Marktheidenfeld

Bürgermeisterkandidat Stamm: "Ich geb' alles. Häng' mich rein"

Der parteilose Thomas Stamm will Bürgermeister von Marktheidenfeld werden. Unterwegs durch die Stadt erzählt er, wie er zu den aktuellen Themen steht. Ein Portrait.
Unterwegs mit Thomas Stamm: Auf einer Tour quer durch Marktheidenfeld erläuterte der Bürgermeisterkandidat seine Meinung zu aktuellen Themen. Foto: Nicolas Bettinger

Pünktlich um zehn Uhr fährt Thomas Stamm am Ruderclub vor. Sein Outfit: schlichte Lederjacke und feste Schuhe, schließlich soll es heute quer durch Marktheidenfeld gehen – und das zu Fuß. Aber wir wollen nicht nur laufen, sondern in erster Linie reden: Über die aktuellen Themen in der Stadt und über den Mensch hinter dem Bürgermeisterkandidaten Thomas Stamm.  

Logisch, dass die Tour im Ruderclub startet: Seit 1994 ist Stamm Vorsitzender der Rudergesellschaft Marktheidenfeld, seit elf Jahren Präsident des Bayerischen Ruderverbands. 300 Mitglieder zählt der Marktheidenfelder Verein. 35 Boote liegen hier. Für Thomas Stamm ist das Gebäude an der Georg-Mayr-Straße wie sein zweites Wohnzimmer. "Oder gar mein erstes?", überlegt er laut, während er sich auf einen der Ruderergometer setzt und ein, zwei kräftige Züge macht.  

Warm machen im zweiten Wohnzimmer: Seit 1994 ist Thomas Stamm Vorsitzender des Ruderclub Marktheidenfeld.  Foto: Nicolas Bettinger

Mit seiner Kandidatur fühle er sich ein bisschen wie damals, als er noch Rudertrainer war, erzählt er. "Ich geb' alles. Häng' mich rein." Keine Stadtratssitzung habe er verpasst. Alles genau beobachtet und versucht, nachzuvollziehen: Zum Beispiel, wie entsteht ein Stadthaushalt? Der große Unterschied zwischen dem Sport und der Politik? "Die Vielfalt der Themen", sagt Stamm. In der Stadtpolitik gehe es um Bildung, um Soziales, um die Wirtschaft. Und es sei viel Geld im Fluss. Der Vorteil gegenüber dem Sport: "In der Stadtpolitik hast du den direkten Zugriff auf die Mittelvergabe."  

Stamm will den Menschen den Main näher bringen – von der neuen Brücke bis zum Felsenkeller

Vorne zu stehen ist für Thomas Stamm kein Problem. Dabei hat ihm auch die Verbandsarbeit  geholfen. "Allerdings möchte ich gerne wissen, wovon ich rede." Jetzt schon große Reden zu schwingen findet er deswegen vermessen, eine klare Meinung hat er trotzdem. Zum Beispiel zum Mainufer, an dem wir mittlerweile zu Fuß entlang Richtung Mainkai gehen. "Momentan wird das Thema "Mainufer" sehr reduziert auf die Themen Mainkai-Parkplatz und Mehrgenerationen-Spielplatz", sagt er. Seine Intention: Den Main den Menschen näher zu bringen – von der neuen Brücke bis zum Felsenkeller. "Wir haben ein tolles Mainufer." Das gelte es zu gestalten. Auch einen Stadtstrand hält er nicht für abwegig. "Das wäre eine gute Ergänzung. Man muss schauen, wo passt so etwas hin?"

Video

Wir sind am Mainkai-Parkplatz angekommen. Zu oder auflassen? Wie würde Thomas Stamm im Falle seiner Wahl entscheiden? "Im Moment würde ich den Parkplatz auflassen", sagt er. Er sehe derzeit keine absolute Notwendigkeit, zu schließen. Er würde den Verkehr kontrollieren und schauen: Wer genau fährt hier runter? Seiner Meinung nach brauche es für ganz Marktheidenfeld ein neues  Verkehrskonzept – nicht nur für einen Bereich. 

Unterwegs am Mainkai-Parkplatz: Thomas Stamm sieht derzeit keine absolute Notwendigkeit, den Parkplatz zu schließen.   Foto: Nicolas Bettinger

Ein paar hundert Meter weiter stehen wir an der Baustraße. Über sie rollt der meiste Verkehr, der runter zum Mainkai-Parkplatz will. Auch hier gehen die Meinungen auseinander: Ist die Straße notwendig, um die Altstadt vom Verkehr zu entlasten? Oder ist sie eine Gefahr für die Kinder des benachbarten Mehrgenerationen-Spielplatzes? Momentan plädiert Thomas Stamm dafür, die Straße  aufzulassen. Eine echte Alternative wäre für ihn die ehemalige Idee der  Mainufer-Gestaltungsgruppe, die Zufahrt entlang der "Schwarzen Allee", vom Mainufer gesehen links entlang des Spielplatzes, zu legen. Somit wäre die ganze Fläche, angefangen vom bestehenden Spielplatz bis hinter zum Jugendzentrum, frei beplanbar.

