Rieneck

Die beliebte kleine Rienecker Bäckerei Bechold ist geschlossen

Der vertraute Anblick am frühen Morgen bei Maria und Werner Zügner mit frischem Brötchenduft ist Vergangenheit. Foto: K-H. Wiesenfelder

Jetzt ist es unwiderruflich: Die Bäckerei und Gaststätte Bechold am Parkplatz in Rieneck schließt endgültig ihre Türen. Am Samstag war der letzte Verkaufstag in der heimeligen kleinen Ladenstube, und am Sonntagabend wurde nach den letzten Gästen auch hier die Türe endgültig zugemacht. Die lange Geschichte vom "Bachella" ist zu Ende.

Zwischen der ersten Schank- und Backerlaubnis im Jahr 1894 und dem Sommer 2019 liegen 125 Jahre, in denen die Familie Bechold über drei Generationen für die Bewirtung der Rienecker und ihre Versorgung mit Backwaren und zeitweise auch Wurstangeboten sorgte.  Doch das Alter des heutigen Bäckermeisters Friedbert Bechold und seiner Schwester Maria Zügner, die beide weit über 70 Jahre alt sind, setzten dem Geschäft und seinen Betreibern jetzt die Grenzen, so gerne sie es auch "für die Rienecker und die vielen Kunden aus den Nachbarorten weitergeführt hätten", bedauern sie voller Wehmut.

"Wir werden euch vermissen"

Schon vor Tagen und Wochen kursierten die ersten Informationen über die Schließung, doch so recht glauben wollte man es einfach nicht. Eine Anzeige im Amtsblatt machte das Aus dann endgültig öffentlich, ein Ende, das sowohl Geschäftsbetreiber als auch Kunden gleichermaßen traurig macht. "Es war uns immer eine Herzensangelegenheit, euch alle mit frischen Brötchen oder Brot das Frühstück oder die Brotzeit zu verschönern, beziehungsweise gesellige Stunden in der Gaststube zu bereiten", so Friedbert Bechold, Maria und Werner Zügner in der Nachricht, in der sie sich auch für die Treue, die wunderbaren Gespräche und Diskussionen in der Warteschlange am Samstagmorgen bedankten. "Behaltet uns und den Duft von frischem Gebäck am Morgen ist Erinnerung, auch wir werden ihn und besonders euch vermissen!".

Der Gründer der Bäckerei und Weinstube, Philipp Bechold, mit Ehefrau Magdalena, kurz nach der Eröffnung im Jahr 1894 vor dem Haus Nr. 176 in der Hauptstraße. Foto: Repro K-H. Wiesenfelder

Gegründet hatte Großvater Philipp Bechold gemeinsam mit seiner Frau Magdalena den Schank- und Backladen in der Hauptstraße Nr. 176, wo auch heute noch die Gaststätte steht. Sie wurde inzwischen einige Male umgebaut und renoviert. "Dem Bäcker Philipp Bechold wird die Erlaubnis erteilt, den Schank von Wein, Traubenmost, Apfelwein und Apfelmost sowie kalte Speisen anzubieten", so das königliche Bezirksamt Lohr in der Urkunde, die heute noch im Besitz der Familie ist. Im Jahr 1939 hat Sohn Josef Bechold die Bäckerei und Gaststätte übernommen, bis er sie 1973 an seinen Sohn Friedbert übergab. Dieser sorgte stolze 46 Jahre für Backwaren und in einer eigenen Schlachterei für Wurstwaren und die beliebten frischen Rippchen.

Spucknäpfe waren Vorschrift

In den Anfangsjahren war im Haus noch ein Stall dabei, der Giebel war Richtung Straße, und das Aufstellen von Spucknäpfen auf den Tischen war Vorschrift, weiß Friedbert Bechold noch. Eine ganze Reihe von Verkäuferinnen haben der Bäckermeister und seine Schwester im Laden ausgebildet. Besonders die verwandte Christl Schmitt aus Burgsinn war den Kunden über 25 Jahre lang ans Herz gewachsen und fand immer Zeit für ein nettes Gespräch.

Seit 125 Jahren steht gegenüber dem Parkplatz in Rienecks Mitte das Haus der Bäckerei und Weinstube Bechold. Foto: K-H. Wiesenfelder

Für seine Einsätze und den Erhalt des Bäckerhandwerks wurde Friedbert Bechold vor einigen Jahren mit dem "Goldenen Meisterbrief" von der Handwerkskammer ausgezeichnet. "Ich bin jetzt 78 Jahre alt, meine Schwester Maria ist 75, da leidet die Gesundheit immer mehr", bedauert er, der erst vor einiger Zeit einen Schlaganfall überstehen musste. Maria Zügner pflichtet ihm bei: "Jeden Tag früh um 4 Uhr in die Backstube, am Samstag schon um halb 2 Uhr, und das mit zeitweise angeschlagener Gesundheit: ein Wunder, das es überhaupt so lange gut ging."

Der Saal im Obergeschoss sah viele Feste

Doch dank fleißiger Helfer wie Ehemann Werner Zügner, Tochter Angela, Sohn Sascha und anderen konnte der Betrieb immer aufrechterhalten werden, wenn auch die Öffnungszeiten etwas reduziert worden waren.

Im Obergeschoss ist noch der Saal erhalten, direkt über der Weinstube, der bis in die 60er Jahre gerne genutzt wurde. Besonders an Kirb oder Fasenacht war er beliebt, auch wegen des schönen Blicks auf das Geschehen. Der Taubenverein, der nach dem Krieg im Ort bekannte "Osse-Club", und auch der Pfarrer nutzten den Saal. Grundlegend renoviert wurden Gaststube und Bäckerei-Theke im Jahr 2000, die außergewöhnlichen "Holzschiebefenster" ersetzten die Besitzer erst vor fünf Jahren.

Eine Ära geht in Rieneck zu Ende, Bürgermeister Wolfgang Küber dankte in der Weinstube (von links) Maria Zügner, ihrem Bruder Friedbert Bechold und Werner Zügner (rechts) für ihren Einsatz zum Wohle und zur Versorgung der Bürger im Städtchen. Foto: K-H. Wiesenfelder

Bürgermeister Wolfgang Küber bedauerte das Ende vom "Bachella", sprach aber mit einem Präsent und Blumen den besonderen Dank der Stadt aus. "Es wird sicher wehtun, wenn die letzten Kunden oder Gäste gehen, und ich für immer abschließe", so Maria Zügner und ihr Mann Werner, "aber alles hat seine Zeit". Sie werden die kommenden freien Wochen, Jahre und Urlaube genießen, Friedbert Bechold will mehr für seine Gesundheit tun. Überlegungen für Kur- und Reha-Behandlungen will er als End-Siebziger endlich in die Tat umsetzen. Und auf eines freuen sich alle drei ganz bestimmt: kein Wecker mehr mitten in der Nacht, der in die Backstube ruft! 

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