GEMÜNDEN

Der Pate residiert in Hofstetten

Inspiration: Ausreichend Anregungen zu seinen Verbrechen hat Krimi-Autor Günter Huth in seiner Zeit als Geschäftsleiter des ehrwürdigen Gemündener Amtsgerichts (im Hintergrund) erhalten.
Inspiration: Ausreichend Anregungen zu seinen Verbrechen hat Krimi-Autor Günter Huth in seiner Zeit als Geschäftsleiter des ehrwürdigen Gemündener Amtsgerichts (im Hintergrund) erhalten. Foto: Nadine Klikar

An Leichen mangelt es Günter Huth nicht. Seit 2003 mordet der 63-Jährige mit Hingabe und Augenzwinkern in den bekannten Schoppenfetzer-Krimis. Jetzt bringt der Würzburger Schriftsteller seinen nach eigener Aussage „ersten richtigen Thriller“ heraus: „Blutiger Spessart“. Eine Kostprobe daraus zu echten Gaumenfreuden gab es bei einer Lesung am Samstagabend im Gemündener Hotel-Gasthof „Zum Koppen“.

Erst ab 8. Februar wird der spannende 271-Seiten-Reißer im Buchhandel zu haben sein. Dass Günter Huth seine Lesereise in Gemünden begann, hat zwei Gründe: Zum einen war er bis zur Pensionierung im Dezember acht Jahre Geschäftsleiter des Amtsgerichts Gemünden und hat das neue Buch „den Menschen“ dort gewidmet. Zum anderen ist Gemünden auch einer der Hauptschauplätze im „Blutigen Spessart“. Der Held des Romans, Simon Kerner, jagt als Hobby-Waidmann Wildschweine in Partenstein und als Oberstaatsanwalt Verbrecher. Er wird zum Schluss zum Direktor des Amtsgerichts ernannt.

Wäre bereits bekannt gewesen, dass der tatsächliche Direktor, Huths früherer Vorgesetzter Reiner Lenz, tags zuvor gestorben war, hätte der Autor die Lesung sicher abgesagt. So aber genossen die Zuhörer im ausverkauften Vitrum des „Koppen“ ein ungetrübtes Krimivergnügen bei einem Vier-Gänge-„Krimimenü“. Zwischen den Gängen las Huth insgesamt etwa eineinhalb Stunden ausgewählte Passagen aus seinem Thriller vor.

Spannung bis zum Schluss

Als geübter Schreiber – der Würzburger hat seit 1975 rund 60 Kinder-, Jugend- und Sachbücher sowie Hunderte Kurzgeschichten und ein Dutzend „Schoppenfetzer“-Krimis veröffentlicht – weiß Huth perfekt Spannung zu erzeugen. Wer sich auf den ersten Seiten darauf einlässt, kann das Buch bis zu den letzten Seiten kaum mehr aus der Hand legen.

Zunächst jedoch stellt sich bei einem Kenner der Handlungsorte ein anhaltendes Schmunzeln ein, was Huth durchaus beabsichtigt; in allen seinen Krimis lässt er hintergründigen Schalk aufblitzen. So auch im „Blutigen Spessart“. Man stelle sich vor: Main-Spessart hat einen national und international einflussreichen Mafia-Boss – der Pate Don Emolino residiert in einer Zwölf-Zimmer-Villa in Hofstetten und kontrolliert vom Hinterzimmer des Eiscafés „Gelati“ in Gemünden aus die Prostitution und den Drogenhandel im Landkreis . . . Gegen ihn stehen die Kripo-Sonderkommission „Spessartblues“ und eben Oberstaatsanwalt Kerner.

Mafia-Milieu

Das Buch bedient alle Erwartungen – kenntnis- und detailreich beschrieben –, die man an den Stoff a la „Der Pate“ von Mario Puzo hat: Panzerfaust-Angriff aufs Würzburger Justizzentrum, intrigante Consiglieri, heißblütige Sizilianer, eiskalte Killer, präzise ausgeheckte Attentate, abgefeimte Geschäfte in Würzburger Kirchen, Kidnapping in Massenbuch und viele, viele Leichen.

„So weit die Grausamkeiten, jetzt gibt es eine Nachspeise“, leitete der Schriftsteller in der Lesung zum letzten Gang über. Spekulationen über tatsächliche Ereignisse weist er zurück. Die Personen und Handlungen sind rein fiktiv. Er habe nicht etwa sein Berufsleben aufarbeiten wollen, versichert Günter Huth seinen Zuhörern im „Koppen“, sondern: „Mir war mal nach was Blutrünstigem.“ Den „Schoppenfetzer“ werde es weiterhin geben, doch bleibt der Schluss von „Blutiger Spessart“ offen, was eine Fortsetzung nahelegt. Die habe er auch vor, bestätigt Huth; er könne sich eine Trilogie vorstellen.

Das können die Zuhörer offenbar auch. Nach der Lesung ist das Werk zu erwerben. Fast an jeden Tisch geht mindestens eines der Exemplare, die Huth mitgebracht hat. Nach dem ersten Lese-Teil zur Vorspeise noch unschlüssig war ein Exil-Langenprozeltener aus Würzburg, der der Einladung von Freunden gefolgt war. Die „Schoppenfetzer“-Krimis kenne er nicht, aber er lasse im Fernsehen keinen „Tatort“ aus, sagt er. Am Ende nimmt auch er ein Exemplar „Blutiger Spessart“.

„Blutiger Spessart“ von Günter Huth, ISBN 978-3-429-03554-9, erscheint am 8. Februar im Echter Verlag GmbH Würzburg. Die nächste Lesung aus dem Roman veranstaltet Günter Huth am 5. Februar in der Stadtbücherei Würzburg und im Landkreis Main-Spessart wieder am 2. März in der Bücherei Urspringen.

ONLINE-TIPP

Frühere Berichte über Günter Huth unter www.mainpost.de/regional/main-spessart/gemuenden

Reißender Absatz für Reißer: Nach der Lesung im Gemündener Hotel-Gasthof „Zum Koppen“ wollte jeder Tisch mindestens einen „Blutigen Spessart“ mit Widmung von Günter Huth.
Reißender Absatz für Reißer: Nach der Lesung im Gemündener Hotel-Gasthof „Zum Koppen“ wollte jeder Tisch mindestens einen „Blutigen Spessart“ mit Widmung von Günter Huth. Foto: Michael Fillies

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