Retzbach

Der Retzbacher David Vorraber lebt die Musik

Er war unter anderem Bundessieger bei "Jugend komponiert". Dennoch will er nicht unbedingt Musik studieren.
Der 16-jährige David Vorraber an seinem Steinway-Flügel. Foto: Günter Roth

Die Weihnachtszeit war zwar schon knapp vorbei, aber für den Pressetermin ließ der 16-jährige David Vorraber noch einmal ein Stück auf seinem Flügel erklingen, das er in den vergangenen Wochen so gerne gespielt hatte. "Ah, vous dirai-je, maman" ist eigentlich ein altes französisches Volkslied, die Melodie aber wurde bei uns durch  Mozarts Klavierwerk "Zwölf Variationen in C-Dur über Ah, vous dirai-je, maman" bekannt, das dem beliebten Adventslied "Morgen kommt der Weihnachtsmann" zugrunde liegt. Danach kommt ein Ländler aus einer Suite in fünf Sätzen, komponiert von Papa Franz.

Schon mit zwölf Jahren wurde David als musikalisches Wunderkind gehandelt, das mit drei schon lesen konnte, Klavier spielen und als ABC-Schütze seine ersten eigenen Werke komponierte. Ein Frühstudium an der Musikhochschule in Würzburg begann er mit neun Jahren, er wurde Bundessieger bei "Jugend komponiert". Heute hat der Retzbacher Unterricht bei der Hochschuldozentin Ana Mirabella Dina, hat drei weitere Wettbewerbe in Komposition gewonnen und er hat vor allem einiges an Lebenserfahrung gewonnen – erstaunlich viel für einen Teenager.

Erst einmal das Abitur machen

Die Musik, sein Flügel und das Horn sind zwar weiterhin sein Lebensmittelpunkt, aber der Schüler der elften Klasse am Gymnasium in Veitshöchheim setzt jetzt augenblicklich auch andere vernünftige, realistische Schwerpunkte: "Jetzt muss ich erst mal das Abitur ablegen. Was danach kommt, weiß ich noch nicht so genau." Das muss sogar nicht einmal zwangsläufig ein Musikstudium sein, denn das Lehramt kommt für ihn im Moment nicht infrage. Von beiden Eltern kennt er nämlich auch die Schattenseiten dieses Berufs. Sowohl die Mutter Marion, Cellistin am Mainfrankentheater, als auch der Vater Franz, Dozent in Wiesbaden, kennen dies nur zu gut.

Viele, sehr viele Stunden verbringt David mit der Musik: üben, komponieren  oder einfach nur so aus Freude. Darüber hinaus ist er ein mannigfaltig interessierter junger Mann, der gerne Sport treibt, Fußball spielt – und er "liest fast alles". Zurzeit sind es Dramen, fremdsprachige Literatur und Bücher über Geografie. Daneben gibt es einen festen Freundeskreis. Ein ganz normaler Jugendlicher eben.

Auswendig spielen ist anders

Am Flügel ist er dann doch ganz anders, er spielt das Stück nicht, er lebt es. Und dazu braucht er keine Noten. "Wenn man auswendig spielt, fließt die Musik direkt über die Finger in die Tasten und man kann viel mehr ausdrücken als mit dem Notenblatt. Die Ausstrahlung ist dann eine ganz andere", so seine Überzeugung. Auswendig spielen ist für ihn auch ein gutes Training für die Schule und fördert das fotografische Gedächtnis. Bei schwierigen Stücken merkt er sich in erster Linie die Griffe.

Doch David Vorraber beherrscht nicht nur seinen Flügel und das zweite Instrument, das Horn, hervorragend. Seine eigentliche Leidenschaft ist das Komponieren. Dabei fließen sowohl die natürliche Begabung als auch das unglaublich fundierte Fachwissen von der Musikhochschule ineinander. Als junger Mensch ist er bei seinen Kompositionen selbstverständlich immer auf der Suche nach neuen Inspirationen. Er spielt beispielsweise ein Mozartstück, dann fängt er an, die eine oder andere Stelle zu verändern, eigene Variationen einzufügen, einfach zu experimentieren. Oftmals fügt sich dann das zu einem völlig Neuen, zu einem eigenen Werk zusammen.

Im Zimmer der Musikerfamilie steht ein Flügel, ein echter "Steinway & Sons". Warum spielt und übt ein junger Mann nicht der Zeit entsprechend auf einem E-Piano, auf einem Synthesizer? Da denkt der sonst so moderne Teen völlig konservativ: "Ein klassisches Konzert hat nichts mit E-Musik zu tun. Man kann es natürlich spielen, aber das klingt nicht. Da fehlt beispielsweise der originale Klang, das Timbre, der Resonanzkörper des Holzinstruments", sagt er und fügt hinzu, das sei in diesem Fall nur "Hacke, Hacke". In der modernen Musik hat die Elektronik selbstverständlich ihre Berechtigung, meint er.

Der Vater ist Davids Vorbild

Gibt es ein musikalisches Vorbild für den jungen Musiker und Komponisten vom Main? David antwortet ganz spontan: "Mein Vater! Der hat mir die ersten Schritte beigebracht und begleitet mich bis heute." Von den großen, bedeutenden Komponisten mag er keinen besonders benennen. "Das Schaffen von denen ist so einzigartig und verschieden." Und dann kommt noch ein Nachsatz: "Letztendlich muss auch in der Musik jeder sein eigenes Leben schreiben." Ein großes Wort für einen jungen Menschen.

Wer David Vorraber live erleben will kann das am kommenden Freitag, 17. Januar, im historischen Rathaus von Retzbach tun, wo er auf Einladung des Ortsvereins der Grünen ab 20 Uhr ein Konzert geben wird.

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