RIENECK

Der Wandergeselle genießt die Freiheit

Geschafft: Nach mühevollem Graben hat Heidi Laracuente Rodriguez die Flasche mit persönlichen Erinnerungen geborgen. Obw...

Sie fallen ins Auge in ihrer schwarzen Kluft, mit Zylinder oder Melone als Kopfbedeckung und mit ihrem Wanderstock, dem „Stenz“, in der Hand. Auf dem Rücken ein kleines Bündel mit ein paar Habseligkeiten. Wo sie auftauchten, wecken sie die Neugierde der Mitmenschen. Handwerkergesellen auf der Walz ziehen unwillkürlich die Aufmerksamkeit auf sich.

Vor allem wenn es sich dabei um eine Frau handelt, wie im Fall der Rieneckerin Heidi Laracuente Rodriguez. Drei Jahre und einen Monat war die Konditorin auf traditioneller Wanderschaft. Ihr Trip führte sie quer durch Deutschland, in die Schweiz, nach Österreich und nach Südtirol. Und sie nutzte ihre Wanderschaft für eine ausgiebige Reise durch die USA, wo sie in drei Monaten 15 000 Kilometer zurücklegte.

Seit drei Wochen zu Hause

Heidi ist nun seit knapp zwei Wochen wieder zurück in der Heimat in Rieneck (wir berichteten). Sie hat auf ihrem Weg viele Erfahrungen gesammelt, unvergessliche Begegnungen genossen und wertvolle Freundschaften geschlossen. Sie hat viele positive Eindrücke gewonnen, aber hin und wieder auch unerfreuliche Situationen erlebt. Heidi hat in der Zeit ihrer Wanderschaft ihre Mitmenschen, aber auch sich selbst, ein gutes Stück besser kennengelernt. Und sie hat nicht nur für ihr Konditorenhandwerk eine ganze Menge an Wissen und Können gesammelt.

„Heidi Fremd Freireisende Konditorin“, so stellte sich Heidi in den vergangenen drei Jahren vor, wenn sie nach ihrem Namen gefragt wurde. Denn der bürgerliche Name wird auf Wanderschaft abgelegt – so wie das fast das gesamte bisherige Leben. Der Heimatort darf in einem 50 Kilometerradius nicht betreten werden, und die Kontaktpflege per Handy ist unter Wandergesellen verpönt.

Wozu auch ein Handy? Auf dieser ganz persönlichen Reise, erklärt Heidi, löst sich der Wandergeselle von den alltäglichen Konventionen. Er befreit sich von zeitlichen, örtlichen und von persönlichen Verpflichtungen und genießt fortan etwas, was viel reicher macht, als das armselige Bündel auf dem Rücken vermuten lässt: Freiheit. Viele Entscheidungen treffen die Wandergesellen spontan. Wie lange sie an einem Ort verweilte oder wohin es sie als nächstes verschlug, berichtet Heidi, war nie streng geplant. Oft entschied das Ziel des Autofahrers, bei dem sie zuvor als Anhalterin zugestiegen war, auch über ihren nächsten Aufenthaltsort.

Das Reisen, sagt Heidi, also das Kennenlernen von Leben, Land und Leuten, ist mindestens so wichtig wie das Sammeln von beruflichen Erfahrungen. Und während früher der Handwerker auf Wanderschaft die Lehrmeister seines Berufsstandes ansteuerte ist der „moderne“ Wandergeselle nicht so festgelegt.

Baumfällen in der Schweiz

Heidi schwärmt davon, dass die auf ihrer dreijährigen Reise ganz unterschiedliche Arbeitsbereiche kennenlernen durfte. Sie erzählt vom Baumfällen in der Schweiz, die Arbeit in einer Gemüsegärtnerei in den USA oder die Mitarbeit in einer Töpferei in Nordstrand. Was sie als Heidi Fremd Freireisende Konditorin ausprobieren durfte, hätte sie als Heidi Laracuente Rodriguez wohl nie kennengelernt. Was die Rieneckerin an Erlebnissen und Eindrücken mitgebracht hat, schildert sie in weiteren Beiträgen für die Main-Post.

ONLINE-TIPP

Lesen Sie auch den Bericht über die Ankunft der Wandergesellin Heidi Laracuente in Rieneck unter: www.mainpost.de/regional/main-spessart/gemuenden.

Der erste Schritt auf Heimatboden: Nach mehr als drei Jahren kehrte Heidi Laracuente von der Walz in ihre Heimatstadt Ri... Foto: Roland Bauernschubert

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