Thüngen

Denkmalschutz: Mobilfunkmast in Thüngen wieder abgebaut

Gründe des Denkmalschutzes sprachen gegen den Standort in der Nähe mehrere Schlösser. Hat der Altort eine Chance auf gut funktionierenden Mobilfunk?
Auf dem gelben Mehrfamilienhaus rechts in der Hauptstraße 10 in Thüngen befand sich der Mobilfunkmast der Deutschen Telekom. Er wurde wegen der Nähe zum Burgsinner Schloss (links) und zur großen Schlossanlage wieder abgebaut. Foto: Wolfgang Heß

Wenn der Thüngener Bürgermeister Lorenz Strifsky im Rathaus am Planplatz mit seinem Handy telefonieren will, ist die Verbindung dürftig bis unmöglich. "Der Altort von Thüngen ist unterversorgt", klagt er. Dabei hatte es vor zwei Jahren einmal eine Phase mit gutem Empfang gegeben. Die Deutsche Funkturm GmbH, eine Tochtergesellschaft der Deutschen Telekom AG, hatte einen neuen Sendemast auf dem Anwesen Hauptstraße 10 errichtet. Doch schon nach zwei Wochen wurde er wieder stillgelegt.

Jetzt im Juli wurde er ganz abgebaut. Aus Gründen des Denkmalschutzes musste der Mast entfernt werden. Er stand auf dem Gebäude der ehemaligen Bäckerei Moser - zwischen dem sogenannten Burgsinner Schloss mit den "Schloss-Stuben", dem großen Schlosskomplex mit dem Burgschloss, Spitalschloss und dem Alten Stock sowie dem Stiftshaus in der Burgstraße. 

Mehrere Standorte abgeklopft

Bürgermeister Lorenz Strifsky und sein Stellvertreter Wolfgang Heß, die den Standort für den Mast befürworteten, schätzen die Chancen auf eine baldige Verbesserung des Mobilfunkempfangs eher schlecht ein. Es seien schon etliche Standorte abgeklopft worden. "Mit Schmitter kam keine Einigung zustande, auch auf dem ehemaligen Bahnhof und der Domänenverwaltung hat sich nichts ergeben, und der Hochbehälter wurde von der Funkturm abgelehnt", sagen sie. Je weiter entfernt, desto stärker müsse übrigens das Funksignal sein.

Heß spricht davon, die Deutsche Telekom AG sei wegen des Rückbaus "verschnupft". Der Bau des Masts war mit einigem Aufwand verbunden. So seien beispielsweise die Getreidesilos auf dem Dach der früheren Bäckerei ausgebaut worden, um die Antenne aufzustellen. Der Pressesprecher der Deutschen Funkturm sagt, zu den entstandenen Kosten äußere sich die Gesellschaft prinzipiell nicht. Es sei aber naheliegend, dass dort eher investiert werde, wo die Sachlage klar und unumstritten ist.  

"Routinemäßige Kontrolle"

Die Untere Denkmalschutzbehörde im Landratsamt hatte Mitte September 2018 den Abbau angeordnet, offenbar weil er das Erscheinungsbild von Denkmälern maßgeblich beeinträchtigte. Bisher gab es keinen vergleichbaren Fall im Landkreis. Die Denkmalschutzbehörde sei aufgrund einer routinemäßigen Baukontrolle aktiv geworden, heißt es aus dem Landratsamt auf Nachfrage. Der Mast sei nun innerhalb der gesetzten Frist abgebaut worden.

War nicht vorauszusehen, dass es zu einem Konflikt mit den umliegenden Gebäuden kommen könnte? Der Pressesprecher der Deutschen Funkturm GmbH, einer Tochtergesellschaft der Deutschen Telekom AG, schildert die einstige Standortsuche so: "Wenn wir einen neuen Mobilfunkstandort suchen, gehen wir im ersten Schritt stets auf die Kommune zu. So sind wir auch 2017 in Thüngen verfahren. In Einvernehmen mit dem ersten und zweiten Bürgermeister sowie der Verwaltungsgemeinschaft Zellingen haben wir den Standort in der Hauptstraße 10 ausgewählt."

Verkleidung wurde abgelehnt

Und weiter: "In der Standortüberprüfung wurde uns zurückgemeldet, dass der Aufbau des geplanten Mobilfunkstandorts nicht denkmalschutzrelevant sei. Auf dieser Basis haben wir keinen Kontakt zur unteren Denkmalschutzbehörde aufgenommen, sondern wie vorab abgestimmt Anfang September 2017 mit der Umsetzung begonnen."

Auf dem mit dem roten Stern gekennzeichneten Gebäude gegenüber vom Burgsinner Schloss stand der Mobilfunkmast. Im Vordergrund die große Schlossanlage. Foto: Wolfgang Heß

In den folgenden Monaten habe die Deutsche Funkturm im regen Austausch mit der Unteren Denkmalschutzbehörde unter anderem angeboten, den Mobilfunkstandort durch eine Verkleidung an das Erscheinungsbild der umliegenden Gebäude anzupassen. Der Pressesprecher: "Unser Vorschlag wurde jedoch nicht angenommen."

Kurioser Irrläufer

Unter zehn Metern Höhe muss ein solcher Mast nicht genehmigt werden. Es genügt eine Anzeige als Information über die geplante Aufstellung. In dem Zusammenhang kam es zu einem kuriosen Irrtum, der allerdings unwesentlich für die Entscheidung der Denkmalschutzbehörde ist. Die Funkturm GmbH hatte die Information am 2. August ans Umweltamt der Stadt Würzburg geschickt. Von dort ging das Schreiben ans Landratsamt Würzburg, weiter ans Landratsamt Main-Spessart, dann an die Verwaltungsgemeinschaft Zellingen und dann an die Gemeinde Thüngen. Heß: "Ich habe zuerst den Mast gesehen und auf Nachfrage am 7. September das Schreiben bekommen ." 

In der Bürgerversammlung Anfang Dezember 2017 hatte Georg von Wedemeyer bereits berichtet, dass sich die Untere Denkmalschutzbehörde gegen den Mast ausspricht. Laut Protokoll aus der Versammlung votierte auch die Mehrheit der versammelten Bürger gegen den Standort des Masts auf dem Anwesen Hauptstraße 10. 

Die Thüngener Schlösser
Unter den Thüngener Schlossgebäuden ist das mit der frühesten Erwähnung der "Alte Stock", der schon 997 in einer Urkunde genannt wurde. Das "Burgschloss" wurde nach dem Bauernkrieg ab 1579 wieder aufgebaut. Das "Spitalschloss" wurde von 1561 bis 1564 errichtet. ist im neugotischen Stil mit Türmen und Zinnen erbaut. Baubeginn des weiter westlich in der Hauptstraße gelegenen "Burgsinner Schlosses" war 1524. Quelle: Homepage von Thüngen 

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