Mühlbach

Den Fledermäusen auf der Spur

Alljährlich wird das Winterquartier auf der Karlsburg kontrolliert. Dabei kommt es auf ein geübtes Auge und die richtige Taktik an.
Matthias Hammer sucht im Keller der Karlsburg nach Fledermäusen, die in Fugen zwischen den Steinen versteckt sind.
Matthias Hammer sucht im Keller der Karlsburg nach Fledermäusen, die in Fugen zwischen den Steinen versteckt sind. Foto: Simon Hörnig

In einer Mauerritze über dem Fensterausgang des hinteren Palas-Gewölbes haben sie sich eingenistet: zwei ausgewachsene Mopsfledermäuse. Verhältnismäßig nahe sitzen sie beieinander, denn in der Winterruhe sind Fledermäuse Einzelgänger, weiß der Fledermausexperte und Leiter der Koordinationsstelle für Fledermausschutz in Nordbayern, Matthias Hammer: "Je mehr Fledermäuse aufeinanderhängen, desto eher stören sie sich im Schlaf." Zusammen mit seiner Arbeitskollegin Claudia Beyer von der Höheren Naturschutzbehörde an der Regierung von Unterfranken muss er kurzfristig selbst als Störenfried auftreten bei der alljährlichen Kontrolle der Mühlbacher Winterquartiere.

Claudia Beyer (Regierung von Unterfranken, Sachgebiet Naturschutz) und Matthias Hammer (Leiter der Koordinationsstelle für den Fledermausschutz in Nordbayern).
Claudia Beyer (Regierung von Unterfranken, Sachgebiet Naturschutz) und Matthias Hammer (Leiter der Koordinationsstelle für den Fledermausschutz in Nordbayern). Foto: Simon Hörnig

Hammer kommentiert zu der Kontrollaktion: "Das macht den Fledermäusen natürlich etwas aus. Das ist, wie wenn bei uns jemand ins Schlafzimmer leuchtet." Aber da spiele auch Erfahrung eine Rolle. "Wenn man schon mehrere Fledermäuse im Winterschlaf gesehen hat, dann geht der Lichtkegel schnell über das Tier hinweg und der Kopf weiß, was er sieht."

Routiniertes Vorgehen

Ausgestattet mit Taschenlampen, Klemmbrett und jahrelanger Übung inspizieren die beiden Artenschützer systematisch jede noch so kleine Öffnung. Das eingespielte Team geht dabei gleichzeitig rücksichtsvoll und so präzise vor, dass die zwei 100 beziehungsweise 120 Quadratmeter großen Keller der Burgruine in nicht einmal einer Stunde von vorn bis hinten begutachtet sind. Sieben Fledertiere beherbergen die beiden Tonnengewölbe diesmal. "Das sind aber nur die, die sich sehen lassen", erklärt Hammer. Dass tatsächlich noch mehr da sein dürften, leuchtet ein, denn die sechs Mopsfledermäuse und die eine Zwergfledermaus offenbaren sich nur dem geübten Auge.

Mopsfledermäuse im Winterquartier (Bayerischer Wald).
Mopsfledermäuse im Winterquartier (Bayerischer Wald). Foto: Dietmar Nill

Erstere sind es, die die Winterquartiere auf der Karlsburg aufgrund ihrer Seltenheit in den Fokus der europäischen Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH) gerückt haben, die nun besonderen Schutz garantiert. Dass heute fast ausschließlich diese Art gefunden wurde, wundert den Experten: "Wir haben die Erfahrung gemacht, dass man mehr Mopsfledermäuse findet, wenn man strengen Frost hat." Erwartete Überwinterungsgäste wie das Große Mausohr und das Braune Langohr, die auf spezielle Winterquartiere angewiesen sind, suchten die beiden diesmal vergebens.

Milde Winter

Grund zur Beunruhigung sei dies aufgrund der milden Temperaturen jedoch nicht, so Hammer: "Wir bemühen uns jetzt nicht zu sagen: Das ist ein gutes oder schlechtes Ergebnis, sondern das ist das Ergebnis." Als Erfolg könne man verbuchen, dass noch nie zuvor im hinteren der beiden Keller vier Mopsfledermäuse gefunden wurden. Warum er mit der Kontrolle nicht auf kälteres Wetter wartet, erklärt der Biologe damit, dass dies in vielen Wintern dazu führen würde, dass man überhaupt nicht mehr kontrollieren könnte, da das kalte Wetter gar nicht mehr komme.

Bei der Überprüfung der gut 1000 weiteren Winterquartiere in Bayern ist der Koordinationsstellenleiter auf die Unterstützung ehrenamtlicher Helfer angewiesen und zeigt sich über deren Engagement hoch erfreut: "Das läuft von alleine." Lediglich im Landkreis Miltenberg würde man sich über mehr Freiwillige freuen, ergänzt Beyer. Vielleicht finden sich ja welche. Denn das Thema scheint die Menschen zu berühren, was auch die Zaungäste deutlich machten, die die Experten interessiert bei der Arbeit beobachteten.

Bestand der Fledermäuse
Bestand der Fledermäuse Foto: Konrad Jarysto

Weitere Artikel

Schlagworte

  • Mühlbach
  • Simon Hörnig
  • Fledermäuse
  • Regierung von Unterfranken
  • Überwachung und Kontrolle
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!