Triefenstein

Das Portrait: Christoph Müller will ins Triefensteiner Rathaus

Der SPDler hofft, nach 24 Jahren CSU wieder Farbe auf den Triefensteiner Bürgermeistersessel zu bringen. Doch was sind seine Ziele und wie will er sie erreichen?
Im Vorfeld der Bürgermeisterwahl in Triefenstein erklärt Kandidat Christoph Müller, welche Ziele er erreichen will. Foto: Nicolas Bettinger

Christoph Müller war noch im Kindergarten, als ein Triefensteiner Bürgermeister zum letzten Mal nicht aus der CSU stammte. Damals war er vier, in den nur 24 Jahren seither hat sich viel in Müllers Leben getan: Ausbildung zum Elektroniker für Betriebstechnik bei HeidelbergCement, Jugendarbeitnehmer-Vertreter, Gewerkschaftsmitglied, eigenes Haus in Rettersheim, Betriebsrat und nur zwei Jahre nach Beitritt Ortsvorsitzender der SPD. Während er sich weiterentwickelt hat, sei in der Marktgemeinde vieles nur aufgeschoben worden, sagt er. Der logische Schritt für ihn ist deshalb, als Bürgermeister für Triefenstein zu kandidieren.

An einem kalten Januartag wartet Müller an der Ulrich-Herold-Straße. Die Redaktion hat jeden der vier Bürgermeisterkandidaten auf eine Tour durch Triefenstein eingeladen. Die Stopps durfte jeder der vier selbst auswählen. Die Idee dahinter: Die Kandidaten sollten Brennpunkte klar benennen, Lösungen aufzeigen und sich voneinander abheben. Dass Müller die Ulrich-Herold-Straße als Startpunkt gewählt hat, ist also kein Zufall. Für ihn ist der schlechte Zustand und das mehrmalige Verschieben des Ausbaus der Straße ein Symbol für "den Stillstand in der Marktgemeinde, der entsteht, wenn man über Jahrzehnte Investitionen vermeidet."

Müller: "Wir müssen genau wissen, was auf uns zu kommt"

Müller scherzt. Allein bei den Straßen gebe es so viel zu tun, dass er nach sechs Jahren wiedergewählt werden müsse. Seine Lösung dafür: vorausschauende Planung und Prioritäten setzen. "Jeder Triefensteiner muss genau wissen, was wann auf uns zukommt und was wir machen und was nicht", sagt der 28-Jährige. Dieses Prinzip ließe sich auf viele der jüngsten Aufreger in Triefenstein übertragen. Das Rückhaltebecken in Lengfurt hätte vor 25 Jahren sicher nicht so viel gekostet. Auch auf die Umlage der Kosten für die Sanierung der Kläranlage hätte man es gar nicht erst ankommen lassen dürfen, sagt Müller. "Das kam doch mit Ansage. Die Anlage hatte über 15 Jahre lang ein Defizit von Hunderttausenden Euro."

Trotz der Probleme, Triefenstein habe viele schöne Seiten: die Ruhe – die Autobahn mal ausgenommen –, die perfekte Lage, das Kloster, die Wanderwege, der Biergarten und die Alte Schule in Lengfurt, zu der es jetzt mit dem Auto geht. Als Song für den Weg dorthin hat sich Müller "Pokerface" von Lady Gaga gewünscht. Die Alte Schule hat eine große Bedeutung für ihn, gleich in mehrfacher Hinsicht. Die SPD ist in dem Gebäude, die Galerie Nußbächer, die AWO, der Jugendtreff und die Liedertafel. "Durch das Chorsingen komme ich mal auf andere Gedanken, es entspannt", sagt Müller und lacht. "Und wenn ich mal schief singen sollte, dann hört man das nicht sofort."

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Wie Christoph Müller Triefenstein führen will

Die Alte Schule sei jedoch auch ein Beispiel, wie man Themen anders nach außen kommunizieren sollte, sagt Christoph Müller. Vergangenes Jahr wurde verkündet, dass das Gebäude verkauft werden soll, "aber ohne die Nutzer zeitnah zu informieren", so Müller. Letztendlich sei der Verkauf daran gescheitert, dass es keine Alternativräume- und Wohnungen gab. Damit so etwas mit ihm als Bürgermeister nicht passiere, würde er das schon frühzeitig über alle möglichen Kanäle transparent kommunizieren. Man müsse den Triefensteinern erklären, warum man etwas mache und was es allen nütze.

Das gelte auch innerhalb des Gemeinderates. "Durch meinen Job habe ich Erfahrung damit, in Gremien zu arbeiten. Ich weiß wie man führt und ein Machtwort spricht", sagt Müller. Zwischen den Fraktionen und den Ortsteilen müsse ein Geben und Nehmen herrschen, nicht nur eins von beiden. "Gönnt der eine Ortsteil dem anderen etwas nicht, schadet das allen."

"Gönnt der eine Ortsteil dem anderen etwas nicht, schadet das allen."
Christoph Müller, Bürgermeisterkandidat in Triefenstein

Eine Idee, was man aus der Alten Schule machen könnte, hat Müller auch schon. Er unterstützt die Idee der Kreis-SPD einer landkreiseigenen Wohnbaugesellschaft. Dafür würde sich das Gebäude doch anbieten, "aber nur sobald wir für Herrn Nußbächer adäquaten Ersatz gefunden haben."

In diese Richtung soll sich Triefenstein entwickeln

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Von der Alten Schule geht es weiter an den Rand von Rettersheim. Es ist die letzte Station des Tages. Der Blick könnte idyllischer nicht sein, wäre da nicht die Lärmschutzwand der Autobahn. Sie sei gar nicht so hässlich, sagt Müller, aber es würden noch immer Elemente fehlen. "Wenn der Wind ungünstig steht, dann hat man hier oder im Waldbad den Eindruck, man wäre direkt neben der Autobahn." Als Bürgermeister wolle er prüfen, ob die Schallschutzgrenze eingehalten werde.

Und nach der Tour mit den einzelnen Stationen: Was ist Müllers Vision für Triefenstein? "Ich will eine Kommune, die keine Angst haben muss, dass sie, wenn mal was kaputt geht, gleich zahlungsunfähig ist. Dann können wir Größeres bewältigen." Damit meint er den Erhalt des Waldbades oder den Ausbau des Bürgerbusses. Dass ältere Menschen nach Homburg zum Arzt, aber nicht mehr zurück kommen, soll Vergangenheit werden. Die Kinder könnten aus den vier Ortsteilen ins Waldbad fahren. Das würde mehr Leben ins Waldbad bringen, berufstätige Eltern entlasten und die Ortsteile verbinden. "In Zeiten der Krise werde immer gern am Sozialen gespart", sagt Müller. "Uns als Kommune muss es das aber wert sein."

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