LOHR

Der Bayersturm: Sein Verein ist nun Geschichte

Bayersturmverein: Er hat Unglaubliches geleistet für das Meeviertel in Lohr. Jetzt hat er sich aufgelöst.
Der Andrang zum sechsten Bayersturmfest war zeitweise geradezu beängstigend – vor allem am Sonntag, als die Amerikaner in der Fischergasse musizierten.
Der Andrang zum sechsten Bayersturmfest war zeitweise geradezu beängstigend – vor allem am Sonntag, als die Amerikaner in der Fischergasse musizierten. Foto: Madre

Viele erinnern sich auch heute noch gerne an die legendären Bayers-turmfeste, die der Bayersturmverein in den 1970er und 1980er Jahren zusammen mit dem früheren Bürgerverein veranstaltet hat. 15 waren es insgesamt, das erste fand 1975 statt, das letzte 1989. Gemeinsam war den Festen: Sie zogen unvorstellbar viele Besucher an.

Nicht nur die Bayersturmfeste sind Vergangenheit, jetzt gibt es auch den Verein nicht mehr. Er wurde aufgelöst, weil das Hauptziel, der Einbau einer Treppe in den Bayersturm, längst erfüllt ist, keine weiteren Feste veranstaltet werden sollen und die Vorsitzenden mittlerweile verstorben sind. Vor diesem Hintergrund übergab Peter Amann am Freitag die Turmschlüssel sowie das verbliebene Barvermögen des Vereins – rund 1300 Euro, zweckgebunden für den Bayersturm zu verwenden – an Bürgermeister Mario Paul.

Laut Amann entstand die Idee, den Bayersturm mit einer neuen Treppe für den Fremdenverkehr attraktiv zu machen, 1974 bei einem Pfarrfest. Alfred Stumpf, Toni Hoffmann, Manfred Walter und Elisabeth Franz hätten damals „aus einer Bierlaune heraus“ vorgeschlagen, mit den Anwohnern des Meeviertels so lange ein Fest zu feiern, bis aus den Erlösen genügend Geld für eine neue Treppe beisammen sei.

Kurz darauf sei diese Idee in einer Meeviertelversammlung als Beschluss gefasst worden. Bereits 1975 sei der Verein gegründet und das erste Fest gefeiert worden. Daraus habe sich die „erste und größte positive Bürgerinitiative in Lohr“ entwickelt. Neben den Meeviertelbewohnern haben sich bei den Bayersturmfesten laut Amann noch viele andere Gruppen eingebracht, große Hilfen seien auch der städtische Bauhof und die Brauerei Stumpf gewesen. „Wir hätten das im Meeviertel alleine gar nicht gestemmt.“

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Der Bayersturmverein: Ein Nachruf

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Schon nach drei, vier Festen sei die Treppe finanziert gewesen, sagte Amann. Dennoch habe man aufgrund des großen Erfolgs weitergemacht, bis man 1989, nach dem 15. Fest, den Schlussstrich gezogen habe. Insgesamt habe man durch die Feste knapp 370 000 Mark zusammenbekommen; damit habe man viele Projekte im Lohrer Meeviertel und darüber hinaus ermöglicht.

Allein in den Bayersturm wurden laut Amann 185 000 Mark gesteckt (Treppe 125 000, Ausstattung 50 000, Glocke 10 000); die Stadt habe weitere 58 300 Mark investiert (Sanitär- und Elektroinstallation 23 300, Ausräumen, Schutt abfahren, Türen ablaugen, Fußboden 35 000).

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Bayersturmfeste

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Die Bayersturmfeste hatten laut Amann den positiven Nebeneffekt, dass im Meeviertel mit seiner damals nicht gerade einladenden städtebaulichen Situation eine Aufbruchstimmung entstanden sei. Die Leute hätten begonnen, ihre Häuser zu sanieren, die Stadt habe den Steinmühlplatz und die Fischergasse umgepflastert; heute spazierten Touristen durchs Meeviertel und seien begeistert.

Es sei „überaus beeindruckend“, was dort von den Bürgern geleistet worden sei, meinte Bürgermeister Paul. Er versprach, das Erbe des Bayersturmvereins in Ehren zu halten.

