MARKTHEIDENFELD

Computerclub AUGE: Ohne Maus und Grafik

Surfen, Smartphones, Social Web: Was heute alltäglich ist, war in den 80ern undenkbar. Georg Simon vom Computerclub AUGE über die ersten Heimrechner, Spiele mit kleinen Klötzchen und Programmierversuche
Schau mir in die Augen: Georg Simon vom Computer-Club AUGE hat in den 80er-Jahren begonnen zu programmieren und ist interessiert an den neuesten Technologien. Foto: Jünger

In Sekundenschnelle haben wir den Begriff nachgeschlagen, den wir nicht kennen, können mit Bekannten auf der ganzen Welt kommunizieren oder große Datenmengen in Clouds, externen Datenspeichern, ablegen. Kaum einer kann sich sein Leben noch ohne den Luxus des Internets vorstellen. Ein Luxus, den man erst als solchen wahrnimmt, wenn man in die Vergangenheit blickt.

Vor 30 Jahren sah die Welt nämlich noch völlig anders aus: In den 1980er gab es weder Internet noch hatte ein Durchschnittshaushalt einen Computer zur Verfügung. Und die, die es gab, sind nichts im Vergleich zu heute. „Ich habe das Internet zuerst bei anderen Leuten gesehen – viel zu teuer, um es bei sich selbst einzurichten“, erinnert sich Georg Simon.

Der 63-Jährige ist Leiter der Regionalgruppe Mainfranken des Computerclubs AUGE, einer Abkürzung für „Active User Group Europe". Der bundesweite Verein besteht seit 1979. Die Regionalgruppen Mainfranken und Marktheidenfeld gründeten sich Mitte der Neunzigerjahre. Die Mitglieder treffen sich regelmäßig, um Alltagsschwierigkeiten a la „Warum tut die neue Version von Word nicht mehr das, was die alte Version gemacht hat?“ zu besprechen. Außerdem werden neue Computertrends und Möglichkeiten thematisiert.

Sein Interesse für Computer entwickelte Simon Anfang der 80er als die ersten Heimcomputer aufkamen. „Mein Vater hatte einen Bekannten in Amerika, der die Technologie mitgebracht hat“, erzählt der 63-Jährige.

In den 80er-Jahren gab es in erster Linie zwei Gruppen von Computer-Fans: die Zocker, deren Leidenschaft die Videospiele von Atari waren, und die User – wie Georg Simon.

Im elterlichen Gärtnereibetrieb wurde der erste Computer angeschafft, ein Kontron PSI80 mit dem Betriebssystem OASIS. „Der Bestand aus einem Kompaktgehäuse mit zwei Diskettenlaufwerken ohne jegliche grafische Oberfläche – im Grunde eine elektrische Schreibmaschine mit Korrekturfunktion“, erklärt Simon. In die Zeit fielen auch seine ersten Programmierversuche: Er formte einen Serienbrief mit Adressen in eine Pflanzenliste um, indem er anstelle der Anschriften Pflanzennamen eintrug. Eine sinnvolle Hilfe für die Familiengärtnerei.

Wenig später brachte IBM den ersten Universalcomputer auf den Markt. „Da konnte man das Innenleben offen legen und so auch der Laie Zubehör in das Gehäuse stecken“, erzählt Simon. Mit der Programmiersprache BASIC programmierte er die Textbearbeitung so, dass der Vater seine regelmäßigen Vorträge über Staudengärtnerei nicht mehr der Mutter diktieren musste, sondern sie selber schreiben konnte. „Da konnte man sich beliebig oft vertippen.“

Besonders stolz ist Simon auf eine Erfindung: Er programmierte das erste Programm, das die schnelle Erfassung von Aufträgen ermöglichte. Pflanzen konnten fortan ohne Artikelnummer nur anhand ihrer Wortanfänge automatisch vervollständigt werden. Das „Autocomplete“ der 80er Jahre. „Das war das erste Programm in der Art überhaupt. Vorher mussten wir alles per Hand erfassen.“ Alles, was der 63-Jährige in dieser Zeit programmierte, hatte keine Grafik und war nur mit Tastatur bedienbar – die Computermaus gab es in den 80er Jahren noch nicht.

Und wie sah es mit Spielen in der Zeit aus? „Es gibt überhaupt nur zwei Spiele, an die ich mich erinnere“, sagt Simon. Das erste sei ein Schießspiel gewesen. „Da hat man per Tastatur kleine Klötzchen gesteuert.“ Bei dem anderen Spiel ging es um eine Mondlandung. Das gesamte Spiel bestand nur aus Zahlen: einer für die Treibstoffmenge der Rakete, einer für die Höhe über dem Grund und der dritten für die Stärke des Motors. „Da musste man aufpassen, dass einem nicht der Treibstoff ausgeht oder man die Geschwindigkeit zu hastig verringert, dass man eine Bruchlandung macht“, erinnert sich Simon lachend. „Das war mir nach einer halben Stunde aber auch zu doof.“

Heute hat Simon keinen stationären Computer mehr, sondern ist mit seinem schmalen Laptop unterwegs. „Bis auf zwei, drei Briefe an Behörden im Jahr, geht bei mir alles nur noch per E-Mail“, erzählt er. Seine AUGE-Truppe schwächelt allerdings in letzter Zeit. Es fand länger kein Treffen mehr statt. Die Herrschaften werden älter.

Außerdem: „Seine Probleme und Fragen gibt man heute einfach in die Suchmaschine ein. Da muss keiner mehr auf unser monatliches Treffen warten oder eine Mail schicken.“

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