es sieht aus wie normales Brot, schmeckt wie normales Brot – und kostet den Käufer auch so viel. Das Gute liegt im Detail, genauer gesagt im Mehl: Es besteht auf sogenanntem „Wasserschutzweizen“, einem Weizen, der anders als herkömmlicher nur zweimal statt dreimal gedüngt wurde.

Normalerweise werden die Pflanzen im März, im Mai und im Juni mit Stickstoff-Dünger behandelt, damit der Eiweißgehalt möglichst hoch geht. Bezahlt werden die Getreidebauern nämlich nicht nach der blanken Masse ihrer Ware, sondern nach dessen Wasser- und Eiweißgehalt. Steckt wenig Wasser und viel Eiweiß im Getreide, kann man mehr dafür verlangen und umgekehrt. „Das führt dazu, dass viele Bauern im Juni noch mal richtig hinlangen beim Dünger“, sagt Bäckermeister Hubert Schraut.

Allerdings, und das ist der Knackpunkt, wird dieser Dünger oft kaum oder gar nicht mehr von der Pflanze aufgenommen, gerade wenn es wie in diesem Jahr bis zur Ernte kaum noch regnet. Dann bleibt der stickstoffhaltige Dünger auf dem trockenen Boden liegen und sobald er im Herbst die erste Regendusche abbekommt, wandert er in den Boden, wo er zu Nitrat wird, das ins Grundwasser gelangt.

Nitratwert möglichst senken

Dass diese Nitratwert möglichst gering bleibt, ist das Ansinnen der „Aktion Grundwasserschutz“ von der Regierung von Unterfranken, die das Wasserschutzbrot auf den Weg gebracht haben.

Für Hubert Schraut war es auch eine persönliche Entscheidung, mit seinem Brot etwas für sauberes Grundwasser zu tun: „Wir haben selbst drei Kinder, da denkt man schon öfter mal über die Umwelt nach und was so in Zukunft passieren wird“, sagt er.

Bauern 30 Prozent Mehrkosten

Dafür legt er ein bisschen drauf: Kosten 100 Kilo normales Mehl um die 30 Euro, sind es bei dem besonderen Wasserschutzmehl rund 37 Euro für die gleiche Menge. „Hochgerechnet auf die gesamten Kosten fällt das aber nicht so sehr ins Gewicht“, macht er deutlich.

Eine Preiserhöhung seiner Backwaren, die er momentan mit einer Mischung aus beiden Mehlen fertigt, plant Bäckermeister Hubert Schraut deshalb vorerst nicht.

An anderer Stelle sind die Verluste schon höher: Die Getreidebauern können für das Weizen rund 30 Prozent weniger verlangen, einen Ausgleich zahlt ihnen im Raum Main-Spessart die Stadtwerke Karlstadt, die ebenfalls Projektpartner sind.

Insgesamt sind 15 Bäcker mit zusammen 53 Filialen, drei Landwirte und ein Müller in ganz Unterfranken an der Aktion beteiligt. An diesem Montag werden sie dafür vom unterfränkischen Regierungspräsidenten Paul Beinhofer in Karlstadt ihre Zertifikate bekommen.

Da gibt's Wasserschutzbrot

Im Landkreis Main-Spessart bieten folgende Bäckereien das Brot an:

Bäckerei Jäger in Zellingen, Bäckerei Scherg in Steinfeld, Bäckerei Bock in Gemünden-Wernfeld, Bäckerei Engel in Retzstadt, Bäckerei Rudolph in Eußenheim und Bäckerei Schraut in Stetten.

Zwei Landwirte bauen das Getreide in Main-Spessart an: Edgar Hämmelmann in Stadelhofen und Klaus Höfling in Heßlar.

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