Lohr

Der älteste Lohrer Kanal wird erneuert

Zuerst kommt das alte Pflaster raus: In der Lohrer Muschelgasse haben am Montag die Bauarbeiten begonnen.
Zuerst kommt das alte Pflaster raus: In der Lohrer Muschelgasse haben am Montag die Bauarbeiten begonnen. Foto: Heinz Scheid

Mit einer Woche Verzögerung haben am Montagmorgen die Bauarbeiten in der Muschelgasse begonnen. Sie ist Teil des malerischen Fischerviertels, das zu den Attraktionen in der Lohrer Altstadt zählt.

Eigentlich hätten die Arbeiten schon am 11. Juni beginnen sollen. Weil in der Gasse wenig Platz ist, können nur kleinere Baugeräte zum Einsatz kommen. Die Firma Grümbel begann am Montag im Mittelabschnitt der Muschelgasse mit dem Ausbau des Pflasters. Die Steine wurden mit dem Kipper in einen Container geschüttet, der auf der Fischergasse stand.

Am Fuß des Kirchbergs

Die Muschelgasse liegt am Fuß des Lohrer Kirchbergs, ist stellenweise nur rund zwei Meter breit und wird auf beiden Seiten von kleinen Häusern gesäumt. In der Gasse liegt ein knapp 100 Jahre alter Kanal, der damit zu den ältesten Abwassereinrichtungen in Lohr gehört.

Weil die Kanalrohre stark beschädigt und undicht sind, war deren Sanierung seit Langem überfällig. Auch die Wasserleitung und weitere Versorgungsleitungen werden erneuert. Zum Schluss soll das alte Pflaster wieder eingebaut werden, damit die Muschelgasse ihr historisches Ambiente behält.

Für die Baufirma ist der Auftrag wegen der engen und historischen Bebauung eine Herausforderung. Beim Ausheben des bis zu 2,50 Meter tiefen Kanalgrabens muss auf die Standfestigkeit der Häuser geachtet werden, die zumeist nicht unterkellert sind. Dafür gibt es zwei Gründe: Die Muschelgasse liegt in der Hochwasserzone des Mains und die Häuslebauer konnten sich keine Keller leisten.

Historische Bebauung

Die Pflastersteine aus der Muschelgasse werden in einen Container geladen, der auf der Fischergasse steht.
Die Pflastersteine aus der Muschelgasse werden in einen Container geladen, der auf der Fischergasse steht. Foto: Heinz Scheid

Denn die Muschelgasse galt als Arme-Leute-Viertel. Auf kleinen Grundstücken entstanden dicht gedrängt kleine Häuser. In den winzigen Hinterhöfen standen Ställe für die Nutztiere. Aber gerade diese historische Bebauung macht heute den Charme der Muschelgasse aus.

Grenzstein mit Lohrer Stadtwappen und Jahreszahl 1821 im Hinterhof eines Anwesens an der Muschelgasse.
Grenzstein mit Lohrer Stadtwappen und Jahreszahl 1821 im Hinterhof eines Anwesens an der Muschelgasse. Foto: Heinz Scheid

Über Durchgangsverkehr können die Anlieger der Muschelgasse nicht klagen. Aber die Bauarbeiten werden in den nächsten Wochen und Monaten einige Beschwernisse bringen. Zum Beispiel werden die Sandsteintreppen zu den Haustüren abgebaut und durch provisorische Zugänge ersetzt.

Grenzstein von 1821

Ihr altes Pflaster wollten die Muschelgässer unbedingt behalten, berichtet Christine Blume Kauth. Da sei man sich einig gewesen und habe sich bei der Stadt dafür eingesetzt. Die Anwohnerin, die aus der Muschelgasse stammt, hat in einem Nebengebäude hinter ihrem Haus einen alten Grenzstein entdeckt mit dem Lohrer Stadtwappen und der Jahreszahl 1821 – ein Hinweis auf damalige Bautätigkeiten an dieser Stelle der Muschelgasse.

Einige Gebäude dort sind aber wesentlich älter. So steht am unteren Ende der Muschelgasse ein kleines Eckhaus, das als Geburtshaus von Hans Gottwalt von Lohr (1480 bis 1542) gilt. Er war Schüler des berühmten Würzburger Bildhauers Tilman Riemenschneider. Gottwalt übersiedelte nach Saalfeld in Thüringen, wo heute noch viele seiner Schnitzereien in Kirchen und Museen zu besichtigen sind.

So geht es im Fischerviertel weiter
Die Muschelgasse wird 2019 saniert. Im kommenden Jahr ist dann die Fischergasse an der Reihe. Während in der Muschelgasse die alten Pflastersteine wieder eingebaut werden, soll die Fischergasse einen neuen Pflasterbelag erhalten. Beide Baumaßnahmen wurden gemeinsam ausgeschrieben und sind auf Kosten von rund 1,5 Millionen Euro veranschlagt. Die Ausgaben verteilen sich auf die Stadtwerke für den Kanal- und Wasserleitungsbau mit gut 800 000 Euro und die Stadt für den Straßenbau mit knapp 700 000 Euro. Auch der Abschnitt der Stadtmühlgasse zwischen Muschel- und Fischergasse soll saniert werden. (eiei)

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