SCHÖNAU

Der krepierte Firnis

Ausschnitt eines Kreuzweggemäldes (fünfte Station, Simon von Kyrene hilft Jesus das Kreuz zu tragen) in der Kirche Mariae Empfängnis des Franziskanerklosters Schönau.
Ausschnitt eines Kreuzweggemäldes (fünfte Station, Simon von Kyrene hilft Jesus das Kreuz zu tragen) in der Kirche Mariae Empfängnis des Franziskanerklosters Schönau. Foto: Michael Mahr

Als die Franziskaner-Minoriten das Kloster Schönau vor dem Verfall retteten, sorgten sie nicht nur für den Wiederaufbau der Kirche. Sie sorgten auch für die Ausstattung des Gotteshauses im Stil der Zeit – dem Barock. Einer der wichtigsten Künstler, die sie dafür heranzogen, war der Maler Georg Sebastian Urlaub aus Thüngersheim. Über Jahrzehnte hinweg lieferte er immer wieder Werke für die Klosterkirche. Sein letzter Auftrag, etwa 1755 entstanden, waren die Gemälde des Kreuzwegs, die links und rechts an den Wänden der Klosterkirche hängen.

Der Kreuzweg gilt als Urlaubs reifstes Werk, sagt Dr. Gerhard Köhler, der Vorsitzende des Förderkreises „Kloster und Wallfahrtskirche Schönau“. Derzeit allerdings wirken die Gemälde überreif. Die Farben sind stumpf, dunkel von Ruß und Staub, und „weil der Firnis krepiert ist“, wie Restaurator Christoph Schädel erläutert. Von krepiertem Firnis spricht der Fachmann, wenn die Schutzschicht über der Malerei ihre ursprüngliche Transparenz verloren hat und milchig geworden ist. Sogar einen Farbstich kann das Bild dann bekommen.

Spuren alter Retuschen

Etliche Bilder haben außerdem vor allem an den Rändern breite dunklere Bereiche. „Das sind alte Retuschen“, erläutert Restaurator Schädel. Er schätzt, dass die Bilder vor 30 oder 40 Jahren schon einmal überholt worden sind. Die damals benutzten Farben unterliegen einem Alterungsprozess, der sich in den dunklen Bereichen zeigt. Die Kreuzweg-Gemälde sind also reif für eine erneute Restaurierung. Und der Förderkreis will diese ermöglichen.

Schatzmeisterin Christine Schorsack, die Kassenprüferinnen Lieselotte Brückner und Hermine Köhler sowie Sieglinde Gloser, die sich nicht nur im Förderkreis engagiert, sondern auch Küsterin der Klosterkirche ist, begleiteten den Vorsitzenden Gerhard Köhler bei der Vorstellung des neuen Projekts. Seit fünf Jahren widmet sich der Verein der Aufgabe, einen Beitrag zum Erhalt der künstlerischen Ausstattung der Klosterkirche zu leisten (wir berichteten mehrfach).

Der Kreuzweg ist schon das fünfte Restaurierungsprojekt, das der Verein angeht. Auch beim vorherigen, der Restaurierung dreier Figuren aus dem Mönchschor, die der Riemenschneider-Werkstatt zugerechnet werden, hat der Förderkreis schon mit Restaurator Christoph Schädel zusammengearbeitet.

Paten für Gemälde gesucht

Um die Überarbeitung der Bilder zu finanzieren, sucht der Förderkreis „Koster und Wallfahrtskirche Schönau“ wieder Paten für die zwölf Gemälde. Auf diese Weise hat der Verein vor vier Jahren bereits die Restaurierung der in das Chorgestühl des Mönchschores integrierten Gemälde möglich gemacht. „Damals hatten wir sogar mehr Interessenten für eine Patenschaft, als wir benötigten“, stellt Vorsitzender Köhler fest.

