MARKTHEIDENFELD

Das „Ascheberscherische“ zelebriert

Nach zehn Jahren auf die Bühne zurückgekehrt: Im Marktheidenfelder Theater „Fasskeller“ stellte der Kabarettist Klaus Staab sein wortgewandtes Programm „Ohne Worte“ vor.
Nach zehn Jahren auf die Bühne zurückgekehrt: Im Marktheidenfelder Theater „Fasskeller“ stellte der Kabarettist Klaus Staab sein wortgewandtes Programm „Ohne Worte“ vor. Foto: Martin Harth

Nach zehn Jahren steht er wieder auf der Bühne, der Kabarettist Klaus Staab. Natürlich ist er ein wenig älter geworden und rundlicher. Aber sein Stil ist eigentlich derselbe geblieben.

Er steht klassisch ganz in Schwarz auf der Bühne und zelebriert das „Ascheberscherische“, denn er lebt nach wie vor nahe Aschaffenburg auf dem Land. Klassisch ist auch sein Programm. Auf jede flott vorgetragene Sprechnummer folgt ein Song, der das Thema vertieft und weitertreibt. So funktionierte Kabarett einst schon bei der „Lach- und Schießgesellschaft“ oder den „Stachelschweinen“.

Staab ist nicht angekränkelt von der Grinse- und Action-Comedy unserer Tage. Vielmehr zeichnen ihn feine Beobachtungsgabe, sorgsame Analyse und die Fähigkeit zur sprachlichen Zuspitzung aus. Das machte den Montagabend vor rund 60 Zuhörern im damit schon ausverkauften Theater „Fasskeller“ unter dem Hotel „Anker“ in der Marktheidenfelder Obertorstraße so angenehm. Und dies galt selbst dann, wenn man gelegentlich geneigt sei könnte, ein wenig nach einem roten Faden im Programm zu suchen.

Opa ist der Kabarettist geworden, aber keineswegs altersmilde, auch wenn er vielleicht etwas weniger poltert als früher. Gerade in den Songs, die er am E-Piano begleitete, kann der Ton auch einmal etwas poetischer ausfallen. Es geht Staab spürbar nicht um krachende Schenkelklopfer, sondern er will auf humorvolle Weise nachdenklich machen.

Sicht des kleinen Mannes

Ganz klassisch sind indes auch seine Inhalte, denn er nimmt kompromisslos die Perspektive des kleinen Mannes im Alltag und der Welt der Politik ein. Allerdings heroisiert er diesen keineswegs, sondern packt ihn bisweilen kritisch bei „seinen Hörnern“ und entschlüsselt immer wiederkehrende Floskeln wie „Man kann ja eh nix dagegen machen!“.

Staab startet mit dem Zeitungsleser, der seine Morgenlektüre am liebsten hinten beginnt, weil er von dem vorne ohnehin schon die Schnauze voll habe. Pressefreiheit bedeute, dass eben nix in der Zeitung drin stehe. Staab liebt wiederkehrende Elemente, so eine Märchenstunde mit surrealistischen Parabeln oder den jugendlichen Cocktail-Mixer mit Basecap, der einem die Hoffnung auf die kommende Generation schon ein wenig vermiesen kann.

Dann geht der Aschaffenburger mit den Erbsenzählern und Zuständigkeitsfanatikern der öffentlichen Verwaltungen hart ins Gericht und erzählt vom „Darlehenskassenkurt“ bei dem das Geld auf dem Land früher immer ein wenig auch nach Futtermitteln roch und nicht so erbärmlich stank, wie zwischen den Frankfurter Banktürmen heute. „Zehn kleine Investmentbanker“ sehen am Ende eines Songs ein, dass das letzte Hemd keine Taschen habe, was dem Limburger Bischof irgendwie trotzdem ziemlich egal gewesen sein müsse.

Vertraut wortspielerisch und wortgewaltig führte Staab sein Programm nach der Pause fort. „Ich will, ich kann, ich werde“ sei die gültige Ego-Marktstrategie für erfolgsverwöhnte Menschen, die selbst in Altenheimen Brutkästen verkauften.

Aschaffenburger Bäckerhände

Lokalkolorit boten Geschichten wie die von den unterschiedlich großen Aschaffenburger Bäckerhänden bei gleichen Brötchenpreisen. Klaus Staab verschont aber auch das linke Spektrum nicht von Kritik, wenn er den emanzipatorischen Fortschritt für Kleinstkinder in Krippenkrippen anzweifelt. Dann schlägt der Kabarettist wieder gewohnt auf Geiz und Gier, auf Korruption und Vetternwirtschaft ein. Was wäre für den Klimaschutz doch gewonnen, wenn man mit krimineller Energie auch heizen könnte, fragte er sich schelmisch.

Weitere Artikel

Schlagworte

  • Kabarettistinnen und Kabarettisten
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!