Elftes Bayersturmfest im September 1985: Festlich geschmückt, wird eine Gedenktafel zum Bayersturm getragen. Sie soll daran erinnern, dass es die Bürgeraktion Bayersturm war, die dem Lohrer Wahrzeichen zu seinem neuen Glanz verholfen hat. Die Bedeutung der Stunde unterstrich bei der Montage die Anwesenheit des (von links) Bundestagsabgeordneten Alfred Biehle, des Zweiten Bürgermeisters Gerhard Gensthaler, von Bürgermeister Gerd Graf mit Ehefrau Christl, Ex-Landtagsabgeordneten Oskar Rummel und des Dritten Bürgermeisters Fritz Vogel (rechts). Am Mikrofon (hinter der Leiter) der Vorsitzende des Freundeskreises Lohrer Meeviertel, Manfred Walter, links hinter ihm Peter Amann.
Elftes Bayersturmfest im September 1985: Festlich geschmückt, wird eine Gedenktafel zum Bayersturm getragen. Sie soll daran erinnern, dass es die Bürgeraktion Bayersturm war, die dem Lohrer Wahrzeichen zu seinem neuen Glanz verholfen hat. Die Bedeutung der Stunde unterstrich bei der Montage die Anwesenheit des (von links) Bundestagsabgeordneten Alfred Biehle, des Zweiten Bürgermeisters Gerhard Gensthaler, von Bürgermeister Gerd Graf mit Ehefrau Christl, Ex-Landtagsabgeordneten Oskar Rummel und des Dritten Bürgermeisters Fritz Vogel (rechts). Am Mikrofon (hinter der Leiter) der Vorsitzende des Freundeskreises Lohrer Meeviertel, Manfred Walter, links hinter ihm Peter Amann. Foto: Joachim Spies
Der Würzburger Bildhauer Helmuth Weber arbeitet an der Figur des Fischerbrunnens, den der Bayersturmverein finanzierte – ein Foto aus dem Jahr 1983.
Der Würzburger Bildhauer Helmuth Weber arbeitet an der Figur des Fischerbrunnens, den der Bayersturmverein finanzierte – ein Foto aus dem Jahr 1983. Foto: Georg Heußner
Vor dem sicheren Abwracken gerettet: der Aalschokker. Das Foto stammt vermutlich aus dem Jahr 1986, als er an der Alten Mainbrücke aufgestellt wurde.
Vor dem sicheren Abwracken gerettet: der Aalschokker. Das Foto stammt vermutlich aus dem Jahr 1986, als er an der Alten Mainbrücke aufgestellt wurde. Foto: foto privat
Bayersturmfest im September 1985: Viel Beifall erntete die Spielgruppe der Volkshochschule mit ihrem Theaterstück „Der Krämerskorb“ von Hans Sachs.
Bayersturmfest im September 1985: Viel Beifall erntete die Spielgruppe der Volkshochschule mit ihrem Theaterstück „Der Krämerskorb“ von Hans Sachs. Foto: Joachim Spies
September 1980: Das Feuer- oder Sprechhorn, das unter dem Schutt des renovierten Bayersturms gefunden worden war. Es ist heute im Spessartmuseum zu sehen.
September 1980: Das Feuer- oder Sprechhorn, das unter dem Schutt des renovierten Bayersturms gefunden worden war. Es ist heute im Spessartmuseum zu sehen. Foto: Otto Madre
Peter Amann (rechts) übergibt Bürgermeister Mario Paul den Bayersturm-Schlüssel und das Restvermögen des aufgelösten Bayersturmvereins.
Peter Amann (rechts) übergibt Bürgermeister Mario Paul den Bayersturm-Schlüssel und das Restvermögen des aufgelösten Bayersturmvereins. Foto: Wolfgang Dehm
„Hohen Sammlerwert“, versprach man sich von dieser Flasche, 1982 von der Spessart-Glas in limitierter Serie hergestellt. Der Inhalt: 0,535 Liter Obstler.
„Hohen Sammlerwert“, versprach man sich von dieser Flasche, 1982 von der Spessart-Glas in limitierter Serie hergestellt. Der Inhalt: 0,535 Liter Obstler. Foto: Otto Madre
Der Zinnguss, den Gerhard Gensthaler 1983 fertigt, zeigte unter anderem markante Gebäude aus Lohr. Freundeskreis-Vorsitzender Manfred Walter schaut zu.
Der Zinnguss, den Gerhard Gensthaler 1983 fertigt, zeigte unter anderem markante Gebäude aus Lohr. Freundeskreis-Vorsitzender Manfred Walter schaut zu. Foto: Wellisch

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