Lohr

Die Wurzeln des Bülent Ceylan

Zum ersten Mal in Lohr: Der Mannheimer Komiker Bülent Ceylan füllte mit seinem Best-of-Programm "Intensiv" die Stadthalle bis auf den letzten Platz. Foto: Thomas Josef Möhler

Auch den letzten der rund 730 Plätze in der Stadthalle hat der Mannheimer Komiker Bülent Ceylan am Donnerstag bei seinem ersten Auftritt in Lohr gefüllt. Er ist gerade auf seiner Kleine-Hallen-Tour mit seinem Best-of-Programm »Intensiv«, in dem nicht nur viele seiner beliebten Figuren auftauchen, sondern auch einige private Erinnerungen.

Lohr sei die erste Stadt, in der niemand zur Autogrammstunde vor dem Auftritt gekommen sei, berichtete Ceylan und erntete Widerspruch aus dem Publikum: Vier Leute seien da gewesen, aber halt zu einem anderen Zeitpunkt als der Komiker. Über die exakte Angabe eines Zuhörers auf seine Frage, wie weit Frankfurt entfernt sei ("78"), war er verblüfft.

Vor allem die Empore der Stadthalle hatte es Ceylan angetan, die er als "Muppet-Show" bezeichnete (in Anlehnung an den Balkon mit den Meckerern Waldorf und Statler in der Puppenserie). Seit 21 Jahren sei er jetzt Comedian, so der 43-Jährige, aber eigentlich habe er Opernsänger werden wollen. Dass er dazu durchaus Chancen gehabt hätte, bewies er mit einem Lied aus dem Zyklus "Schuberts Winterreise".

Erste Auftritte als Parodist

In "Intensiv" geht Ceylan zurück zu seinen Wurzeln, den beruflichen wie den privaten. Schon in der Schule hatte er erste Auftritte als Parodist, in Lohr machte er Helmut Kohl, Marcel Reich-Ranicki, Boris Becker und Johannes Paul II. nach. Über die Papstparodie sei seine Mutter, eine katholische Deutsche, nicht sehr glücklich gewesen.

Sein 2012 verstorbener Vater war Türke, er habe aber immer Schweinefleisch essen dürfen, "wenn auch nur die Hälfte". Mittlerweile hat Ceylan selbst Frau und Kinder, "die ich aber nicht auf Instagram poste". Seine Familie sei sein größter Erfolg. Der Komiker hat eine Kinderstiftung gegründet, "man muss etwas zurückgeben, wenn man Erfolg hat".

Figuren aus seinen früheren Programmen tauchen in "Intensiv" auf. Dazu gehört etwa Harald, der einen Intelligenzquotienten von 8 besitzt, "Kartoffelsalat hat schon 12", und sich über nächtliches Pinkeln mit einer Erektion auslässt und Bemerkungen wie "Nichts gegen Rassismus" produziert.

Natürlich darf Hassan mit der Goldkette nicht fehlen, eine Persiflage auf Türken in Deutschland. Seinen besten Trick, Paranüsse mit den Arschbacken zu knacken, kann er leider nicht vorführen, weil keiner eine Paranuss dabei hat. Dafür singt er mit dem Publikum den "Hallebadekapp-Rap".

Mannheimer Superheld

Ceylan greift auch auf sein neues Programm "Luschtobjekt" vor, mit dem er ab nächstem Jahr unterwegs ist, und stellt die neue Figur Thor vor, den Superhelden mit dem Mannheimer Akzent. Seine Mutter habe ihn eigentlich Viktor genannt, aber das sei seinem Vater zu lang gewesen. Er habe sich für eine der beiden Silben entscheiden müssen. Seine Babysitterin sei eine Torhüterin gewesen.

Zum Schluss singt er "Engel" von Rammstein und "Sweet Dreams" von Marilyn Manson aus der Musikshow The Masked Singer, an der er als "Engel" teilnahm. Spätestens da merkt man: Ceylan gefällt es in Lohr, er möchte gar nicht von der Bühne runter. Es folgen "Atemlos" von Helene Fischer und als "Absacker" die Metallica-Ballade "Nothing Else Matters".

Eigener Sicherheitsdienst

Ceylan war der erste Künstler in der Stadthalle, der seinen eigenen Sicherheitsdienst (und einen Leibwächter) mitbrachte, der während des gesamten Auftritts im Saal präsent war. Für die Presse gab es eine ganzseitige Fotografieranweisung: in den ersten zehn Minuten auf der "durch das Personal zugewiesenen Position", ohne Blitz, diskret und "außerhalb des Sichtfensters des Künstlers".

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