Gemünden

Corona-Krise in MSP: Wenn Helfen selbstverständlich wird

In der Region formieren sich Gruppen, die Hilfsangebote und Bedarf für Unterstützung koordinieren. Andreas Bachmann hat dafür eine eigene Facebook-Seite angelegt.
Screenshot der Facebook-Seite "Corona-Hilfe Main-Spessart".
Screenshot der Facebook-Seite "Corona-Hilfe Main-Spessart". Foto: Dorothea Fischer

Wenn Politiker restriktive Maßnahmen aussprechen, um die Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern, hat das drastische Auswirkungen auf den Alltag vieler Menschen. Während die einen resignieren und jammern, werden andere aktiv. In der Region formieren sich Gruppen, die Hilfsangebote und Bedarf für Unterstützung koordinieren.

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"Ich habe überlegt, was ich Sinnvolles tun kann – vor allem in Hinblick auf die Ungewissheit dessen, was uns noch bevorsteht", erzählte Andreas Bachmann am Sonntag bei einem Telefonat. Als Vater dreier Kinder, benötigt die engere Familie des Erlenbachers momentan noch keine Hilfe. Man unterstütze sich gegenseitig in der Nachbarschaft.

Aber er sorge sich um seine Eltern, die in der Nähe von Gemünden wohnen und zur Risikogruppe der älteren Menschen gehören. So wird er mit den Enkelkindern in der nächsten Zeit zum Schutz von Oma und Opa auf Besuche verzichten. Ihm wäre es am liebsten, die Eltern würden nicht zum Einkaufen in den Supermarkt fahren.

Gruppe steht jedem offen, der Hilfe braucht oder leisten will

Während der 51-Jährige beschrieb, dass seine Aufträge als selbstständiger Berater immer öfter verschoben werden und man auf Online-Webinare ausweiche, piepste ständig das Handy. Es gingen Nachrichten ein für die Facebook-Seite "Corona-Hilfe Main-Spessart". Bachmann hat sie in der Nacht von Freitag auf Samstag angelegt. "Insbesondere die Älteren brauchen diese Hilfe genau jetzt, wenn es zum Beispiel um Einkäufe oder Botengänge geht", erklärt der Initiator. Die Gruppe steht jedem offen, der Hilfe geben will oder diese benötigt.

Das spricht viele an. Die Mitgliederzahl der Facebook-Gruppe steigt ständig, bis Montagfrüh taten rund 2000 Main-Spessarter ihre Solidarität kund. Sie bieten im gesamten Landkreis, von Arnstein bis nach Frammersbach und vom Sinngrund bis nach Triefenstein, Hilfe an: Besorgungen erledigen, einkaufen, mit dem Hund Gassi gehen oder Fahrdienste. Gewerbetreibende machen auf ihre Lieferdienste für Lebensmittel aufmerksam.

Spontane Unterstützung bei Versorgung der Pferde

Damit es nicht bei leeren Worten bleibt, ist es für die Initiative jetzt wichtig, das Angebot bei Nicht-Facebook-Nutzern bekannt zu machen. Denn viele ältere Menschen sind auf der Plattform nicht registriert. Vermutlich gebe es deshalb derzeit fast ausschließlich Angebote, aber kaum Nachfragen. Eine ältere Nutzerin fragte an, ob sich jemand vorstellen könne, ihre Pferde zu versorgen. Prompt fanden sich zwei Mitglieder der Gruppe als Unterstützer.

Noch sei die Hilfsbedürftigkeit wegen Infektionen mit dem Coronavirus in Main-Spessart nicht gravierend, meinte Bachmann. Viele Menschen würden sich außerdem schwertun, Hilfe anzunehmen. Das passiere erst, wenn es nicht mehr anders gehen würde. Doch man müsse den Menschen zeigen, dass die Helfer gerne unterstützen.

Auch bei Landrat Schiebel angefragt

Neben der Facebook-Gruppe läuft bereits die Abstimmung mit einem Webhosting-Anbieter, ob dieser eine Internetseite kostenlos zur Verfügung stellen würde, auf der Angebot und Nachfrage zusammenkommen. Am Sonntag sprach Bachmann mit Landrat Thomas Schiebel. Der würde das Hilfsprojekt gerne unterstützen, erklärte der Initiator. Doch wie so oft mahlen die Mühlen der Behörden langsam. Hilfe dürfe vom Amt nur vermittelt werden, wenn klar sei, dass die Helfer nicht mit dem Coronavirus infiziert seien, gab Bachmann die Aussage Schiebels wider. Das sei nahezu unmöglich.

Doch die Gruppe lässt sich davon nicht beirren. Viel Mitglieder sind bestens vernetzt, nicht nur bei Facebook, sondern auch mit Entscheidungsträgern, Kommunen und Behörden. Auch gibt es bereits Austausch mit Initiatoren ähnlicher Helferkreise aus benachbarten Regionen wie Aschaffenburg oder Würzburg. Bachmann will anderen Stellen jedoch nicht zuvorkommen. Er wird deshalb in den nächsten Tagen versuchen, mit Bürgermeistern und Hilfsinitiativen wie den Tafeln Kontakt aufzunehmen. Ziel ist es die Hilfsangebote an diejenigen zu vermitteln, die sich vielleicht bald dringend benötigen.

Wer helfen möchte oder Bedarf hat, kann sich auf der Facebook-Seite "Corona-Hilfe Main-Spessart" registrieren. Die aktuelle Liste der Hilfsangebote und -nachfragen kann immer aktuell hier abgerufen werden: http://bit.ly/Hilfeuebersicht-Main-Spessart

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