MAIN-SPESSART

Die Patienten stehen zu ihrem Klinikum

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Die Kostenbremse wirkt: Das Klinikum Main-Spessart wird in diesem Jahr statt eines erwarteten Fehlbetrags von 8,1 Millionen Euro wohl 7,3 Millionen Verlust einfahren. Das hat die Klinikverwaltung nach dem ersten Quartal hochgerechnet.

Zugleich ist die Gesamtzahl der Patienten trotz der teils heftigen öffentlichen Diskussionen der vergangenen Monate nicht erkennbar zurückgegangen. Anders als in vielen Veröffentlichungen behauptet, halten die Landkreis-Bürger also auch nach den angekündigten und inzwischen vollzogenen Zentralisierungen an ihrem Klinikum fest. Das erfuhren die Kreisräte im Werkausschuss Main-Spessart am Mittwoch im Landratsamt in Karlstadt.

Gewichte haben sich verschoben

Allerdings haben sich die Gewichte verschoben: Während es in Lohr im ersten Quartal 2017 204 Patienten mehr gab als bislang geplant, waren es in Marktheidenfeld 124 weniger und in Karlstadt 97 weniger. Damit haben die Zuwächse in Lohr die Abgänge in Karlstadt und Marktheidenfeld nahezu ausgeglichen.

Aufs ganze Jahr bezogen rechnet das Klinikum mit konstanten Patientenzahlen im Vergleich zum Vorjahr: 2016 haben die drei Kreiskrankenhäuser 13 675 stationäre Fälle aufgenommen; heuer sollen es 13 750 werden. Und das, obwohl die Chirurgie vom Kreiskrankenhaus Marktheidenfeld Anfang April nach Lohr verlegt wurde und obwohl die chirurgischen Belegärzte in Karlstadt ihren Vertrag außerordentlich zum 1. April gekündigt hatten.

Punktlandung in der Klinik-Planung

Klinikreferent Gregor Bett sprach mit Blick auf diese Entwicklung von einer „Punktlandung“. Zwar seien die wirtschaftlichen Zahlen immer noch „besorgniserregend“, aber es sei doch der „positive Trend erkennbar“. „Total überrascht“ habe ihn aber die Kündigung der Chirurgen unter den Karlstadter Belegärzten. Er glaubt, dass sie ihren Abgang „von langer Hand geplant“ hätten. Die Kündigung sei keine „spontane Entscheidung“ gewesen, erklärte er den Kreisräten.

Besser als erwartet ist der neue Herzkatheter in Lohr gestartet. An 20 Arbeitstagen seien bereits 68 Patienten gekommen. In den nächsten vier Wochen soll ein Rund-um-die-Uhr-Betrieb eingerichtet werden; dafür braucht das Klinikum noch einen dritten Oberarzt.

Neue Chefärzte für Chirurgie und Neurologie

Seit April hat das Klinikum einen neuen Chefarzt für Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie, Prof. Dr. Iyad Hassan, und für Neurologie, Privatdozent Dr. Peter Kraft. Sie werden sich im Laufe der Woche der Presse vorstellen.

Finanzexperte Karl Gerhard erläuterte Details zu den Zahlen. Das Wesentliche: Die Erlösseite soll heuer nahezu konstant bleiben – und das trotz des Wegfalls der Chirurgie in Karlstadt und Marktheidenfeld. In Karlstadt sollen die internistischen Belegärzte weiterarbeiten, in Lohr könnte erstmals die Zahl von 10 000 Fällen im Jahr überschritten werden. Und in Marktheidenfeld ist der Ausbau der Akutgeriatrie von 20 auf 32 Betten und der Geriatrischen Reha von 30 auf 45 Betten fest eingeplant. Diese Bereiche sind aus Sicht des Klinikums äußerst lukrativ.

Patienten müssen erst am OP-Tag kommen

Weiter im Sinkflug ist die Verweildauer der Patienten; sie liegt im Schnitt bei 5,5 Tagen. Dazu trägt bei, dass Patienten bei planbaren Operationen erst am Tag der OP einrücken müssen, sofern sie das wollen, erklärte der Ärztliche Direktor Dr. Matthias Schneider. Der positive Effekt fürs Haus: weniger „Hotelkosten“. Ziel müsse es sein, die Erlöse nun stärker wachsen zu lassen als die Personalkosten, sagte Gerhard.

Zum Personal erklärten Vertreter der Klinikleitung, dass es keine betriebsbedingten Kündigungen gebe und nur wenige Mitarbeiter das Klinikum von sich aus verlassen wollten. Das Personal werde sogar dringend in Lohr gebraucht. Bei den anstehenden Versetzungen werde man soweit möglich auf die Wünsche der Mitarbeiter Rücksicht nehmen, auch wenn man nicht alle erfüllen könne. So seien auch vereinzelte Wechsel in die Verwaltung oder in die Seniorenheime machbar.

Seniorenheime auf der Erfolgsschiene

Trotz des geringen Verlustes von knapp 200 000 Euro seien die Seniorenheime in Marktheidenfeld und Gemünden „langfristig auf der Erfolgsschiene“, erklärte Gerhard. Die Bezahlung nach Tarif und der hohe Personalschlüssel machten sich in der Qualität der Betreuung der Heimbewohner bemerkbar.

Abschließend erklärte Landrat Thomas Schiebel auf Frage von Gerhard Kraft (Die Grünen), dass man die bestehenden Verträge mit den internistischen Belegärzten in Karlstadt „soweit als möglich“ einhalten und mit ihnen zusammen „eine einvernehmliche Lösung“ für die Zukunft des Karlstadter Krankenhauses finden wolle.

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