LOHR

Der Bilderkult gehört zur Ostkirche

Eine russische Ikone, die im Fischerhaus zu sehen war. Foto: Anderlohr

Zwei Tage lang hatte im Fischer-Haus am Kirchplatz die Ikonengalerie Karl Eisenlauer aus Autenried eine Auswahl von Ikonen – überwiegend aus Russland, aber auch aus Griechenland – ausgestellt. Am Samstag sprach der Lohrer Historiker Karl Anderlohr über die Bedeutung der Ikonen für die Christen des Ostens, zu denen nicht nur die orthodoxen Kirchen gehören, sondern auch die katholischen Christen des byzantinischen Ritus, unter anderen die über vier Millionen Gläubigen der ukrainischen katholischen Kirche.

In den ersten Jahrhunderten fühlten sich die Christen noch an das Bilderverbot des Ersten Gebots gebunden. Darstellungen in christlichen Gräbern zeigen Symbole wie einen Korb mit Broten oder den Fisch, das Geheimzeichen der verfolgten Christen; später gab es auch Darstellungen wie das Letzte Abendmahl oder Szenen aus dem Alten Testament. Die abgebildeten Personen zeigten jedoch noch keine individuellen Züge.

Scheu vor Darstellung

Auch nachdem unter Kaiser Konstantin dem Großen und seinen Nachfolgern die Christen ihren Glauben offen bekennen konnten, scheute man sich noch, Christus, seine Mutter oder die Apostel im Bild darzustellen. Das änderte sich erst allmählich.

Im 7. Jahrhundert hatten sich die Bilder (Ikonen) auch in den Kirchen weitgehend durchgesetzt. Der griechisch-syrische Kirchenlehrer Johannes von Damaskus rechtfertigte den Bilderkult mit den Worten „Einst konnte Gott, der weder Körper noch Gestalt hat, keineswegs durch ein Bild dargestellt werden. Aber jetzt, nachdem er im Fleisch sichtbar wurde, und mit den anderen Menschen lebte, kann ich von dem , was ich von Gott gesehen habe, ein Bild machen.“

Aber es gab im Osten noch immer Gegner des Bilderkults. Der oströmische Kaiser Leon III. verbot 730 jede Verehrung der heiligen Bilder. Sie wurden vernichtet, wo immer man ihrer habhaft werden konnte. Bilderverehrer wurden mit unerbittlicher Grausamkeit verfolgt, eingekerkert, gefoltert, verstümmelt und hingerichtet. Das änderte sich unter Kaiserin Irene. Sie ließ 787 das zweite Konzil von Nizäa einberufen, das die Bilderverehrung ausdrücklich billigte.

Im Westen hatten die römischen Päpste zwar eindeutig für die Bilderverehrer Stellung genommen. Hier hatte man für den Bilderstreit wenig Verständnis und erklärte „Auch wir verehren Bilder Christi und der Heiligen, aber wir beten sie nicht an.“

Das veranlasste die Ostkirche zu der Klarstellung, man bete Gott allein an, nicht aber Holz oder Farben. Basileios der Große, einer bedeutendsten griechischen Kirchenlehrer fasste die Ikonentheologie des Ostens in einem Satz zusammen: „Zum Urbilde trägt empor die Verehrung des Bildes. Darum lasst uns beharrlich verehren die Bilder Christi und der Heiligen!“

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