BÜCHOLD

Damit die fränkische Mundart bewahrt wird

Szene aus dem Film des „Vereins zur Bewahrung des unterfränkischen Dialekts“: Die fränkische Version der Geschichte vom Brandner Kaspar kommt aus Büchold. Wenn der Kischper (links Lothar Kraus) und der Tod (Peter Fuchs in Biker-Montur) Brotzeit machen, dürfen „der Kaas“, der Rotgelegte und der Weiße Presssack nicht fehlen.
Szene aus dem Film des „Vereins zur Bewahrung des unterfränkischen Dialekts“: Die fränkische Version der Geschichte vom Brandner Kaspar kommt aus Büchold. Wenn der Kischper (links Lothar Kraus) und der Tod (Peter Fuchs in Biker-Montur) Brotzeit machen, dürfen „der Kaas“, der Rotgelegte und der Weiße Presssack nicht fehlen. Foto: Benedikt Feser

Ein Verein, wie es in ganz Franken wohl keinen zweiten gibt, hat seinen Ursprung und seinen Sitz in Büchold, einem kleinen Ortsteil der Stadt Arnstein im Landkreis Main-Spessart: Hinter dem etwas sperrigen Namen „Verein zur Bewahrung des unterfränkischen Dialekts“ steht eine Gruppe, die sich mit ganzem Herzen der Sprache der Heimat verschrieben hat.

„Mit Schpeierlingsmoast stirbt sich's leichter“, sagt der alte Kischper listig und luart den Tod verstohlen an, als er ihm unter dem Apfelbaum seine Schnapsflasche anbietet. Natürlich bleibt es nicht beim Speierling, denn der Kischper ist bestens sortiert. Nach dem Motto „Gurgel duck di, jetzt künnt a Wolkenbruch!“, folgen Renglor-Schnaps, Kirsch und natürlich der „Willi“. Am Ende der wohl unvergleichlichen Schnapsprobe hat das listige Bäuerle den Tod komplett abgefüllt und ihm weitere 50 Erdenjahre abgehandelt.

Selbstverständlich kommt jedem diese Szene bekannt vor und tatsächlich haben die Bücholder Dialektfreunde unter der Leitung ihres Vorsitzenden Benedikt Feser die altbekannte bayerische Schnurre kurzweg als „Brandners Kischper und das ewige Leben“ ins Unterfränkische versetzt. Dabei ist der selbstgedrehte, aber professionell ausgeführte Film mit den Bücholdern Peter Fuchs als Tod und Lothar Kraus als Kischper keine einfache Adaption, sondern ein eigenes Werk, das vom Dialekt und auch von den köstlichen Ideen her in die fränkische Heimat und durchaus auch in die heutige Zeit eingebettet ist.

Der „Brandners Kischper“ ist zwar die wahrscheinlich bekannteste Kreation, aber eben nur eine der vielen, mit denen der Verein sein Credo des Bewahrens und Weitergebens der unterfränkischen Sprache und Lebensart in die Tat umsetzt. Da ist zum Beispiel noch die „Unterfränkische Wortschatzkiste“, die moderne Museumstechnik nutzt und so den unterfränkischen Dialekt – oder wie im ersten Versuch den Einfluss der jiddischen Ausdrücke – hörbar macht. Beim letzten „Tag der Franken“ fand dieses Projekt großes Lob, auch von renommierten Sprachwissenschaftlern.

Benedikt Feser und seinen Dialektfreunden gelingt es hervorragend, die heimische Mundart ernst zu nehmen und doch auch Spaß dabei zu haben. Neben der Freude an pfiffigen Reimen und Schnurren wollen sie bewusst die sprachlichen und kulturellen Hintergründe herausarbeiten. Aber da ist auch der Wandel, denn mittlerweile sprechen junge Menschen auch auf dem Dorf kaum noch die alte Sprache.

Deshalb trägt man den Dialekt an die Menschen heran: Es gibt Kooperationen und Aktionen mit Schulen, wie der Mittelschule im benachbarten Arnstein, eigene Angebote bei den jährlichen Ferienprogrammen der Stadt.

Das jüngste Projekt ist eine Sammlung von Filmdokumentationen „Wenn die Alten erzählen“. In zahlreichen Video-Sequenzen wurden betagte Menschen befragt und so deren Lebensabschnitte gleich den Jahreszeiten nachgezeichnet. Aus diesen spannenden, vielschichtigen Lebenswegen und Schicksalen ist eine komplette Filmserie entstanden.

Doch der Verein hat weitergehende Ziele. In den gerade mal drei Jahren seines Bestehens haben sich so viel Material, so viele Ideen und vor allem so viel Potenzial angesammelt, dass sich die Frage stellt: Wohin damit – wie und wo soll das alles aufbewahrt und nutzbar gemacht werden? Hier hat der Vorsitzende Feser eine ganz eigene Vision: Das „Haus des Fränkischen Dialekts“ in Büchold. In dem leer stehenden alten ehemaligen Gasthaus „Schwarzer Adler“ mit Grundmauern aus dem Jahr 1495 sieht er das ideale Gebäude, um die sprachlichen Schätze rund um die unterfränkische Mundart multimedial aufzuarbeiten und sie in informativer und unterhaltender Weise zu präsentieren.

„Gurgel duck di, jetzt künnt a Wolkenbruch!“
Zitat aus dem Film „Brandners Kischper“

Er denkt dabei an Sprachbeispiele an Audiostationen, interaktive Kommunikation am Touchscreen oder Filmvorführungen. Für Dialektfreunde, Lehrer, Schüler oder auch interessierte Besuchergruppen könnte das Haus zum Zentrum der in Unterfranken gesprochenen Dialekte werden. Bis dahin ist allerdings noch ein gutes Stück Weg.

Feser und sein Verein müssen noch einiges an Überzeugungsarbeit leisten, um die notwendigen Mittel aufzubringen. Er ist sich aber sicher, dass es gelingen kann, aus Büchold, dem geografischen Mittelpunkt Unterfrankens, auch das Zentrum der unterfränkischen Mundart zu machen. Ein Vorhaben mit besonderem Reiz und vor allem eines, das wohl seinesgleichen nicht finden wird.

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