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Lohr

Der Erfinder des frechen Sams kommt nach Lohr

Paul Maar, einer der erfolgreichsten deutschen Kinder- und Jugendbuchautoren. Foto: Daniel Peter

Das Sams und die Wunschpunkte, Lippels Traum, Kartoffelkäferzeiten – seit 1968 schreibt und illustriert Paul Maar Kinder- und Jugendbücher. Und nicht nur das. Der 82-Jährige, der in Schweinfurt geboren wurde und in Bamberg lebt, hat auch als Übersetzer, Drehbuch- und Theaterautor gearbeitet, als Bühnenbildner und Theaterfotograf. Er ist am am Sonntag, 27. Oktober, um 15 Uhr beim Kinder- und Jugendliteraturfestival Gast in der Lohrer Stadthalle. Er tritt bei einer musikalischen Lesung mit dem Schiefen Märchentrio auf, zu dem Konrad Haas (Querflöte, Blockflöte, Keyboards) und Wolfgang Stute (Gitarre, Perkussion) gehören.

Im Interview mit Christiane Kuhn, Mitveranstalterin des Jugendliteraturfestivals Lohr, spricht Maar über Kindheit, Bücher und das Schiefe Märchentrio.

Was macht ein gutes Kinderbuch aus?

Das weiß ich selber nicht, und wage es auch nicht, ein Urteil zu fällen und zwischen guten und weniger guten Kinderbüchern zu unterscheiden.

Was waren Ihre Lieblingsbücher als Kind?

"Die Indianergeschichte" von Gerhart Drabsch, illustriert von Alfred Zacharias, "Robinson Crusoe", ebenfalls illustriert von Zacharias. Die Bilder aus diesen Büchern habe ich bestimmt hundertmal nachgezeichnet.

Haben Sie ein Lieblingsbuch unter Ihren eigenen Büchern?

Kinderbuch: "Lippels Traum", Jugendbuch: "Kartoffelkäferzeiten".

Was ist das Besondere daran für Kinder zu schreiben? Was schätzen Sie an Kindern?

Kinder reagieren unmittelbar, denken noch nicht in Klischees, sagen ganz direkt, wenn ihnen etwas (zum Beispiel ein Buch) nicht gefällt, lachen gerne, schreiben lange Briefe an den Autor, haben noch viel mehr Fantasie als die Erwachsenen.

Haben Sie das Gefühl, dass Kinder zu schnell erwachsen werden?

Ja, durchaus.

Sie sind jetzt über 80 – wie viel Kind steckt noch in Ihnen?

Circa 50 Prozent, sonst könnte ich nicht für Kinder schreiben.

Herr Taschenbier, Frau Rotkohl, Lippel – diese Namen sind originell und einprägsam gleichermaßen, sammeln Sie Namen oder erfinden Sie sie?

Ich sammle etwas schräge, ungewöhnliche Familiennamen, weil ich denke, dass die Figuren in meinen Büchern nicht nur Maier, Schmitt oder Müller heißen sollten. Besonders bei fantastischen Geschichten dürfen meine Helden auch etwas fantasievollere Namen habe. Es gibt in meiner Schreibtisch-Schublade eine ganze Sammlung ungewöhnlicher Namen. Gewissermaßen als Vorrat für künftige Bücher. Oft gehe ich mit dem Notizbuch in der Hand über alte Friedhöfe und notiere mir die oft kuriosen Namen, die auf den Grabsteinen stehen: Silberpfennig, Krautwurst, Schweinesbein...

Sie sind künstlerisch sehr vielseitig. Nun noch die Musik. Wie kommt das? Das Schiefe Märchentrio – wie kam der Titel zustande? Wie muss man sich eine musikalische Lesung vorstellen?

