Lohr

Der Bayerstürmer: Warum Lohr einzigartig ist

Wer wüsste das nicht: Tausende von Orten suchen Alleinstellungsmerkmale. Es sieht so aus, als hätte Lohr eines. Ungewollt.
Der Bayerstürmer (Logo) Foto: Zeichnung Achim Greser

Langsam wird es unheimlich. Augsburg hat eine, Bremen, Erfurt, Frankfurt, München, Mainz und Wien. Ampeln wahlweise mit Kasperl, Stadtmusikanten, Wandersmann, schwul-lesbischen Pärchen, Elvis Presley und Mainzelmännchen. Jetzt kommt sogar die Otto-Ampel in Emden, der Heimatstadt des Ostfriesen. Es sieht ganz so aus, als stünde Lohr bald ganz allein da als Stadt, der eine Schneewittchen-Ampel trotz intensiven Begehrens verwehrt wird.

In Emden genehmigt: Die Otto-Ampel. Otto Waalkes.  Foto: Foto:  dpa

"Lohr - einzige Stadt Deutschlands, der eine Motto-Ampel versagt bleibt ..." Das wär doch mal ein Alleinstellungsmerkmal, das sich fürs städtische Marketing förmlich aufdrängt. Stimmt halt nicht ganz. Penzberg scheiterte mit einer Bergmann-Ampel und auch der Sams als Ampelmännchen blieb in Bamberg außen vor.  

Dabei wär's doch so einfach, mit den großen Städten gleichzuziehen: Unterfrankens Regierung müsste nur auf Volkes Stimme hören. Der Chor der Lohrer ist nämlich ziemlich stimmig: Von 133 Moppern und Schnüdeln,  die sich in ihrer Facebookgruppe an einer Abstimmung beteiligten, waren nur sieben gegen, die überwältigende Mehrheit jedoch für eine Wittchen-Ampel. Vielleicht sollten sie  mal versuchen, die Regierung mit einer Petition zu erweichen. Denn dass wir Lohrer blöder sind als Münchner und Mainzer, dass wir alternative Motive falsch interpretieren könnten, das glaubt doch wirklich keiner - nicht einmal Würzburger. 

Gut, kann schon sein, dass der ein oder andere Gast sich wundert. Leute, die es eilig haben. Solche wie der Mann im Rentenalter, der diese Woche beim Bäcker wegen eines Getränks anstand. Es war gegen halbzwei, die Frau hinterm Tresen hatte grad viel zu tun mit Gästen im Außenbereich. "Nur keine Hektik, wir haben doch Zeit", gab sich ein anderer Kunde gelassen. "Stimmt's?", rückversicherte er sich mit Blick in die Runde Wartender. Die Frau nickte. Der Mann aber widersprach nachdrücklich. "Ich nicht!", ereiferte er sich. "Ich muss noch 70 Kilometer radeln!"  Armer Kerl, hab ich mir gedacht. So was nennt man Freizeitstress - selbstgemacht. Die beiden Kunden vor ihm taten, was gute Lohrer tun: Sie gewährten dem Bedauernswerten Vortritt. Das lob' ich mir.  

Am Donnerstag waren andere unterwegs: Väter, die zumeist gar keine sind. Echte Väter sind schließlich von der Erledigung ihrer häuslichen Pflichten viel zu müde zum Wandern. Und dann auch noch einen Leiterwagen ziehen .?! Kaum auszumalen, dass nach Fahrrädern und Tretrollern auch noch Leiterwagen mit Elektromotoren und Akkus bestückt werden könnten. Dann würden auch die müdesten Väter am Vatertag zu Gipfelstürmern und schaffen die Kästen Bier mühelos die steilsten Steigungen hinan.

Junge Lohrer schaffen das auch ohne. Haben sie erst tags zuvor wieder gezeigt, beim Kastenlauf. Selbst jene, die sich als Schüler noch vor tatsächlichem Wandern an Wandertagen gedrückt haben, schleppen freiwillig Bierkästen nach Wombach. Klar: Nüchtern war am Ende kaum noch einer. Aber eine Mordsgaudi war's wieder.  Und - Kronkorken hin, Wodkaflasche her: Ausgetickt ist offenbar keiner. Zumindest gab es bei der Polizei diesmal keine einzige Beschwerde oder gar Anzeige. Auch wenn ich kollektive Besäufnisse schon auch für höchst fragwürdig halte: Das lob' ich mir. 

Euer Bayerstürmer

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