GEMÜNDEN

Der Wald wird nicht leer gemacht

Die wesentlichen Ergebnisse der neuen Forsteinrichtung für den Stadtwald Gemünden stellte Forstsachverständiger Leo Egg dem Stadtrat vor. Deren Themen bildete gleichzeitig die Grundlage für den anschließenden Waldbegang des Gremiums. Im Bild von links: Bürgermeister Jürgen Lipper... Foto: Helmut Hussong

Ein gesunder Mischwald mit einer möglichst vielfältigen Baumartenzusammensetzung ist der Grundstock, auf den die Forstleute bei der Waldbewirtschaftung setzen, um die Wälder für den Klimawandel zu rüsten. Mit den Ergebnissen der neuen Forsteinrichtung und der Waldinventur hat die Stadt Gemünden jetzt eine Bestandsaufnahme und damit Basis für die Waldbewirtschaftung der nächsten 20 Jahre. Forstsachverständiger Leo Egg stellte dem Stadtrat vor dem Waldbegang zunächst im Sitzungssaal die wichtigsten Ergebnisse dieser Studie vor.

Im Oktober 2015 hatte der Stadtrat auf Anregung von Stadtförster Meinolf Arndt und Forstdirektor Christoph Kirchner vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten an Stelle der vorgesehenen Zwischenrevision das Vorziehen der alle 20 Jahre vorgeschriebenen Forsteinrichtung beschlossen. „Mit der Bestandsermittlung für die permanente Waldinventur wird die Bewirtschaftung auf ein neues staatswaldähnliches Qualitätsniveau gehoben“, hob Diplom-Forstwirt Leo Egg (Langenprozelten) jetzt hervor. Zwei Jahre hat er mit seinen Helfern daran gearbeitet und im 1782 Hektar großen Stadtwald rund 850 Messpunkte eingerichtet und die Daten in der Umgebung bewertet.

Die Zustandserfassung bildet nun die Grundlage für die künftigen Entscheidungen in der Waldbewirtschaftung und die Weiterentwicklung der Waldbestände. Einige wichtige Faktoren dabei sind die Altersstrukturen und die Baumartenzusammensetzung und Qualität der Bestände. „Mit knapp 1800 Hektar gehört der Gemündener Stadtwald zu den größeren Kommunalwäldern in Unterfranken“, erklärte Egg. Deutlich verändert hat sich die Baumartenverteilung im Stadtwald.

Nadelholzanteil nahm ab

Gab es im Jahr 1984 noch 56 Prozent Laubholz und 44 Prozent Nadelholz im Stadtwald, stieg der Laubholzanteil über 63 Prozent (Jahr 2006) auf aktuell 73 Prozent an. Der Nadelholzanteil nahm im gleichen Maße auf 27 Prozent ab. Neben dem Klimawandel trugen auch die Schäden durch die Stürme Kyrill (2007) und Emma (2008) bei. Aber trotz Klimawandels und Trend der Natur zum Laubholz sollte man hier gegensteuern, war das Fazit von Leo Egg. „Die Zielvorgabe wäre ein Anteil 35 Prozent Nadelholz“, erklärte er. Dabei wollen die Forstleute vermehrt auf Douglasie, Lärche und Tanne setzen.

Ebenfalls mit 35 Prozent am Gesamtbestand ist besonders der Eichenanteil stabil geblieben, so die positive Bilanz des Forstsachverständigen. Hier gelte es auch weiterhin die Eiche zu fördern und die jetzt mittelalten Bäume ins Endnutzungsalter zu bringen. Dabei ist seit der Forsteinrichtung im Jahr 1984 der Holzvorrat im Stadtwald ist von 200 Erntefestmetern auf aktuell 280 Festmeter je Hektar gestiegen. „Der Vorwurf, dass der Wald leer gemacht wird, stimmt damit nicht“, so Egg.

Gemünden hat aktuell einen Gesamtvorrat von 484 000 Festmetern Holz. Dieser Vorrat ist geprägt von mittelstarkem Holz (72 Prozent) und nur geringen Anteilen an starkem (zehn Prozent) und reifem Holz (sieben Prozent). Sorgenkind bei den Holzqualitäten ist die Buche. Nur sechs Prozent sind von guter Qualität und damit als Furnierholz geeignet, 34 Prozent sind mittlerer Qualität, und 60 Prozent werden als schlechte Qualität kategorisiert.

Bei der Erfolgskontrolle aus der Forsteinrichtung vom Jahr 2006 bescheinigte Egg der Stadt einen guten Pflegezustand des Waldes. Bei der Endnutzung habe man 88 Prozent des vorgesehenen Einschlages erfüllt und in der Vornutzung 111 Prozent. Auch zum Naturschutz leistet die Stadt einen großen Beitrag. Sie habe mit 8,9 Kubikmeter je Hektar vergleichsweise hohe Totholzvorräte sowie eine hohe Biotopbaumdichte (13 Stück/Hektar). Auch erhalte und pflege sie viele Kleinbiotope.

Neue Verjüngungen

Im kommenden Jahrzehnt sollen rund 74 Hektar neue Verjüngungen geschaffen werden. Schwerpunkt mit 58 Hektar sind erwünschte Mischbaumarten wie hauptsächlich Douglasie und Tanne. 16 Hektar können durch Naturverjüngung erreicht werden. Aufgrund der neuen Daten und Bewirtschaftungsziele ändert sich für die nächsten 20 Jahre der vorgesehene Hiebsatz von bisher 10 000 Festmeter auf nun 8600 Festmeter je Jahr. Da der Zuwachs mit 6,9 Festmeter je Hektar und Jahr ermittelt wurde und der Hiebsatz bei fünf Festmetern je Hektar und Jahr deutlich darunter liegt, wird ein weiterer Aufbau der Holzvorräte im Wald erwartet. Der Vorrat würde sich so von jetzt 280 Festmetern je Hektar auf 299 Festmeter im Jahr 2027 erhöhen.

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