Karlstadt

Bürgermeisterkandidat Janik Havla: Ramba-Zamba für Karlstadt

Der 20-Jährige tritt mithilfe der Linken für Die Partei an, mit Humor, Pfiff und echten Anliegen.
Janik Havla tritt für Die Partei als Bürgermeisterkandidat an. Die Karlsburg will er wieder aufbauen. Foto: Markus Rill

Blaue Haare und ein Sakko voller Aufkleber, Buttons und Anstecker – Janik Havla ist ein außergewöhnlicher Bürgermeisterkandidat. Der 20-Jährige tritt für die Partei an, mithilfe der Linken, und weiß, dass die Mehrheit der Karlstadter ihn wohl nicht ins Rathaus wählen wird. Mit seiner Kandidatur will er einerseits den Politikbetrieb auf die Schippe nehmen, andererseits dafür sorgen, "dass sich junge Leute für Politik interessieren". 

Beides unter einen Hut brachte schon sein Video, das den Werbespot des CSU-Kandidaten Michael Hombach persiflierte. Über 3000-mal schauten sich die Karlstadter an, wie Havla mit seinem Rad an verschiedenen Orten im Stadtgebiet aufkreuzt und auf die Wahl-Versprechen der CSU immer noch einen draufsetzt. "Zwei Stadtbusse sind besser als einer", sagt Havla beispielsweise. Und: "Wir setzen uns doppelt so stark wie die CSU für Radwege ein, aber nur halb so stark wie die Grünen."

Hilfe von der Linken

Weil ihm dieser Humor gefiel, wollte sogar Landratskandidat Christian Baier den Wahlvorschlag der Partei mit seiner Unterschrift unterstützen – durfte er aber nicht, da er für die Grünen antritt. Auch Rudi Gosdschan, der in Karlstadt die Liste der Linken koordiniert, fand Gefallen am "pfiffigen Auftreten" der Partei. Er schlug der Partei eine gemeinsame Liste vor - mit dem Vorteil, dass es dann mit dem mühsamen Unterschriften-Sammeln ein Ende hatte.   

Video

"Ich fand das toll von Rudi Gosdschan", sagt Havla. "Wir haben es intensiv besprochen." Weil es auch anderswo gemeinsame Listen der Partei mit Linken oder Grünen gebe, sei die Entscheidung zur Kooperation gefallen. Und Havla steht nun an der Spitze der gemeinsamen Liste und tritt tatsächlich als Bürgermeisterkandidat an. Aus zwei Gründen: "Die Altparteien reagieren allergisch auf junge Leute mit blauen Haaren" und "eine Kandidatur macht meinen beruflichen Plänen keinen Strich durch die Rechnung". Der Biologie-Student im ersten Semester könnte sich eine Zukunft als Uni-Dozent oder im Labor vorstellen.

"Im Grunde haben wir unser Ziel schon erreicht. Unsere Plakate hängen, wir bekommen Aufmerksamkeit der Presse und machen Ramba-Zamba", sagt Havla. "Mehr wollten wir gar nicht." Er freue sich über viel positives Feedback für seine Kandidatur. "Ich höre oft: Ihr frischt das Ganze auf." Bei den geplanten Infoständen im Wahlkampf rechne er jedoch auch mit kritischen Stimmen. "Die gab's auch bei der Europawahl, unserem Testlauf. Und daraus entstanden teilweise interessante Diskussionen."

Ist es nötig, Satire zu erklären?

Nicht jeder verstehe Satire. Ob die Partei-Vertreter dann erklären, wie ein Plakat mit der Aufschrift "Nilgänse raus!" gemeint ist, hänge von der Ansprache und der Tagesform ab. "Meiner Oma habe ich erklärt, um was es uns geht", verrät der 20-Jährige, der mit seiner Schwester, Mutter und Oma in Karlstadt wohnt. Die Partei verstehe sich als Vertreter der "extremen Mitte". Für junge Menschen sei die Partei auch ein Türöffner zu politischem Engagement.

Gleich zwei Brennpunkte in einem Bild. Die Unterführung missfällt auch anderen Kandidaten, für die Wiedereröffnung der Pils-Stube macht nur Havla sich stark. Foto: Markus Rill

Wahlkampfthemen für Karlstadt haben sich die Spaßvögel auch ausgedacht: "Unser Hauptthema  ist die Sanierung der Karlsburg. Wenn Michael Hombach auf einer Burg arbeitet, möchte ich das auch." Generell setze sich die Partei für den Bau der Mauer ein. "In Karlstadt wollen wir die Befestigungsanlagen der Stadt restaurieren als Wappnung gegen die Gefahr aus Dunkeldeutschland." Einen Bildungsauftrag möchte die Partei erfüllen: "Tomaten sind kein Gemüse, sondern Fruchtgemüse. Wir möchten der Bevölkerung helfen, das zu verstehen."

Und Lokalpolitik sei ohnehin sein Metier, weil er zwei-, dreimal die Woche in einem Lokal bedient. "Auf Basis dieser Erfahrung ist es mir möglich, in allen Fragen richtig zu entscheiden", erklärt der Kandidat. Den anderen Kandidaten traut er das nur bedingt zu, wie die Kommentar-Schilder zeigen, die die Partei jeweils über den Plakaten der anderen Bewerber befestigt hat. "Mini-Kruck verhindern" steht da über Benedikt Kaufmann, "Ich tanke Diesel" über Armin Beck und "Würde Jesus das wollen?" über Michael Hombach. Besser weg kommt Stefan Rümmer. Die Satiriker beschreiben ihn als "rot und erotisch". 

Zur Person
Janik Havla ist 20 Jahre alt und unverheiratet. Er studiert im ersten Semester Biologie an der Uni Würzburg und wohnt mit seiner Schwester, Mutter und Großmutter in der Karlstadter Siedlung.
Er ist Mitglied im Theaterverein sowie im Verein Troja. Seit Jahren hilft er beim Karlstadter Umsonst & Draußen-Festival mit. Havla hört "gern und viel Musik", vor allem Progressive Rock von Klassikern wie Pink Floyd, Marillion und Yes, aber auch von aktuellen Metal-Bands wie Gojira und The Ocean. Havla spielt selbst Gitarre und war während der Schulzeit Sänger der Band The Attic.

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