Mit zunehmendem Alter verliere ich die Lust, alleine mit dem Zug unter öfterem Umsteigen zu einer Lesung zu fahren. Deshalb habe ich zwei befreundete Musiker gefragt (Konrad Haas und Wolfgang Stute), ob sie nicht Lust hätten, mit mir zusammen aufzutreten, wenn ich aus meinem Buch "Schiefe Märchen und schräge Geschichten" vorlese. Ich werde dann von ihnen zu Hause in Bamberg mit dem Auto abgeholt und zur Veranstaltung gefahren. Da wir als Trio auftreten, war es naheliegend, uns das Schiefe Märchentrio zu nennen. Ich lese meine schiefen Märchen vor, sie spielen zwischen den einzelnen Geschichten selbst-komponierte Musikstücke. Damit sie aber nicht däumchendrehend neben mir sitzen und warten, bis ich meine Geschichte zu Ende erzählt habe, und sie wieder dran sind, gab ich ihnen Dialoge aus den Geschichten zu sprechen, was sie auch gerne und gut tun. Allerdings sagten sie mir: "Wenn wir deinen Part als Sprecher mit übernehmen müssen, musst du unseren Part als Musiker mit übernehmen: Wir werden die vertonten Gedichte aus dem Buch gemeinsam, also zu dritt singen!"

Sie nehmen sich Zeit für das Signieren – ist der Kontakt zu Kindern Inspiration?

Leider bleibt während des Signierens kaum Zeit, sich mit einem der Kinder zu unterhalten. Die hinter ihm in der Schlange stehenden, drängenden, wartenden, anderen Kinder würden dies kaum akzeptieren.

Und die letzte Frage: Brauchen wir alle mehr Sams im Leben?

Als ich vor fast 50 Jahren das erste Samsbuch schrieb, hätten wir alle ein bisschen frecher und aufmüpfiger sein können. Heute im Zeitalter der unverschämten Internet-Beschimpfungen muss man nicht frecher werden, im Gegenteil. Es könnte aber nicht schaden, ein wenig fantasievoller zu sein.

Erstes Kinder- und Jugendliteraturfestival Lohr
Im Rahmen von „Lohr <3 Literatur“, dem ersten Kinder- und Jugendliteraturfestival Lohr, finden vom 25. bis 27. Oktober laut Pressemitteilung folgende Veranstaltungen in der Stadthalle statt:
"Das Lumpenpack" am Freitag, 25. Oktober, Einlass: 19 Uhr, Beginn: 20 Uhr. Eine Gitarre, zwei Stimmen, viel Konfetti – das kann nur „Das Lumpenpack“ sein. Das Lumpenpack ist eine Band mit Hang zu ausgelassenen Pläuschchen zwischen ihren Songs. Konzertcomedy nennen sie das ganze. . Max Kennel und Jonas Meyer lernten sich beim Poetry Slam kennen, wo sie ihre Wurzeln haben. Ihr Hit „Guacamole“ wurde über 15 Millionen mal geklickt, ihre Konzerte sind größtenteils ausverkauft.
Kinderuni der Universität Würzburg; Samstag, 26. Oktober, Einlass: 14 Uhr, Beginn: 15 Uhr. Die Kinderuni richtet sich mit ihrem Programm vor allem an Grundschulkinder, die unterhaltsam an die Themen der Wissenschaft und der Forschung herangeführt werden sollen. Zu entdecken gibt es die Bildwelten der Märchen und Fabeln, die an der Uni erforscht werden. Eintritt frei.
Paul Maar und das Schiefe Märchen Trio am Sonntag, 27. Oktober, Einlass: 14 Uhr,Beginn: 15 Uhr. Der bekannte Kinderbuch-Autor Paul Maar („Das Sams“) hat mit „Schiefe Märchen und schräge Geschichten“ ein neues Buch veröffentlicht, in dem er sich auf skurrile, ironische und humorvolle Weise mit dem Märchen befasst. Mit diesen schrägen Märchen geht Maar nun mit zwei bekannten Musikern auf Tour:  Mit dem Gitarristen und Perkussionisten Wolfgang Stute, der alle im Stück vorkommenden Instrumentaltitel komponiert und dem Allround-Musiker Konrad Haas, der Querflöte, Saxophon oder Keyboard spielt und etliche der in diesem Buch enthaltenen Gedichte vertont hat.
Veranstalter ist die Stadt Lohr.

Karten für Lumpenpack und Paul Maar gibt es unter www.stadthalle-lohr.de und bei ADticket-Vorverkaufsstellen in der Region.

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