Fellen

Das gab's noch nie: Gemeinderat Fellen brach die Vergabe mehrerer Aufträge ab

Bürgermeisterin Zita Baur inmitten ihres neuen Gemeinderates. Von links: Bernhard Fischer, Detlef Weis, Thiemo Müller, Andreas Pfeifroth, Christoph Jänsch, Christoph Althaus, Stefan Müller, Armin Pfeifroth
Bürgermeisterin Zita Baur inmitten ihres neuen Gemeinderates 2014. Von links: Bernhard Fischer, Detlef Weis, Thiemo Müller, Andreas Pfeifroth, Christoph Jänsch, Christoph Althaus, Stefan Müller, Armin Pfeifroth Foto: Roland Bauernschubert

Das ist Fellens Bürgermeisterin Zita Baur in elf Jahren ihrer Amtsdauer noch nicht passiert: Vehement monierten Mitglieder des Gemeinderates fehlende Informationen zu einem Thema. Im Mittelpunkt der Sitzung standen insgesamt fünf Auftragsvergaben für ausgeschriebene Leistungen zur Außenrenovierung des alten Schulhauses.

Mit Hilfe eines Förderprogramms zur Stärkung des ländlichen Raumes möchte die Gemeinde ihr kulturhistorisches und das Ortsbild prägende alte Schulhaus einer notwendigen Außensanierung unterziehen. Das Architektenbüro Spahn aus Rieneck hatte die erforderlichen Untersuchungen und Vorplanungen vorgenommen, um die Förderung zu starten.

Inzwischen lag de Gemeinde der Förderbescheid mit einem gedeckelten Betrag über 271 000 Euro vor. In der Sitzung hatte Architekt Winfried Spahn einen Vertrag vorgelegt, der an die Honorarordnung für Architekten angelehnt ist. Das Pauschalhonorar beträgt 26 000 Euro, was Baukosten von 277 000 Euro entspricht. Einstimmig stimmte das Gremium dem Vertrag zu.

Fehlende Informationen

Als Baur anschließend zur Vergabe der fünf Gewerke aufrief, meldete sich Stefan Müller zu Wort. Er monierte fehlende Informationen zur Baumaßnahme und speziell über die einzelnen, geplanten Maßnahmen seitens der Bürgermeisterin und des Architekten: "Wenn ich für 277 000 Euro die Hand heben soll, muss ich einfach mehr wissen".

Müller weiter: "Wenn wir über ein Pflasterfeld entscheiden sollen, werden uns mehrere Varianten zur Entscheidung vorgelegt. Bei der Schulsanierung hingegen kennen wir weder Ziegelart noch Farbe und noch haben wir Fensterprofile gesehen. Wir wissen nichts über die Haustür oder die Malerarbeiten. Für diese Summe ist die Vorgehensweise echt krass."

Baur versuchte mit Rechtfertigungen und Begründungen die Vorwürfe zu entspannen, was ihr jedoch nicht überzeugend gelang. So sei unter anderem Kreisheimatpfleger Bruno Schneider wegen des historischen Charakters des Gebäudes in die Entscheidungen eingebunden gewesen, erklärte Baur. Während die Bürgermeisterin und einige Ratskollegen eine Vertagung der Entscheidungen vorschlugen, sprach sich Thiemo Müller für einen Beschluss aus.

Auftragsvergabe abgebrochen

Er wollte sich auf die fachliche Entscheidung des Architekten verlassen: "Was wissen wir als Gemeinderäte, dass dieses oder jenes Ziegelfabrikat besser für die Dacheindeckung geeignet ist oder welche Dachrinne, ob Kupfer oder Zink, zur Historie des Hauses besser passt." Baur ließ abstimmen, worauf das Gremium für einen Entscheid stimmte (5:3).

Baur rief anschließend zur Vergabe der Arbeiten für Zimmerer, Dachdecker und Spengler auf, die bei der Submission aus vier eingegangenen Angeboten im Preisspiegel gelistet waren. Sie konnte noch die wirtschaftlichste Offerte bekannt geben, als aus dem Gremium weitere Fragen gestellt und Erklärungen eingefordert worden.

Sichtlich genervt zog die Bürgermeisterin nun die Reißleine und ließ über den Abbruch der Leistungsvergaben abstimmen: Mit 5:3 Stimmen folgte das Gremium nun ihrem Vorschlag. Einsichtig bilanzierte sie: "Das nehme ich auf meine Kappe." Nun trifft sich der Gemeinderat am Dienstag, 17. März, erneut für die finalen Vergabe-Entscheidungen.

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