Arnstein

Comeback des politischen Kabaretts in der Arnsteiner Stadthalle

Selten fiel beim Publikum und bei der Fachjury die Entscheidung so eindeutig aus wie in dieser ersten Vorrunde. Bernard Paschke aus Meckenheim siegte mit klarem Vorsprung.
Mit feinem, spritzigem und auch kritischem Kabarett siegte der junge Bernard Paschke bei der ersten Vorrunde zum Fränkischen Kabarettpreis 2020 in der Arnsteiner Stadthalle mit großem Abstand gegenüber seinen Mitbewerbern. Foto: Günter Roth

Selten fiel beim Publikum und bei der Fachjury in der Arnsteiner Stadthalle die Entscheidung so eindeutig aus wie in dieser ersten Vorrunde um den Fränkischen Kabarettpreis. Mit deutlichem Abstand ließ Bernard Paschke aus Meckenheim bei Bonn seine Mitbewerber, das Duo Blömer/Tillack und die Niederbayerin Rike Wagner hinter sich.

In der Tat hat der 20-Jährige an diesem Abend in Arnstein die Hoffnung auf das Comeback des politischen Kabaretts genährt. Wo sich sonst Comedians mit oftmals viel Klamauk bestenfalls vorsichtig an verhaltene Gesellschaftskritik trauen oder schrillen Klamauk verbreiten, bot der junge Mann ein satirisches, nachdenklich stimmendes Programm, das trotzdem voller charmanter Gags das Publikum begeisterte.

Wenn AKK geht, ist dann der März da?

Paschkes versteht es brillant, kluge Gedanken in erfrischende, sprachlich perfekte Aussagen zu verpacken und dabei Semantik sowie Sachzusammenhänge in völlig abstruse und dann doch logische Verknüpfungen zu erstellen. Besonders angetan hatte es ihm Anne Kramp-Karrenbauer: "Eine Ode an die Öde!" oder "Wenn AKK im Februar geht, ist dann der März da?" Zur bevorstehenden Präsidentschaftswahl in den USA wusste er "die haben schon vor vier Jahren den nationalen Intelligenztest nicht bestanden".

Dazu kamen auch prächtige Wortspiele zur Überflussgesellschaft: "Immer mehr, mehr, mehr, auch wenn das Meer mehr wird!" Als Halbtagsveganer stellte er die Entscheidungsfrage Thunberg oder Thunfisch? - Greta oder Gräte? Die übertriebene political correctness, die Braunkohle als das Vermögen der AFD und die Schuhindustrie, die nach dem reißenden Absatz bestrebt ist, waren auch Ziele seines tiefsinnigen Spotts. Der jubelnde Beifall des Publikums zeigte dem Newcomer, dass er mit seinem grandiosen Programm goldrichtig lag, auch wenn er anfangs behauptete, der Franke könne nur "auf Lunge lachen"  – also nach innen.

Skurrile Gags und witzige Sketche bot das Duo Blömer/Tillack, das auf Platz Zwei kam. Foto: Günter Roth

Ansprechend, aber weitgehend mehr der Comedy verschrieben war der Beitrag des Duos Bernd Blömer und Dirk Tillack. "Der nächste Satz ist immer der schwierigste", so ihr Credo. In spritzigen Sketchen, teilweise musikalisch begleitet, boten sie herrlich verdrehte Wortspiele. Sie verkauften Lose: Haltlose, Skrupellose, Gewissenlose und Machtlose. Köstlich das Duell auf Twitter zwischen Donald Trump und Kim Jong-un das nur durch die Autokorrekturfunktion ihrer Smartphones einen friedlichen Ausgang nahm.

Skurriler Pferderitt 

Mit viel Beifall wurde die Parodie auf die olympischen Männerdisziplinen bedacht, die letztendlich in einem skurrilen Pferderitt endete. Daneben gab es aber auch feines, kluges Kabarett mit der Klage eines Richters, der sich nicht länger mit belanglosen Rechtstreitigkeiten behängen will und der Einsicht zum Schluss: "Mehr Anstand oder Verstand täte unserer Gesellschaft sehr gut!"

Einen schweren Stand hingegen hatte die einzige Dame in der Bewerberrunde mit dem Bekenntnis "Mein Hobby ist anecken". Rike Wagner aus Niederbayern rieb sich vergebens am fränkischen Humor. "Was will der Franke in München" zielte auf Markus Söder ab. Dann folgte ein Streifzug durch die Probleme ihres Lebens. Nein zu sagen oder ein Nein zu bekommen fällt ihr schwer.

Mehrere recht gute Ansätze und spritzige Einfälle bot Rieke Wagner, dennoch kam sie beim Publikum nicht so recht an. Foto: Günter Roth

Weil sie besser einparken konnte als ihr Ex-Freund ist sie augenblicklich wieder Single und die Suche nach einem neuen fällt schwer, weil sie eigentlich schon einen Diktator sucht, aber einen auf Augenhöhe. Dass man derzeit in Bayern Wölfe schießen, aber sie nicht füttern darf, ließ das Publikum etwas ratlos zurück. Klar, dass  vielen Kabarettprogrammen der "Rote Faden" fehlt, das wird aber dann oft durch spritzige Gags oder flotte Sprüche wettgemacht. Irgendwie aber fand die an sich flotte und charmante Kabarettistin nicht den nötigen Draht zu ihrem Arnsteiner Publikum.

Humorvoll moderiert von Martin Herrmann

Viel Freude aber machte dafür der Conferencier und Sieger des letztjährigen Kabarettpreises Martin Herrmann. Teilweise durch seine ruhige und doch humorvolle Moderation, aber auch durch die unfreiwilligen kleinen, aber erheiternden Pannen rund um die Stimmabgabe beim Publikum und dann bei der Bekanntgabe des Vorrundensiegers. Wegen des bevorstehenden Umbaus des Foyers der Stadthalle wird die zweite Vorrunde schon in drei Wochen am 25. März stattfinden.

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