Lohr

Bürgermeister Paul warnt vor neuen gesellschaftlichen Mauern

Die Ehrung erfolgreicher Sportlerinnen und Sportler gehört seit einigen Jahren zum festen Programm des Neujahrsempfangs in der Stadthalle. Foto: Thomas Josef Möhler

Gemeinsame Kraftanstrengungen, um Hindernisse aus dem Weg zu räumen und nicht, um solche aufzubauen, hat Bürgermeister Mario Paul beim Neujahrsempfang am Mittwoch in der Stadthalle gefordert. Schwerpunkt der Veranstaltung waren die Ehrungen verdienter Bürger und erfolgreicher Sportler.

Er sei in einem kleinen Dorf nahe der deutsch-tschechischen Grenze aufgewachsen, berichtete der Lohrer Rathauschef rund 300 Zuhörern. Als der "Eiserne Vorhang" gefallen sei, sei er 14 Jahre alt gewesen. Umso mehr schmerze es ihn, dass 30 Jahre später "erneut Mauern in Deutschland errichtet werden".

Diesmal seien es keine Mauern aus Stein und Maschendraht, sondern "gesellschaftliche Mauern aus ungleich verteilten Chancen, mangelhafter Gesprächsbereitschaft und Vorurteilen". Es seien Mauern zwischen denen, "die von vielem zu viel, und denen, die von vielem zu wenig haben", so Paul.

Angst vor Veränderungen

Es gebe Mauern zwischen Menschen, die nach Veränderungen verlangten, und anderen, die sich davor fürchteten. "Mauern behindern uns, damals wie heute", unterstrich der Bürgermeister. Sie hinderten daran, "friedvoll zusammenzuleben, in Europa ebenso wie in unserer Gesellschaft".

Ferner hinderten die Mauern daran, allen Menschen unabhängig von ihrer sozialen Herkunft die gleichen Chancen zu geben. Herausforderungen wie der Klimawandel, die Digitalisierung vieler vertrauter Lebensbereiche und die Schaffung gleichwertiger Lebensverhältnisse und Lebenschancen brauchten das Zusammenwirken möglichst vieler und gemeinsame Kraftanstrengungen.

Alles keine Einzelkämpfer

Von den verdienten Bürgern und erfolgreichen Sportlern ist nach Pauls Worten keiner ein Einzelkämpfer: "Sie sind alle aufgehoben und eingebettet in einem Verein, in einer Familie, einem Stab oder Mannschaft." Die besondere Leistung dieser Menschen sei deshalb möglich, weil es eine Gemeinschaft gebe, die hinter ihnen stehe, sie berate, unterstütze, trainiere und im Verein für die gleiche Sache eintrete.

Paul zitierte den US-Ökonomen Peter Drucker mit dem Satz, die Menschen könnten die Zukunft nicht vorhersagen, aber sie gestalten. In diesem Sinne seien alle eingeladen, die Zukunft wenigstens ein wenig so zu gestalten wie die geehrten Bürger und Sportler.

Bürgermeister Mario Paul (rechts) ehrte beim Neujahrsempfang engagierte Bürgerinnen und Bürger, die sich in unterschiedlichsten Bereichen für die Allgemeinheit verdient gemacht haben. Foto: Thomas Josef Möhler

Markus Skrobanek und Stefan Blum als Gastredner stellten den von ihnen zusammen mit Fabian Kreser und Jonas Völker kreierten Snow White Gin aus Rodenbach vor – für Bürgermeister Paul ein Beispiel für die Verbundenheit mit der Region und einen kompromisslosen Qualitätsanspruch. Ursprünglich für ein "paar Leute im Dorf" gedacht, hat das Quartett nach Angaben Skrobaneks mittlerweile 9000 Flaschen vom "Schneewittchengin" verkauft.

Heimat in die Flasche gebracht

Markus Skrobanek (rechts) und Stefan Blum (Mitte) von Snow White Gin überreichten Bürgermeister Mario Paul eine Flasche ihres Rodenbacher Destillats. Foto: Thomas Josef Möhler

Wichtig sei ihnen, die "Heimat in die Flasche" zu bringen, mit Äpfeln von Rodenbacher Streuobstwiesen, Douglasiennadeln aus dem Spessart und Blüten und Kräutern aus Rodenbacher Gärten. Der Freistaat habe sie als Botschafter Bayerns für Messen und andere Veranstaltungen engagiert, berichtete Markus Skrobanek. 

Für den musikalischen Rahmen sorgte die Inklusionsband Mippies, ein gemeinsames Projekt der Lohrer Sing- und Musikschule, der Lebenshilfe Main-Spessart und des Musikvereins Ruppertshütten. Dabei musizieren 30 Menschen mit und ohne Handicap seit drei Jahren miteinander.

Die Inklusionsband Mippies aus Sing- und Musikschule, Lebenshilfe und dem Musikverein Ruppertshütten sorgte für den musikalischen Rahmen des Neujahrsempfangs. Foto: Thomas Josef Möhler

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