LOHR

Der Bayerstürmer: Weniger ist mehr

Bayerstürmer: Schneewittchen bei den Indianern

Sonntag auf dem Weihnachtsmarkt in Lohr: Es schneit. Herrlich. Ein Papa dreht mit seinem Sohn eine Stadtrunde, genießt die weiße Pracht. Doch kaum zurück in der Hauptstraße, ist er entsetzt: Quält sich doch ein Räumfahrzeug durch die enge Budengasse hindurch, schiebt eine Schneise frei und den ganzen Matsch beiderseits vor die Bretterbuden. Zudem verschleudert es auch noch großzügig Streusalz, womit es so manchem Marktbesucher gepökelte Winterstiefel beschert. Vielleicht wäre da etwas weniger mehr gewesen.

Die Lohrer Polizei, die hat dieses Erfolgsrezept schon länger erinnerlicht. Während die Kollegen aus Gemünden und Marktheidenfeld täglich ein halbes Dutzend Meldungen und mehr absetzen, begnügen sich die Lohrer mit derer zwei - oft sogar mit einem einzigen Parkplatzrempler oder dem Hinweis: Fehlanzeige. Nun glaub ich ja nicht wirklich, dass der Raum Lohr eine Oase des Friedens ist. Vielmehr keimt in mir der Verdacht auf, dass die hiesigen Beamten halt vieles im Stillen regeln, kein großes Aufhebens und nur das Allernötigste öffentlich machen. Eben nach dem Motto: Weniger ist mehr.

Aber nicht immer. Bei Schneewittchen müssen es nunmal sieben Zwerge sein, mehr oder weniger, das geht gar nicht. Gleiches gilt auch für das Horrorwittchen, das nun auch Einzug in die Innenstadt gehalten hat: Weinstubenwirt Matthias Mehling, der einst die Vermarktung von Valentin Ludes Horrorwittchen-Graffiti angestoßen hatte, hat sich ein solches in Groß angeschafft und am Freitag hinterm Alten Rathaus anbringen lassen. Die gut-nachbarliche Beziehung zum Modehaus Schneebacher von Sandra Ils sorgte für ein bemerkenswertes Joint-Venture über die Hausgrenzen hinweg. Das Schöne daran ist nicht nur, dass das Ganze sogar von der Denkmalpflege und dem Ordnungsamt abgesegnet wurde: Nachts ist die Persiflage auf Peter Wittstadts Figur beleuchtet. Und, ich hab nachgezählt: es ist kein Zwerg zu viel und keiner zu wenig.

Für meine Eltern war diese Erkenntnis einst eine schmerzhafte. Um uns vier Kinder zu beglücken, investierten sie doch tatsächlich in einen sündteuren Kaufladen. Weil aber nur ein - wenngleich großes - Paket sich unterm Weihnachtsbaum komisch ausnimmt, wurde in den Wochen vorher alles zurückgehalten, was sich einpacken ließ: selbst gestrickte Socken, Werbegeschenke und Süßigkeiten.

Tatsächlich stürzten wir uns auf den Kaufladen. Doch nur für kurze Zeit. Das Rennen an diesem Abend machte nämlich ein kleines Päckchen mit zehn Luftballons. Mit denen ließ es sich herrlich spielen, zumal unterm Baum auch noch kleine Teppichklopfer gelegen waren, die wir flugs als Luftballonschläger missbrauchten. Es war ein herrliches Fest für uns Kinder. Mit dem wenigen Mehr hatten wir die größte Freude. Angenehme Erfahrungen dieser Art wünscht Euch für den Rest des Jahres Euer Bayerstürmer (rp)

Der Bayerstürmer: Weniger ist mehr
Sonntag auf dem Weihnachtsmarkt in Lohr: Es schneit. Herrlich. Ein Papa dreht mit seinem Sohn eine Stadtrunde, genießt die weiße Pracht. Doch kaum zurück in der Hauptstraße, ist er entsetzt: Quält sich doch ein Räumfahrzeug durch die enge Budengasse hindurch, schiebt eine Schneise frei und den ganzen Matsch beiderseits vor die Bretterbuden. Zudem verschleudert es auch noch großzügig Streusalz, womit es so manchem Marktbesucher gepökelte Winterstiefel beschert. Vielleicht wäre da etwas weniger mehr gewesen. Die Lohrer Polizei, die hat dieses Erfolgsrezept schon länger erinnerlicht. Während die Kollegen aus Gemünden und Marktheidenfeld täglich ein halbes Dutzend Meldungen und mehr absetzen, begnügen sich die Lohrer mit derer zwei - oft sogar mit einem einzigen Parkplatzrempler oder dem Hinweis: Fehlanzeige. Nun glaub ich ja nicht wirklich, dass der Raum Lohr eine Oase des Friedens ist. Vielmehr keimt in mir der Verdacht auf, dass die hiesigen Beamten halt vieles im Stillen regeln, kein großes Aufhebens und nur das Allernötigste öffentlich machen. Eben nach dem Motto: Weniger ist mehr. Aber nicht immer. Bei Schneewittchen müssen es nunmal sieben Zwerge sein, mehr oder weniger, das geht gar nicht. Gleiches gilt auch für das Horrorwittchen, das nun auch Einzug in die Innenstadt gehalten hat: Weinstubenwirt Matthias Mehling, der einst die Vermarktung von Valentin Ludes Horrorwittchen-Graffiti angestoßen hatte, hat sich ein solches in Groß angeschafft und am Freitag hinterm Alten Rathaus anbringen lassen. Die gut-nachbarliche Beziehung zum Modehaus Schneebacher von Sandra Ils sorgte für ein bemerkenswertes Joint-Venture über die Hausgrenzen hinweg. Das Schöne daran ist nicht nur, dass das Ganze sogar von der Denkmalpflege und dem Ordnungsamt abgesegnet wurde: Nachts ist die Persiflage auf Peter Wittstadts Figur beleuchtet. Und, ich hab nachgezählt: es ist kein Zwerg zu viel und keiner zu wenig. Für meine Eltern war diese Erkenntnis einst eine schmerzhafte. Um uns vier Kinder zu beglücken, investierten sie doch tatsächlich in einen sündteuren Kaufladen. Weil aber nur ein - wenngleich großes - Paket sich unterm Weihnachtsbaum komisch ausnimmt, wurde in den Wochen vorher alles zurückgehalten, was sich einpacken ließ: selbst gestrickte Socken, Werbegeschenke und Süßigkeiten. Tatsächlich stürzten wir uns auf den Kaufladen. Doch nur für kurze Zeit. Das Rennen an diesem Abend machte nämlich ein kleines Päckchen mit zehn Luftballons. Mit denen ließ es sich herrlich spielen, zumal unterm Baum auch noch kleine Teppichklopfer gelegen waren, die wir flugs als Luftballonschläger missbrauchten. Es war ein herrliches Fest für uns Kinder. Mit dem wenigen Mehr hatten wir die größte Freude. Angenehme Erfahrungen dieser Art wünscht Euch für den Rest des Jahres Euer Bayerstürmer (rp)

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