Welche Variante er beim Thema Erweiterung des Mehrgenerationen-Spielplatzes befürwortet? Hier ist sich Thomas Stamm unschlüssig. Die räumliche Entfernung zwischen Spielplatz und Spielplatz-Erweiterung kann gut sein – aber auch wieder nicht. Wenn er es jetzt entscheiden müsse, würde er sich für den Alternativ-Standort am Jugendzentrum aussprechen. Die Nähe sei allein von der Altersgruppe her passend und sinnvoll. Aber man müsse es prüfen, allein wegen der Anwohner.

Thomas Stamm: "Ich fühle mich als Hädefelder."

Eine davon, Monika Stamm, kennt er gut, denn sie ist Verwandtschaft. In unmittelbarer Nähe ist Thomas Stamm aufgewachsen. Vom Spielplatz aus zeigt er auf das Haus in der Lengfurter Straße. Später dann zog er in die Kreuzbergstraße. Erst der Liebe wegen wechselte der gebürtige Marktheidenfelder die Mainseite und zog nach Hafenlohr. Hier wohnt er in unmittelbarer Nähe zum Fluss. So gut wie nebenan: Seine Tochter mit dem zweijährigen Enkel Paul. "Ich fühle mich aber als Hädefelder", sagt er. Was auch an seinem Arbeitsplatz liegen könnte: Seit er 20 Jahre alt ist arbeitet Thomas Stamm im Finanzamt Marktheidenfeld. Das System Verwaltung sei ihm insofern nicht fremd. Thomas Stamm – ein Zahlenmensch? "Ein Pragmatiker", korrigiert er.  Welche Stärken er sich zuschreibt? "Ich bin geduldig, kann gut zuhören, bin lösungsorientiert." Seine Schwächen? Vielleicht sei er manchmal etwas zu schnell. Er habe aber durch die Verbandsarbeit Geduld gelernt.  

Thema Lermann-Schließung und Leerstand: "Der Lermann fehlt den Leuten, das tut schon weh", sagt Thomas Stamm.  Foto: Nicolas Bettinger

Mittlerweile steht der 58-Jährige in Blickweite zum Lermann-Areal. Es ist kurz nach zwölf Uhr mittags, wie auf Bestellung kommt Senior-Chef Helmut Viering aus dem Gebäude. Er kenne die Familie Viering und habe im Vorfeld der Kandidatur das Gespräch mit ihr gesucht, erzählt Thomas Stamm. Es sei ein sehr gutes Gespräch gewesen, über dessen Inhalte allerdings Stillschweigen vereinbart worden wäre. "Der Lermann fehlt den Leuten, das tut schon weh", beschreibt er seine Wahrnehmung. Dazu komme weiterer Leerstand. Seine Meinung: "Wenn man als Stadt die Möglichkeit bekommt, mitzugestalten, sollte man das nutzen." Ideen hat Thomas Stamm viele: "Wir könnten auf einem Areal mit innerstädtischen Wohnbebauung stehen. Wir könnten auf einer Grünfläche stehen. Das Areal ist groß. Es ist es wert, sich anzustrengen." Was hier genau entstehen könnte, wird sich zeigen: Kurz nach dem Termin wurde der Einstieg eines Investors bei Lermann publik. Bereits im Januar sollen Einzelheiten folgen. 

Thomas Stamm: "Ich führe kein politisches Erbe weiter."

Die letzte Etappe führt in den Marktheidenfelder Ortsteil Altfeld – allerdings mit dem Auto. Als Reiseziel hat sich der Kandidat das neue Gewerbegebiet Söllershöhe ausgesucht. Noch eine versiegelte Fläche mehr? Braucht es das? Aus Sicht des Gewerbestandortes sei die Söllershöhe eine gute Entscheidung. Und mit dem Wohn-Baugebiet Märzfeld in unmittelbarer Nähe ideal ergänzt. Schließlich werde der Standort Marktheidenfeld dadurch attraktiv  für junge Arbeitnehmer mit ihren Familien.  Der Vorteil für die Stadt: Die Einkommenssteuer bleibt in der Stadt. 

Thema Gewerbegebiet Söllershöhe: Aus Sicht des Gewerbestandortes sei die Söllershöhe eine gute Entscheidung, meint Bürgermeisterkandidat Thomas Stamm.  Foto: Nicolas Bettinger

Nach knapp drei Stunden in und um Marktheidenfeld erreichen wir wieder das Bootshaus. Thomas Stamm zeigt seine Karte, die er in der Vorweihnachtszeit in der Bevölkerung verteilt hat. "Ich wäre gerne Ihr Bürgermeister" steht dort unter anderem. Und ein Verweis auf seine neu gestaltete Internetseite. Auch seinen Facebook-Account will Stamm reaktivieren. Fotos, Interviews, noch ist es keine Routine, bemerkt er selbst. Wie sehr ihn die politische Arbeit seines verstorbenen Bruders Manfred geprägt hat? "Ich führe kein politisches Erbe weiter", sagt er. "Er hat Politik gemacht und ich Sport." Das schwierigste für ihn als Politik-Neuling: "Ich habe gesagt, ich bin parteilos und will offen sein und es auch bleiben."

