Lohr

Designierter Kandidat der CSU: Rieb soll Paul herausfordern

Jetzt wird es konkret: Dirk Rieb soll bei der Lohrer Bürgermeisterwahl im Frühjahr 2020 für die CSU als Herausforderer von Amtsinhaber Mario Paul ins Rennen gehen. Darauf verständigten sich am Freitagabend rund 40 Mitglieder des Lohrer CSU-Ortsverbandes bei einer nichtöffentlichen Versammlung im Gasthaus Küferstube.

In den Wochen zuvor hatte es ein parteiinternes Auswahlverfahren gegeben, bei dem neben Rieb auch Ernst Herr (62) Interesse an einer Kandidatur bekundet hatte. Die Entscheidung auf Rieb war jedoch schon vor der Mitgliederversammlung am Freitag gefallen. Es habe dort keine Abstimmung zwischen den beiden Bewerbern gegeben, so Rieb gegenüber der Redaktion.

Stattdessen habe es zur Kandidatenfrage schon zuvor »viele gute und intensive Gesprächen auf allen Ebenen« gegeben, so Herr. Man sei dabei innerhalb der Lohrer CSU gemeinsam zu der Entscheidung gekommen, dass Rieb »der am besten geeignete Kandidat« sei.

Herr kündigte demnach gleich zu Beginn der Versammlung an, Rieb bei seiner Kandidatur »mit vollem Einsatz zu unterstützen«. Für Rieb spreche sein Studium als Verwaltungsfachwirt und seine tägliche Erfahrung als Mitarbeiter in einer großen Verwaltung. Rieb ist beruflich persönlicher Referent des Ärztlichen Direktors des Lohrer Bezirkskrankenhauses.

Womöglich hat bei der Entscheidung für Rieb auch der Faktor Alter eine Rolle gespielt. Der 62-jährige Herr hätte im Falle einer Wahl zum Bürgermeister aufgrund seines Alters nur eine Wahlperiode amtieren können und dann abtreten müssen.

Rieb spürt Geschlossenheit

Vor den CSU-Mitgliedern sprach Rieb nun davon, im Zuge der Suche nach Kandidaten für die Stadtratsliste »viele positive Gespräche mit Unternehmern und Privatpersonen« geführt zu haben, die ihn in seinem Vorhaben bestärkt hätten. Auch im Lohrer Ortsverband und in der Stadtratsfraktion habe er Zustimmung und Geschlossenheit verspürt.

Der in Wombach lebende Familienvater sagt über sich, dass er sich nicht als »Mann der 1000 Seifenblasen oder Schaufensterreden« sehe. Er sei ein »Teamplayer«, der durch seine jahrelange Erfahrung als Führungskraft in verschiedenen Positionen bewiesen habe, dass er Menschen mitnehmen könne.

Rieb sieht sich als bodenständigen Menschen, dem es »um die Sache geht und nicht ums Amt«. Er wolle sich als Bürgermeister unter anderem für den Ausbau von Handel und Gewerbe einsetzen und »beste Voraussetzungen für den Zuzug von Neubürgern« schaffen.

Noch ist Rieb allerdings nicht offiziell als CSU-Kandidat für die Bürgermeisterwahl nominiert. Denn zunächst sind jetzt die beiden weiteren CSU-Ortsverbände im Stadtgebiet, also die in Halsbach und Wombach, gefragt, ob sie Rieb als gemeinsamen Kandidaten mittragen. Entsprechende Versammlungen sind bereits terminiert. Alles andere als eine Unterstützung wäre dabei sehr überraschend.

Nominierung für Juli geplant

Noch im April soll es dann eine gemeinsame Sitzung der Vorstände aller drei Lohrer CSU-Ortsverbände geben. Wenn dieser demokratische Prozess abgeschlossen sei, solle der CSU-Kandidat im Juli 2019 offiziell nominiert werden, so Herr und Rieb in einer gemeinsamen Mitteilung an die Redaktion.

Die CSU sehe sich »als stärkste politische Kraft im Lohrer Stadtrat« in der Pflicht, einen Bürgermeisterkandidaten zu stellen »und somit andere Schwerpunkte in der Lokalpolitik zu setzen«. Rieb erklärt dazu, dass die jüngste Ablehnung des städtischen Haushaltes durch die CSU-Fraktion deutlich machen sollte, dass man mit der Ausrichtung der Stadtpolitik »derzeit nicht zufrieden« sei.

Kritik am Bürgermeister

Mit Blick auf die zuletzt immer wieder ins Gespräch gebrachte Erhöhung von Gebühren und Abgaben sagt Rieb, dass es stets leicht sei, den Bürgern »an den Geldbeutel zu gehen«. Die CSU-Fraktion sehe hingegen beim Bemühen, die kritische Finanzlage der Stadt zu verbessern, die »Möglichkeiten innerhalb der Verwaltung noch nicht ausgeschöpft«. Als Beispiel nennt Rieb den noch nicht vollzogenen Verkauf des Alten Kindergartens in Sendelbach. »Selbst nach drei Jahren und einstimmigem Stadtratsbeschluss« sei dieser Verkauf noch nicht unter Dach und Fach.

Auch tue sich nichts bei der Vermarktung der städtischen Gebäude am Kirchplatz. »Das liegt aber nicht unbedingt an der Verwaltung, sondern daran, dass der Bürgermeister die Mitarbeiter mit Aufgaben beschäftigt, die er für wichtiger hält«, sagt Rieb.

Für den 42-Jährigen wäre eine Bürgermeisterkandidatur kein Neuland. Er trat 2011 als auswärtiger Kandidat in der 3500-Seelen-Gemeinde Wasserburg am Bodensee an. Damals scheiterte Rieb ganz knapp. Während er es auf 572 Stimmen (48,2 Prozent) brachte, erhielt sein damaliger Konkurrent Thomas Kleinschmidt als Kandidat von Freier Bürgerschaft und Aktiven Bürgern rund 40 Stimmen mehr (51,8 Prozent). Den damaligen Wahlkampf bezeichnete Rieb hinterer als sehr interessante Zeit, in der er viele positive Erfahrungen gemacht habe.

Folgen weitere Kandidaten?

Ob es bei der Bürgermeisterwahl 2020 in Lohr neben Amtsinhaber Mario Paul und aller Wahrscheinlichkeit nach Dirk Rieb noch weitere Kandidaten geben wird, ist derzeit offen. Paul dürfte erneut als gemeinsamer Kandidat von Grünen und SPD ins Rennen gehen.

Die Freien Wähler haben sich in der Bürgermeisterkandidatenfrage noch nicht festgelegt. Der Bürgerverein hat erklärt, nicht aktiv nach einem Kandidaten zu suchen. Die FDP will zwar mit einer Stadtratsliste antreten, aber keinen Bürgermeisterkandidaten stellen. Noch keinerlei Aussage gibt es von der AfD dazu, ob man 2020 in Lohr mit einer eigenen Liste oder gar einem Bürgermeisterkandidaten an den Start geht.

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