Er hofft bei den Kreuzweg-Tafeln auf ähnlichen Enthusiasmus. 350 Euro sollen die Paten pro Gemälde zur Verfügung stellen. Bei den Bildern des Chorgestühls waren es 300 Euro gewesen. Das decke nicht ganz den Aufwand für die Restaurierung der Bilder, so Köhler. Der ist je nach Zustand der Gemälde von Tafel zu Tafeln sehr unterschiedlich. Da für die Restaurierung des Kreuzwegs aber auch Zuschüsse des Landesdenkmalamts und der zugesagt sind, lässt sich damit der im Kostenvoranschlag ermittelte Aufwand decken.

Mitte Juli werden die Bilder abgehängt

Drei Interessenten haben sich sich schon beim Förderkreis gemeldet. Damit sich mögliche weitere Paten „ihr“ Kreuzweg--Gemälde aussuchen können, bleiben die Bilder Gemälde noch gut zwei Wochen in der Klosterkirche hängen. „Wer sich beteiligt, soll sich's vorher anschauen können“, sagt Guardian Pater Leo Beck. Die Patenschaften können sich auch mehrere Spender teilen.

Voraussichtlich Mitte Juli will Restaurator Christoph Schädel die Tafeln abholen und dann in seiner Werkstatt in Randersacker überholen. Läuft alles glatt, könnten die Gemälde schon Mitte August neuen Glanz in die Klosterkirche bringen.

Statt 14 nur zwölf Gemälde

Der Kreuzweg in der Schönauer Klosterkirche hat noch eine Besonderheit: Er besteht nicht aus 14 Bildern, wie sonstige Kreuzwege, sondern umfasst nur zwölf Tafeln, je sechs zu beiden Seiten des Kirchenschiffs. Die Stationen 12 und 13 des Kreuzwegs sind nicht als Gemälde ausgeführt, sondern figürlich. Die zwölfte Station „Jesus stirbt am Kreuz“ bildet das große Kruzifix an der Rückwand der Klosterkirche.

Als Station 13, „Jesus wird vom Kreuz abgenommen und in den Schoß seiner Mutter gelegt“, fungiert der Wallfahrtsaltar mit der Pieta, der Skulptur Marias mit dem Leichnam ihres Sohnes, unter der Empore. „Angeblich ist in Schönau der erste Altar überhaupt mit einer Pieta errichtet worden“, weiß Guardian Leo Beck. Er ist aber nicht erhalten. 1231 soll das gewesen sein, als noch die Zisterzienserinnen im Kloster Schönau lebten.

Mit der geplanten Restaurierung der Klosterkirche hat die Instandsetzung der Kreuzweg-Tafeln übrigens nichts zu tun. „Da stehen wir noch ganz am Anfang“, erläuterte Pater Leo Beck.

Patenschaften: Wer sich für die Übernahme einer Patenschaft interessiert, kann sich entweder in die Listen eintragen, die in der Klosterkirche ausgelegt sind, oder er kann sich beim Förderkreis-Vorsitzenden Gerhard Köhler melden, Tel. (0 93 51) 86 73, oder bei Guardian Leo Beck, Tel. (0 93 51) 60 53 82 12.

Das erste Gemälde des Kreuzwegs, den der Maler Georg Sebastian Urlaub zu Beginn des 18. Jahrhunderts für die Kirche des Klosters Schönau bei Gemünden geschaffen hat.
Das erste Gemälde des Kreuzwegs, den der Maler Georg Sebastian Urlaub zu Beginn des 18. Jahrhunderts für die Kirche des Klosters Schönau bei Gemünden geschaffen hat. Foto: Michael Mahr
Das letzte Gemälde des Kreuzwegs von Georg Sebastian Urlaub in der Kirche des Klosters Schönau.
Das letzte Gemälde des Kreuzwegs von Georg Sebastian Urlaub in der Kirche des Klosters Schönau. Foto: Michael Mahr
Guardian Leo Beck (rechts) lauscht den Erklärungen des Restaurators Christoph Schädel, der die bevorstehende Arbeit an den Kreuzwegbilder des Malers Georg Sebastian Urlaub in der Schönauer Klosterkirche erläutert.
Guardian Leo Beck (rechts) lauscht den Erklärungen des Restaurators Christoph Schädel, der die bevorstehende Arbeit an den Kreuzwegbilder des Malers Georg Sebastian Urlaub in der Schönauer Klosterkirche erläutert. Foto: Christoph Weiß

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