Lohr

Den malerischen Charakter erhalten

Es geht eng zu bei den Bauarbeiten in der schmalen Muschelgasse. Kanal und Wasser werden dort neu verlegt. Foto: Heinz Scheid

Eigentlich sollen in der Lohrer Muschelgasse nur neue Kanäle und Wasserleitungen verlegt werden. Doch im Einsatz sind auch Archäologen und Kampfmittelräumer.

Schauplatz ist das Fischerviertel in der Lohrer Altstadt. Für die neuen Kanalrohre wird rund 1,80 Meter tief gegraben und damit weit in die Lohrer Geschichte hinein. Im Boden könnten aber nicht nur historisch interessante, sondern auch explosive Relikte der Vergangenheit auftauchen. Dabei geht es um Munition aus Kampfhandlungen am Ende des Zweiten Weltkriegs in Lohr.

Anlieger fürs alte Pflaster

Unterdessen sorgen sich Anlieger um das alte Pflaster, das sie gerne behalten wollen. Als die Mitarbeiter der Baufirma am Montagfrüh eintrafen, fanden sie diesen Schriftzug am Fischerbrunnen: »Des Pflaster is so schö' un alt, des wölle mir behalt«.

Diese Sorge ist aber unbegründet, denn auf der Muschelgasse und dem einbezogenen Stück der Steinmühlgasse sollen die alten Pflastersteine wieder eingebaut werden. Sie wurden zu diesem Zweck von der Baufirma zwischengelagert.

Neues Pflaster für Fischergasse

Anders sieht es bei der benachbarten Fischergasse aus, die nächstes Jahr saniert werden soll. Dort wird ein neues Pflaster kommen, das aber noch ausgewählt werden muss. Grundlage für die Entscheidungsfindung sollen Belagsmuster sein.

Die Enge in der schmalen Muschelgasse lässt keine großen Baugeräte und Fahrzeuge zu. Die Arbeiter können sich nur vorantasten, zumal statische Probleme der historischen Häuser berücksichtigt werden müssen. Viele haben keinen Keller und keine Fundamente, es ist also auf die Standfestigkeit der Gebäude zu achten, wenn der Bagger tiefer gräbt. Wie es aussieht, müssen etliche Gebäude unterfangen werden, um sie zu sichern. »Das ist ziemlich aufwendig und erfordert viel Handarbeit«, sagt Stadtwerkeleiter Otto Mergler im Gespräch mit unserem Medienhaus. Man werde bei den Bauarbeiten nur abschnittsweise vorankommen.

Kampfmitteldienst passt auf

Während die Baggerschaufel am Montagmorgen vorsichtig bei einem Anwesen an der Steinmühlgasse ansetzt, steht ein Mitarbeiter vom Kampfmittelräumdienst dabei und passt auf. Anlass für diese Vorsichtsmaßnahme sind die Kämpfe bei der Einnahme der Stadt durch US-Truppen in den ersten Apriltagen 1945.

Es kam zu Häuser- und Straßenkämpfen, als US-Panzer vom Oberen Tor her in die Stadt eindrangen und auf Widerstand deutscher Truppen trafen. Die schwersten Kämpfe gab es entlang der Hauptstraße, aber betroffen von Zerstörungen war auch der Bereich Brückenstraße/Fischergasse. Womöglich liegt in dem Stadtviertel noch Munition aus dem Zweiten Weltkrieg im Boden.

Historische Scherben

Noch ältere Zeugnisse der Vergangenheit haben die Archäo-logen im Blick. Das Büro Heyse dokumentiert Funde und Befunde in der Muschelgasse. Zu erwarten sind Scherben und andere Kleinteile, die Rückschlüsse auf das einstige Leben im Lohrer Fischerviertel ermöglichen. Damit wird eine Auflage des Denkmalschutzes erfüllt.

Wenn alle Leitungen erneuert sind, wird der alte Pflasterbelag wieder eingebaut. »Der malerische Charakter der Muschelgasse bleibt bestehen«, sagt Mergler.

Das alte Pflaster im Fischerviertel behalten: Schriftzug an der Baustelle. Foto: Heinz Scheid
Graben in der Lohrer Stadtgeschichte: Auch die Archäologen sind bei den Arbeiten ?in der Muschelgasse im Einsatz. Foto: Heinz Scheid

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