Rückblick

  1. Bürgermeisterkandidat Stamm: "Ich geb' alles. Häng' mich rein"
  2. Wer soll Ihr Bürgermeister in Marktheidenfeld werden?
  3. Freie Wählergruppe Waldzell nominiert Gemeinderatskandidaten
  4. Benedikt Kaufmann: Neuer Rhythmus fürs Karlstadter Rathaus
  5. Unabhängige Bürger Wüstenzell stellen ihre Kandidaten auf
  6. Kreuzwertheimer SPD/plus stellt Kandidaten zur Kommunalwahl auf
  7. Karlstadts Grüne stellen ihr Programm zur Kommunalwahl vor
  8. Landratskandidat Baier: Der Grüne wählte nicht immer grün
  9. FW Kreuzwertheim nominieren Kandidaten
  10. Stefan Rümmer: Ein Karschter, der verbinden will
  11. Zita Baur kandidiert in Fellen erneut als Bürgermeisterin
  12. Mittelsinn: Peter Paul tritt zum dritten Mal als Bürgermeister an
  13. Landratskandidat Vogel: Ich kann vorne stehen, muss aber nicht
  14. Freie Wähler gehen auf KandidaTOUR
  15. Zukunft für Himmelstadt: SPD nominiert Kandidaten
  16. Philipp Kuhn möchte Bürgermeister in Mittelsinn werden
  17. Problembeladene Familien in Main-Spessart aktiv ansprechen
  18. Arnsteiner Grünen nominieren Stadtratskandidaten
  19. Freie Wähler beleuchten mit Verkehrswacht die Sicherheit
  20. CSU-SPD-UB Mittelsinn stellt Liste für Kommunalwahl auf
  21. Lorenz Strifsky will Bürgermeister von Thüngen bleiben
  22. Hasloch: CSU und Freie Wähler rüsten sich für Kommunalwahl
  23. Amtsinhaber Wolfgang Küber tritt in Rieneck wieder an
  24. Hilfe für Freibäder: Hier sind andere als der Landkreis gefordert
  25. proMAR will Erneuerungsprozess für Marktheidenfeld anstoßen
  26. „Neue Bürgergemeinschaft“ stellt Kandidaten für Gemündener Stadtrat auf
  27. Karin Öhm kandidiert für die Freien Wähler
  28. Bürgerliste Rechtenbach: Kandidaten werden gesucht
  29. UGM-Liste: Ein Weckruf aus dem Raum Marktheidenfeld
  30. Schollbrunn: Kohlroß kandidiert offiziell für zweite Amtszeit
  31. MSP-Landratskandidaten auf Tour: Warum sich der Sinngrund abgehängt fühlt
  32. FDP will Verantwortung in Main-Spessart übernehmen
  33. Lippert und BfB werben mit 15-Punkte-Programm für Gemünden
  34. MSP: Systec-Geschäftsführer verlangt Lösungen von Landratskandidaten
  35. Kandidaten für 2020: Verjüngungskur bei der CSU Marktheidenfeld
  36. Bischbrunn: Was Bürgermeisterin Engelhardt in Zukunft vorhat
  37. IB will Bürgermeister stellen und Kehrtwende für Burgsinn
  38. Listenvereinigung CSU/FBL Himmelstadt nominiert Kandidaten
  39. Johannes Wagenpfahl will Gräfendorfs Bürgermeister werden
  40. Burgsinn: Bürgermeisterkandidat Herold will seiner Linie treu bleiben
  41. Auch Roden steht klar zum Kandidaten Albert aus Ansbach
  42. Kreuzwertheim: Was Klaus Thoma alles schaffen will
  43. B26n: BN-Kreisvorsitzender kritisiert Bürgermeisterkandidat Kaufmann
  44. Diskussion der MSP-Landratskandidaten: Was im Klinikum Lohr besser laufen muss
  45. CSU-Kandidat: So will Thomas Stamm Marktheidenfeld gestalten
  46. Bei Treffen mit FfF-Aktivisten: MSP-Landratskandidaten stritten über B26n
  47. Wolfgang Heß (Freie Wähler) will Bürgermeister in Thüngen werden
  48. Die CSU unterstützt Michael Hombach in Karlstadt
  49. Parteinotiz: Christlich Freie Wähler nominieren Kandidaten
  50. Benedikt Kaufmann setzt in Karlstadt auf Gemeinschaft

Schlagworte

  • Marktheidenfeld
  • Lucia Lenzen
  • Altstädte
  • Bevölkerung
  • Brüder
  • Bürgermeister und Oberbürgermeister
  • Erben
  • Helmut Viering
  • Kinder und Jugendliche
  • Kommunalwahl 2020 im Landkreis Main-Spessart
  • Lederjacken
  • Schuhe
  • Städte
  • Verkehr
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte vorher an.

Anmelden

Sie sind noch kein Mitglied auf mainpost.de? Dann jetzt gleich hier registrieren.