Steinfeld

Damit die Untertanen nicht auf dumme Gedanken kamen

Welche Vorgaben die Landesherren den Pfarrern und Lehrern machten, erzählt der dritte Teil der Serie über das badische Amt Steinfeld. Sogar die Privatkapellen sollten weg.
Das Bild vom Unterricht in einer Dorfschule um 1850, also rund 40 Jahre nach der hier beschriebenen Zeit, war in einer Sonderausstellung im Schulmuseum in Sendelbach zu sehen. So gut ausgestattet darf man sich die Schulzimmer im Lehrerhaus während der Zeit des badischen Amts freilich nicht vorstellen.
Foto: Schulmuseum

Vor 200 Jahren „brach heller Jubel“ unter den Bewohnern im damaligen Großherzoglich-badischen Amt Steinfeld aus. Der Grund: Dieses Ländchen mit elf Dörfern, 5400 Einwohnern und dem Kloster Mariabuchen wurde 1819 wieder fränkisch und dem Königreich Bayern zugeteilt. Bezirksschulrat Peter Apfelbacher hat über 100 Jahre später über die damalige Zeit geschrieben.

Die badische Regierung war bestrebt, die Ausbreitung der „Ideen der französischen Revolution über Gleichheit und Brüderlichkeit“ zu verhindern und „sich das niedere Volk in respektvoller Entfernung vom Leibe zu halten“. Die (scheinbar) untertänige Gesinnung spiegelt sich im Brief des Steinfelder Lehrers Bernard Seyfried wider, der beim großherzoglich-badischen Kreisdirektorium Wertheim um eine bescheidene Gehaltszulage bittet. Er führt dabei Gründe auf, „die mich zu dieser unterthänigsten Bitte berechtigen und einer höchsten Gnade würdig machen können“. Den Brief schließt er mit der Schlussformel „eines hochlöblichen großherzoglichen Kreisdirektoriums unterthänigster B. Seyfried, Schullehrer in Steinfeld“. Pfarrer Bachmann unterstützte den Lehrer in seinem Gutachten, wohl wissend, dass seine Meinung nicht von Belang ist: „Meine ohnmaßgebliche Meinung wäre daher, dem dermaligen Schullehrer Seyfried eine Zulage von 20 fl … gnädigst zu bewilligen…“. Seyfrieds Antrag wurde abgelehnt.

„Religionsfeindliche Maßnahmen“

Die protestantische Regierung von Baden zielte auch darauf ab, den Einfluss der katholischen Geistlichkeit in den Dörfern einzuschränken. So wurden die Geistlichen „in Predigt, Christenlehre, bei Wallgängen, in der Kontrolle des Kirchenstiftungsvermögens“ beaufsichtigt und kein Geistlicher durfte „ohne Erlaubnis der Regierung ein bischöfliches Ausschreiben verkünden“.

Ab 1809 begann Baden mit der Schließung und dem Abbruch von Privatkapellen. Dies traf zum Beispiel die Ägidi-Kapelle an der Straße Birkenfeld-Karbach. „Weil die badische Regierung auch die uralte Wallfahrtskirche Mariabuchen zu einer Nebenkapelle erklärte, kam über das Kloster eine verhängnisvolle Zeit“. Ein Jahr zuvor hatte die badische Regierung schon verordnet, dass der bisherige Sonntagsgottesdienst, den der Pfarrer von Steinfeld in Mariabuchen zu halten hatte, eingestellt und auf die beiden Filialkirchen Ansbach und Waldzell verlegt wird.

Die Wallfahrtskirche in Mariabuchen. Foto: Brachs Andreas

Bereits 1803 war es dem Kloster untersagt worden, „ohne behördliche Erlaubnis Priester oder Laienbrüder als Mitglieder in die klösterliche Gemeinde aufzunehmen“. So räumte man 1809 die Wallfahrtskirche und „manche Pfarreien waren genötigt, die Wallgänge nach ‚der Buchen‘ einzustellen“.

Dennoch ließ sich der Steinfelder Pfarrer Johann Georg Bauch davon nicht einschüchtern. „Angeblich übertrug in einem Privatübereinkommen (…) Pfarrer Bauch den gesamten ‚Gottesdienst auf der Wallfahrt Mariabuchen‘ erneut an die dortigen Kapuziner und überließ ihnen die dazu notwendigen Geräte und Paramente.“ Heimatforscher Karl-Josef Barthels Kommentar: „Mögen auch die öffentlichen Wallfahrten in dieser glaubensarmen Zeit der Aufklärung unterbunden worden sein, die Anhänglichkeit der Umwohner von Mariabuchen konnte durch die religions-feindlichen Maßnahmen der badischen Regierung gewiss nicht beseitigt werden.“

Mäßige Züchtigung für Schulschwänzer

In einem Edikt von 1803 legte Baden die Organisation der gemeinen Lehranstalten, der Dorfschulen fest. In den „unteren oder Trivialschulen“ sollte der Schüler das lernen, was „für seinen Lebensberuf als Christ und Staatsbürger zu wissen notwendig ist, ohne ihn jedoch zu einer Geistesentwicklung hinaufzuschrauben, wobei seine Berufsarbeit versäumt oder für ihn unschmackhaft würde“. Mit anderen Worten: Damit die Untertanen nicht zu klug werden und auf dumme Gedanken kommen.

Die Schulen sollten das ganze Jahr über und keinesfalls nur im Winter gehalten werden, da „sonst die Kinder immer im Sommer die Hälfte dessen wieder vergessen, was sie den Winter über gelernt haben“. Kinder, die mutwillig die Schule versäumten, wurden „durch mäßige Züchtigung oder bei Schuld der Eltern durch kleine Geldstrafen (…) oder durch vier- bis vierundzwanzigstündige Einsperrung ins Bürgerhäuslein bestraft“.

Daneben gab es die Sonntagsschulen, die man bis zum zwanzigsten Lebensjahr zu besuchen hatte. Hier waren „unter Aufsicht der weltlichen Vorgesetzten und tunlich unter Mitwirkung der Pfarrer Fortübungen in der Religionskenntnis, im Gesang, im Lesen, Schreiben und Rechnen…“ zu pflegen.

Handwerker, Veteranen und verdorbene Studenten als Lehrer

Doch die Schulwirklichkeit sah wohl anders aus, denn die Durchführung dieser Schulordnungen scheiterte laut Apfelbacher „an drei Grundübeln: An einem ungebildeten Lehrerstand, am Mangel an passenden Schulzimmern und Unterrichtsmitteln sowie am Widerstand der bäuerlichen Bevölkerung“. So lag die Arbeit des Lehrers meist „in den Händen angedungener Handwerker, ausgedienter Soldaten und verdorbener Studenten“. Die Schulkinder „saßen eng eingepfercht mit der Familie des Lehrers beisammen in einem finsteren, niedrigen Raum“ und „unbeschreiblich groß war der Mangel an Lehr- und Lernmitteln“.

Steinfeld bekam zwar schon 1600 unter Fürstbischof Julius Echter seine erste Schule, aber wirklich besser wurde die Raumsituation wohl auch erst mit dem Neubau der Schule im Jahr 1830, die heute noch oberhalb der Kirche steht.

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